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Lebenslange Haftstrafe für Mord an Rentner gefordert

Gießen (kan). Gegensätzlicher können zwei Anträge vor Gericht kaum sein: Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe für den mutmaßlichen Mörder des Rentners aus dem Anneröder Weg, seine Verteidiger haben auf Freispruch plädiert.

Nun liegt die Entscheidung darüber, ob der 37 Jahre alte Angeklagte verurteilt wird, in den Händen der Fünften Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts.

Staatsanwältin Daniel Zahrt geht davon aus, dass der Mann den Rentner im Dezember 2010 heimtückisch und aus Habgier ermordet hat. Er sei bei der Tat "sehr brutal vorgegangen", woraus sich die besondere Schwere der Schuld ergebe. Im Falle einer entsprechenden Verurteilung bedeutet das für den Angeklagten, dass er nicht mit einer Entlassung nach der Mindestdauer einer lebenslangen Haft von 15 Jahren rechnen kann. Obwohl es sich um einen reinen Indizienprozess gehandelt habe, sei sie überzeugt, dass nur der 37-Jährige als Täter in Frage komme, sagte Zahrt. Da seien zuerst einmal die Geldsorgen des Angeklagten gewesen. Er habe seinen Job gekündigt, wollte umziehen und seiner Familie einen gewissen Luxus bieten. Dass der Getötete viel Bargeld in seiner Wohnung gehortet hat, wusste der 37-Jährige als engste Bezugsperson des Rentners. "In völliger Verzweiflung entschied sich der Angeklagte dazu, seinen Freund umzubringen", sagte die Staatsanwältin. Dazu komme, dass er bei der Polizei zunächst zur Herkunft des Geldes gelogen hatte und erst später angab, der Rentner habe es ihm geliehen.

Das schwerwiegendste Argument aber seien die DNA-Spuren des Mannes am Tatort. "Das ist kein bloßer Zufall, sondern ein weiteres Indiz dafür, dass der Angeklagte der Täter war."

Die Verteidigung sah das ganz anders. Es sei "vernünftigerweise nicht auszuschließen, dass der Angeklagte nicht der Täter ist", sagte Rechtsanwalt Markus J. Frank. Die Auswertung der DNA-Spuren sei mit äußerster Vorsicht zu genießen. Auch das Argument der Geldsorgen ließ er nicht gelten. Um das Einkommen der Familie sei es um den Tatzeitraum herum nicht schlechter bestellt gewesen als zuvor. Weiterer Kritikpunkt der Verteidigung war die Eingrenzung des Zeitfensters, in dem der Mord geschehen sein soll. Ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Rentner zwischen dem 11. und 15. Dezember erschlagen wurde, war für die Verteidigung nicht sicher, ob er nicht noch Ende Dezember gelebt hat – der Angeklagte aber war ab dem 15. Dezember in Russland. "Mir ist es lieber, es kommt ein Mörder frei, als dass ein Unschuldiger zu lebenslanger Haft verurteilt wird", sagte Frank.

Seine Kollegin Dagmar Nautscher bekräftigte die Forderung nach einem Freispruch. Es habe nicht ermittelt werden können, was der Rentner in den drei Wochen Kur kurz vor seinem Tod gemacht habe. Möglicherweise habe er dort seinen Mörder kennengelernt, habe er doch gerne mit seinem Geld geprahlt. Der Angeklagte äußerte sich zum Prozessende zum ersten Mal selbst zu der ihm vorgeworfenen Tat. "Ich habe ihn nicht umgebracht", gab der 37-Jährige der Kammer mit in die Beratung. Das Urteil wird morgen verkündet.

Quelle: Gießener Allgemeine

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