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Maria Langstroff beeindruckt bei Beckmann

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Gießen (kw). »Wieso soll ich rumsitzen und auf den Tod warten, wenn ich noch etwas Sinnvolles machen kann? Man muss sich Ziele und Aufgaben setzen.« Mit dieser Einstellung ist Maria Langstroff zur Bestsellerautorin geworden.

Bald kommt das zweite Buch der todkranken 26-Jährigen heraus. In ihrem Zimmer in einem Pflegeheim in Gießen sprach Fernsehmoderator Reinhold Beckmann mit ihr. Ausgestrahlt wurden Ausschnitte des Interviews am späten Donnerstagabend in der ARD-Sendung »Beckmann«. Beeindruckt vom Marias Langstroffs Fröhlichkeit, ihrem Charme und Kampfgeist zeigten sich alle Teilnehmer der Talkrunde.

»Leben mit Behinderung – Du kannst mehr, als Du denkst!« Zu diesem Thema gaben im Studio Marias Mutter Jutta Langstroff, die Paralympics-Sportler Kirsten Bruhn, Kurt Fearnley und Henry Wanyoike sowie die ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, Auskunft. Maria Langstroff, die wegen ihrer seltenen, unheilbaren Muskelkrankheit fast am ganzen Körper gelähmt ist und nur wenig Licht verträgt, hatte zuvor mit Beckmann in ihrem abgedunkelten Zimmer gesprochen.

Die Studentin beschrieb einige der Szenen, die sie auch in ihrem Buch »Mundtot!?« schildert: Als sie noch im Rollstuhl unterwegs war, musste sie sich Sätze anhören wie »Krüppel, du hast überhaupt kein Anrecht auf Leben«. Irgendwann fasste sie den Entschluss: »Ich wehre mich jetzt, ich lasse mir das nicht bieten. Nur weil ich krank bin, heißt das nicht, dass man alles mit mir machen kann.« Aufgeschrieben habe sie das, »um für andere etwas zu erreichen«, nämlich hoffentlich etwas mehr Sensibilität im Umgang mit Menschen mit Behinderung.

Auch sie kenne solche Szenen und die eigene geschockte Sprachlosigkeit, sagte die Schwimmerin Kirsten Bruhn. »Was Maria macht, ist Hochleistungssport. Davor kann ich nur den Hut ziehen.« »Alle in Deutschland sollten hören, wie sie darüber spricht«, meinte Kurt Fearnley. Karin Evers-Meyer zeigte sich überzeugt, dass hinter solchen Angriffen meistens Hilflosigkeit stecke, »weil wir Behinderte nicht kennen. Das sind Parallelwelten.« Man müsse Inklusion leben. Die sei zur Zeit leider nicht viel mehr als ein Modewort, sagte Maria Langstroff: »So richtig umgesetzt wird es nicht.«

Natürlich kenne sie auch Verzweiflung und Tränen, ihr größter Feind sei die Zeit, sagte die 26-Jährige im Gespräch mit Beckmann. Und ihre Mutter Jutta Langstroff ergänzte, natürlich stelle sie sich nach wie vor manchmal die Frage, warum eine solche Krankheit ihre Tochter getroffen hat. »Es gibt keine Antwort darauf.« »Stolz« sei sie darauf, dass Maria sich immer wieder neue Ziele gesetzt habe, etwa das Studium. Zuletzt las die Lehramtsstudentin ihren Erstling selbst als Hörbuch ein. Zwei Wochen lang wurde ihr Zimmer zum Tonstudio. »Mundtot!?« ist nun in einer Länge von 600 Minuten auf acht CDs zu haben.

Nach wie vor habe sie Wünsche und Träume, sagte Maria Langstroff. Einer steht kurz vor der Erfüllung: »Jetzt bin ich nicht mehr mundtot! Gespräche mit Maria über Freundschaft, Familie, Glaube, ihre Krankheit und den Sinn des Lebens« heißt das neue Buch, das voraussichtlich im April, vielleicht auch schon Ende dieses Monats im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erscheinen soll. In Planung sei außerdem ein Ausflug nach Travemünde, der im Moment wegen ihres »nicht so berauschenden« Zustandes leider nicht möglich sei, erzählte sie Reinhold Beckmann.

»Bevor ich sterbe, möchte ich noch einmal das Meer sehen.«

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