Kunsthalle zeigt ab 3. Februar "Up & Down" von Jan Albers

Wieder einmal ist in der Kunsthalle eine zeitgenössische künstlerische Position zu erleben, wieder ganz anders als vorherige. Der Düsseldorfer Jan Albers (geb. 1971) ist mit gut 30 Arbeiten in unterschiedlichen Formaten gekommen.

Es sind weitgehend Leihgaben aus Museen und Sammlungen, wodurch die Schau in Gießen "Up & Down" zu einem "Best of" geworden ist, wie der Künstler bei der Vorbesichtigung sagte. Vier Tage hat er an der Hängung in der Kunsthalle im Rathaus gearbeitet. Nichts überlässt er dem Zufall, auch die Raumgestaltung gehört für ihn zu einer Ausstellung.

So hat er zwei "Trennriegel" einbringen lassen, Wandstücke, die eine Art Parcours in der großen Halle entstehen lassen. Alle Längswände wurden mit einem mittelgrauen Anstrich versehen. Auch die Hängung der unterschiedlichen Formate ist eher ungewöhnlich: an den Rand gerückt, zur Seite und nach unten, klein neben groß, akzentuiert durch in den Raum ragendes Rohrgestänge; "Behinderungskunst" wie er es nennt. Und die Plexiglaskästen, die über fast alle Arbeiten gestülpt sind, stammen vom Künstler selbst. Natürlich sind sie auch Schutz für die dreidimensionalen Arbeiten, bedeuten aber primär "eine deutliche künstlerische Setzung".

"Meine künstlerische Haltung ist die der Antimalerei", erklärt er. Seit der Akademie ist für ihn klar, dass das Malen auf Leinwand nichts für ihn ist. Er will mit dem Material arbeiten, will "Bilder bauen". Das bedeutet bei ihm: Er stanzt und locht Papiere, biegt Rohre und presst Metall. Sein Arbeitsprinzip: Zuerst wird alles auseinandergenommen, sozusagen zerstört (dekonstruiert), um es dann neu zusammenzusetzen (rekonstruiert). "In meinem Atelier sieht es oft chaotisch aus", lacht er, doch aus Chaos entsteht bekanntlich Neues.

Es begann mit großformatigen Zeichnungen, bei denen er Fehler durch Hinzufügen oder Wegnehmen beseitigte. Dann merkte er, dass erst dieses Verfahren die Bilder interessant machte. Also begann er, diese Teile zu großen Collagen zu fertigen, die zunehmend auch in den Raum hineinragten. Dann arbeitete er mit Rohren, die er über dem Knie zurechtbog und zu linearen Strukturen arrangierte. Der Bilduntergrund ist häufig eine Art Schachmuster, das aus regelmäßig verflochtenen Papierstreifen besteht. Auf dieses Quadratraster bringt er verschiedene Materialien auf, seien es glasierte Keramikscherben oder makraméähnliche Schnürungen.

Eine andere Version sind die aus Holz gearbeiteten Reliefs: Ebenfalls auf der Basis des Quadratrasters ragen die Spitzen der abgesägten Würfel in den Raum. Im Anschluss folgt der Farbauftrag mit der Sprühdose nach dem Prinzip des fließenden Farbverlaufs. Durch dieses Prinzip des "From dusk till dawn" (von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen) erhalten auch die abstraktesten Bilder landschaftsartige Anmutung.

Und die Rundsticker (Badges) in den gebauten Bildern? "Die verleihen den Arbeiten so etwas wie Bedeutungstiefe", sagt er. Er macht alle Anstecker selbst, nutzt dafür Illustriertenfotos und Symbole, etwa von Amnesty International oder der Anti-Atomkraft-Bewegung. Das ist für ihn ein anderer Weg, seine Kunst mit der Realität zu verflechten. "Dadurch erhalten die abstrakten Bilder plötzlich einen Inhalt." Wenn in einem gepressten Geflecht aus schwarzen Rohren plötzlich Badges mit dem Gesicht von Nelson Mandela erkennbar werden, dann steht das Ganze für den Kampf gegen Apartheid. "Das war ein wichtiges Thema in meiner Kindheit.

" Seine Eltern waren als Missionare in Namibia, gehörten dort zum Widerstand. "Das ist vielleicht ein verspätetes Echo meiner Biografie", so Albers Selbsteinschätzung.

Aber es funktioniert auch unpolitisch, mit Rückgriff auf die Kunstgeschichte: Lochpapier mit voneinander abgegrenzten Farbflächen wird durch zwei Sticker mit Augen und einen mit Lippen plötzlich zum Gesicht. Und Kunstkenner fühlen sich an die abstrakten Gesichtsbilder von Jawlensky erinnert (Museum Wiesbaden). Es ist dem Künstler wichtig, dass er in der realen Welt verankert ist und keineswegs nur "konzeptionell zwischen den Ohren" lebt. Das ist ihm wichtig, bei all der Zuordnung zu Konzeptkunst und Minimal Art, die ihm von der kunsthistorischen Zunft zugedacht wird.

Denn Jan Albers, der an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, "gehört zu den zentralen Positionen des heutigen Diskurses abstrakter Kunst", wie dem Katalogbeitrag von Kunsthallenleiterin Dr. Ute Riese zu entnehmen ist. Für sie sind "klare konzeptionelle Strategien und das witzig-intelligente Spiel mit unterschiedlichsten künstlerischen und außerkünstlerischen Kontexten" das Faszinierende an den Arbeiten von Albers, der zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhalten hat, wie den Pollock-Krasner-Award und das Goslarer Kaiserring-Stipendium. Albers stellt seit mehr als zehn Jahren auf internationaler Ebene aus.

Die Vernissage findet im Beisein des Künstlers am Sonntag, 3. Februar, um 11.30 Uhr in der Kunsthalle statt.

Dagmar Klein

Quelle: Gießener Allgemeine

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