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Die Demo zieht über den Weihnachtsmarkt.

Lauter Protest im Einkaufstrubel

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Gießen(csk). Besinnliche Töne klingen irgendwie anders. "Hätt‹ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!", schallt es am Samstag den Passanten im Seltersweg entgegen. Die 70 überwiegend jungen Frauen und Männer, die hier am frühen Nachmittag mit Transparenten und Sprechchören durch die Innenstadt ziehen, meinen natürlich nicht etwa die weihnachtsbummelnde Zuhörerschaft. Sie demonstrieren vor allem gegen den Verein "Pro Femina" und dessen Schwangerenkonfliktberatung, aber auch gegen Abtreibungsgegner im Allgemeinen sowie für die Selbstbestimmung der Frau. "Unseriöse Beratungsstellen" sollten nicht länger auf Bussen werben dürfen, wird gefordert.

Vom Bahnhof führt der Protestzug über die Frankfurter Straße und den Seltersweg bis vor das Landgericht, wo eine erste Kundgebung stattfindet. Die Demonstration stamme aus "der Mitte der Gesellschaft", betont Anmelderin Alexandra Schrankel, bevor sich der Tross in Bewegung setzt. Die jüngste Verurteilung der Gießener Ärztin Kristina Hänel sei ein Anlass, die auf Stadtbussen sichtbare Werbung von "Pro Femina" ein anderer. Im Titel der Demo spielt letzteres Thema die größere Rolle: "Fundis aus der Stadt jagen! Pro Femina hat hier nichts zu sagen!".

Unterwegs kommen die Teilnehmer an einem Stand der Evangelischen Allianz vorbei, die die Bus-Werbung initiiert hat. Mag sein, dass die Aktivisten ihre Slogans nun noch etwas lauter skandieren. Das eine oder andere Kopfschütteln bei den Vertretern der Allianz ist kaum zu übersehen.

Man wolle "liberale Schwangerschaftsabbrüche für alle Frauen", erklärt die Gießener Juso-Vorsitzende Stefanie Kraft. "Denn Gießen ist und bleibt eine liberale Stadt." Bei dem Stopp am Landgericht verliest Kraft eine Rede des Bundesverbandes von Pro Familia. Darin fordern die Verfasser Solidarität "mit Kristina Hänel und anderen Ärzten". Der politische Kompromiss zum Paragrafen 219a Strafgesetzbuch sei nicht ausreichend.

Man brauche weiterhin ein "klares Zeichen", dass die Gesellschaft Ärzte vor den Aktionen selbsternannter Lebensschützer, die das Recht auf Zugang zur Gesundheitsversorgung und Selbstbestimmung unterlaufen wollten, heißt es in der von Dörte Frank-Boegner als Vorsitzender des Pro-Familia-Bundesverbands unterzeichneten Rede. FOTO: CSK

Quelle: Gießener Allgemeine

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