Mariella Mosler stellt in der Kunsthalle aus

Wieder einmal ist der Ausstellungsraum im Rathaus durch eine große Rauminstallation geprägt. Das stark farbige Bodenornament wirkt wie hineingegossen in den Raum, ist aber streng strukturiert. Das Ganze besteht aus Liebesperlen und gehört zur Konzeptkunst von Mariella Mosler, Professorin an der Stuttgarter Kunstakademie.

Eine Installation der "Hundreds and Thousands", so die englische Bezeichnung für Liebesperlen, hat sie erstmals im Barlach-Haus Hamburg gemacht; für Gießen hat sie eine neue, die insgesamt dritte Variante, geschaffen. Sieben Tage lang hat ihre Assistentin Daniela Wesenberg mit Hilfskräften diese Installation aus 650 kg Liebesperlen geschaffen. Nach einer farbigen Skizze, die das überwältigende Ergebnis nicht wirklich vermuten ließ. Nur an den Außenrändern verhindert ein Klebeband, dass die Perlchen fortrollen. Der Rest ist lose eingebracht: mit Bechern vorsichtig in Schablonen geschüttet, mit einem langstieligen Löffel behutsam ergänzt, mit einem Spatel geglättet, mit einer Pinzette einzelne Perlen sortiert.

Anfangs hat Mosler ihre Bodenornament-Installationen komplett selbst gearbeitet, allerdings in kleinerem Ausmaß, und es hat entsprechend lang gedauert. Die ersten Arbeiten hat sie aus Sand gefertigt, etwa bei der documenta X (1997), wo Kunsthallenleiterin Dr. Ute Riese das Werk der Hamburger Künstlerin zum ersten Mal gesehen hat. Sie strahlt, denn mit Mosler kann sie dem Gießener Publikum wieder eine ganz andere Position der zeitgenössischen Kunst präsentieren.

Wie ist sie dahin gelangt, wird gefragt bei der Vorbesichtigung. Aus einem Gegenimpuls zum herrschenden Zeitgeist der 80er Jahre, der auf Funktionalität und Öffnung der Museumsgrenzen gerichtet war. Das habe sie nicht interessiert, also habe sie woanders gesucht und sei schließlich beim Ornament gelandet. Eine Kunstform, die im Westen nach wir vor gering geschätzt ist, weil sie auf Traditionen aufbaut und vermeintlich keinen originalen Schöpfer hat. Für die Farbwahl des Gießen-Ornaments habe sie sich von Weltkarten und Wärmebildern inspirieren lassen. Das Ornament selbst sei iranischer Herkunft.

Die Wände sind weitgehend frei, nur eine Reihe zurückhaltender Spiegelbilder sind gehängt, die auch die intellektuelle Seite von Moslers Kunst zeigen. Die Bilder sind aus der Beschäftigung mit psychoanalytischen Spiegeltheorien von Lacan und Fotografien von "Wurmschlössern" im Wattenmeer entstanden. Die Vereinbarkeit von Theorie und Natur nach dem Motto: Alles gehört irgendwie zusammen. Einzig die Rückwand der Kunsthalle ist komplett behängt mit Masken aus verschiedensten Materialien, aus Verpackungselementen ebenso wie aus Essbarem. Eigentlich ein Ergebnis der Resteverarbeitung im Atelier, wie Mosler erzählt, doch ein höchst vielfältiges und amüsantes.

Daraus hat Dr. Riese eine neue Form der Publikumseinbindung geschaffen: Jeden Samstag und Donnerstag wird in der Kunsthalle zum "Maskentreff" geladen, bei dem Interessierte selbst kreativ werden können. Die Ergebnisse sollen an der Eingangswand präsentiert werden. Zu einem Masken-Workshop mit der Künstlerin wird am 12. Februar geladen (mit Anmeldung). Weitere Informationen: www.kunsthalle-giessen.de. dkl

Quelle: Gießener Allgemeine

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