Lesung mit "Sahnehäubchen"

Das Autorinnenduo Anne Hertz umgarnt das Publikum bei Thaklia mit einer ungewöhnlich beschwingten Lesung.

Anne Hertz ist eine Schreib- kooperative aus Düsseldorf. Hinter dem Pseudonym stecken die Schwestern Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz, die ihren Roman "Sahnehäubchen" in Gießen vorstellten. Sie präsentierten in der Thalia-Buchhandlung nicht nur ihr druckfrisches Buch, sondern boten eine Leserevue, zu der mit deutscher Popmusik eingestimmt wurde.

Die zwei Schwestern haben unterschiedliche Temperamente: Lorenz (Germanistin/Anglistin) ist die singende Entertainerin, Scheunemann (promovierte Juristin) die etwas unterkühltere Literatin. Beide verfügen über eine angenehme Lesestimme, die sie während der Lesung, unterbrochen von musikalischen Intermezzi, die von Wolfgang Petris "Das ist Wahnsinn" bis Lady Gaga reichten, witzig einzusetzen wissen. Anerkennenswert ist zudem das beherzte Schreibtempo der Schwestern. Seit 2006 bringen sie breitenwirksame Unterhaltungsliteratur, vorrangig für Leserinnen, auf den Büchermarkt. Nach "Goldstück" "Glückskekse", "Wunderkerzen", "Sternschnuppen", "Trostpflaster" ist nun "Sahnehäubchen" erschienen.

Wie in den Romanen zuvor, hat "Sahnehäubchen" einen romantischen Komödienplot, der typische Charakteristika, wie etwa den Geschlechterkampf, milieubedingte Typisierungen sowie Mentalitäts- und Spracheigenheiten deutscher Regionen einsetzt. Identifikationsfiguren der Romane sind weibliche Ich-Erzählerinnen.

In "Sahnehäubchen" ist es PR-Agentin Nina, die bei einer Werbeveranstaltung eines Düsseldorfer Möbelhauses ihre Arbeit verrichtet, und bereits nach dem ersten Arbeitstag nach mehreren "Pickolöchen" hungrig zu Bett gehen muss. Das Sahnehäubchen ist allerdings ihr nächster Job, der sie mit dem Texaner Dwaine F. Bosworthist zusammenbringt, der ein Buch "Ich kann sie alle haben" veröffentlicht hat, das nun auch in Deutschland populär werden soll. Für den durchtrainierten Vorzeige-Chauvinisten entwickelt sie eine Lesereise. Und am Ende kommt es ganz anders als man denkt.

Von der Muse Thalia inspiriert, ist "Sahnehäubchen" komische Dichtung und Unterhaltungsliteratur par excellence. Ausgeschmückt mit wortreichen Vergleichen und der Sprache aus Lifestyle-Magazinen montieren Anne Hertz ihre Freizeit- und Arbeitswelterlebnisse zu boulevardesken Romanen. Ein Manko von "Sahnehäubchen" ist, dass die humorvollen Erzählfäden durch streckenweise Vergröberungen und Überzeichnungen drohen in den Hintergrund zu treten. Auch solche "leichte" Literatur muss es geben, ob es eine Lesung mit Gesang und begleitender Musik aus dem ipod geben muss, ist allerdings fraglich. mkg

Quelle: Gießener Allgemeine

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