Landkreis erprobt bundesweit einmaliges Budget-Modell

Gießen (pd). An der Gießener Sophie-Scholl-Schule werden Leistungen zur Integration von Schülern mit Behinderung erstmals in Budgetform gewährt.

Hinter den Beteiligten liegt ein "langer und steiniger Weg", bekräftigte Dirk Oßwald. Die Geduld hat sich offenbar gelohnt. Denn das Ergebnis der langwierigen Verhandlungen stellt alle Beteiligten zufrieden, so der Erste Kreisbeigeordnete am Freitag vor Journalisten. Rückwirkend zum Schuljahresbeginn gewährt der Landkreis in einem bundesweit einmaligen Modellprojekt an der Sophie-Scholl-Schule erstmals Leistungen zur Integration von Schülerinnen und Schülern mit Behinderung in Form eines Budgets.

Für das Budgetmodell wird ein zunächst auf ein Jahr befristeter Kooperationsvertrag zwischen der Lebenshilfe Gießen als Träger der Sophie-Scholl-Schule, dem Verein zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderung (VFIMB) sowie dem Landkreis unterzeichnet. "Für den Kreis bleiben die Kosten bei reduziertem Verwaltungsaufwand konstant", betonte Oßwald, da der Budgetbetrag nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre berechnet werde.

Die Grundsätze des Modells erläuterte Gerhard Greilich, beim Landkreis Teamleiter im Fachdienst Jugendförderung. Da im Grundsatz jedes Kind schulpflichtig ist, werde der Mehraufwand, der mitunter für die Beschulung behinderter Kinder notwendig ist, vom Kreis als Sozialhilfeträger in Form von Integrationshilfen gewährt. Gerade für Eltern seien die dafür vorgeschriebenen Untersuchungen oft mit zusätzlichen Belastungen verbunden gewesen. "Zum Teil wurde das als Schikane empfunden" berichtete Greilich. Gemeinsam mit allen Beteiligten habe man versucht, diese Situation zu verbessern. Mit dem Budgetmodell sei es gelungen, viele bürokratische Hürden abzubauen.

Auch beim Verein zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderung freut man sich über die Einigung. Geschäftsführerin Hiltrud Hofmann verwies auf die Vereinfachung des Verfahrens sowie die Klarheit durch die gesicherte monatliche Zahlung. Der VFIMB, der etwa 150 Kinder in einem Einzugsgebiet betreut, das über den Raum Gießen hinaus bis in den Wetteraukreis reicht, hat einen festen Stamm von Mitarbeitern. Vertreten sind unter anderem die Berufsfelder Heilerziehungspfleger, Sonderpädagogen, Psychologen, Krankenpfleger sowie studentische Kräfte.

Maren Müller-Erichsen, Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe, bezeichnete das Budgetmodell als "enorme Erleichterung" vor allem für die Eltern. Lebenshilfe-Geschäftsführer Magnus Schneider verwies darauf, dass in Deutschland noch immer rund 85 Prozent der behinderten Kinder Förderschulen besuchten. Die Sophie-Scholl-Schule, die als integrative private Grundschule begonnen hat und seit dem laufenden Schuljahr die Genehmigung besitzt, auf zehn Schuljahre zu erweitern, ist inzwischen auf 300 Kinder angewachsen, davon über 100 mit Behinderung. 33 Schüler fallen unter das jetzt eingeführte Budgetmodell.

"Das Thema Integration hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen", bekräftigte Oßwald. Es gehöre zu den Aufgaben der Kommune, behinderte Kinder besser am "normalen Leben" zu beteiligen. "Wir sind zuversichtlich, dass das Modellprojekt praxistauglich ist und eine bedeutende Veränderung bei der Integration von Schülern mit Behinderung einläuten wird", so der Sozialdezernent.

Quelle: Gießener Allgemeine

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