Die AG Ärzte gegen Tierversuche Gießen hält eine Mahnwache vor dem Biomedizinischen Forschungszentrum Selterberg ab. FOTO: PM
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Die AG Ärzte gegen Tierversuche Gießen hält eine Mahnwache vor dem Biomedizinischen Forschungszentrum Selterberg ab. FOTO: PM

Mahnwache gegen Tierversuche

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Laut dem Verein Ärzte gegen Tierversuche gibt es deutschlandweit 700 Labore in 95 Städten, in denen Tierversuche gemacht werden - auch in Gießen. Deswegen hat die Gießener Arbeitsgruppe des Vereines jetzt eine Mahnwache vor dem Biomedizinischen Forschungszentrum Seltersberg abgehalten.

Aktivisten fordern Alternativen

Tierversuche sind umstritten. Die einen sagen, sie seien Tierquälerei, die anderen behaupten, sie seien notwendig für die Forschung. Sandra Lein von der AG Gießen hat dazu eine klare Meinung. Sie betont: "Man kann die Ergebnisse von Tierversuchen gar nicht auf den Menschen übertragen."

Es gebe zum Beispiel Wirkstoffe, die würden Hamster vertragen, aber Menschen nicht. Aber es gebe auch Wirkstoffe die ein Tier nicht vertrage, der Mensch schon. "Solche Wirkstoffe werden aber nicht mehr weiter erforscht, wenn sie in den Tierversuchen durchfallen, obwohl sie uns helfen könnten", sagt sie.

Sie hält Tierversuche für nicht zeitgemäß. Es gebe fortschrittlichere Möglichkeiten, um Wirkstoffe zu testen, wie Multi-Organ-Chips. Auf diesen befinden sich künstliche Organe, mit denen sich ein menschlicher Organismus genauer simulieren lasse.

Wie viele und wozu Tierversuche in Gießen durchgeführt werden, sei unklar. "Die letzten Zahlen, die wir haben, stammen aus 2017. Da wurden 6000 Tiere aufgelistet." Ob diese Zahlen vollständig sind, könne sie nicht sagen. So wisse man, dass 2012 fast 16 000 Mäuse auf Vorrat gezüchtet worden seien. Sie sagt: "Da man sie nicht gebraucht hat, wurden sie einfach getötet." Aber da an ihnen keine Experimente gemacht wurden, seien sie auch nicht in die Statistik eingegangen, glaubt Lein.

Das Problem sei, dass die Universität zu keinerlei Transparenz bereit sei, erklärt sie. Anfragen würde die Uni nicht beantworten.

Zeitintensive Suche

Die Aktivisten versuchen, Beiträge über Gießen in Fachzeitschriften zu sichten. Das sei zeitintensiv, aber dadurch wüssten sie, dass hier an einer Vielzahl von Tieren experimentiert werde. Lein zählt auf: "Hunde, Katzen, Mäuse, Kaninchen, Ziegen und Schafe." Es stimme übrigens nicht, sagt sie, wenn die Universität sage, dass Studierende nicht in Tierversuche eingebunden seien. "Wir sehen die Doktorarbeiten, in denen Versuche gemacht werden."

Aus dem Forschungszentrum kommt niemand nach draußen, um mit Lein und ihren Mitstreitern zu reden. Gesehen werden sie aus den Fenstern aber schon.

Quelle: Gießener Allgemeine

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