Die slowakische Choreografin Alica Minarova überführt in ihrem Tanzstück "Saudade" klassische Bewegungen aus dem Striptanz in neue Kontexte (9. November, 20 Uhr, taT-Studiobühne) und hinterfragt so den "männlichen Blick".
+
Die slowakische Choreografin Alica Minarova überführt in ihrem Tanzstück "Saudade" klassische Bewegungen aus dem Striptanz in neue Kontexte (9. November, 20 Uhr, taT-Studiobühne) und hinterfragt so den "männlichen Blick".

Kunst, Gespräche und Theorie

  • vonRedaktion
    schließen

Vom 7. bis 10. November findet die 34. Ausgabe des Diskurs-Festivals für Kunst, Performance und Wissenschaft statt. Die internationale Strahlkraft dieses Festivals zieht auch in diesem Jahr Kulturschaffende und Wissenschaftler aus sieben Ländern nach Gießen, um ihre Werke zu präsentieren.

Aus der Redaktion

Organisiert von Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft, lädt das Diskurs-Festival vom 7. bis 10. November mit seinem Thema "never again" zum Diskutieren und Fragen ein. Gemeinsam mit Künstlern, Wissenschaftlern und Zuschauern verschränken sich dabei Perspektiven und finden einen Ort zum Austausch: das Festivalzentrum. Der Georg-Büchner-Saal, Bismarckstraße 37, wird zum Ort des Dialogs - bei Nach- und Künstlergesprächen zur Frühstückszeit, als Bühne und Versammlungsort am Nachmittag und Abend.

Xavier Le Roy, Performancekünstler und Leiter des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft, betont die Bedeutung des Festivals für die Region: "Es stellt eine kulturelle Bereicherung für die Stadt Gießen und die Rhein-Main-Region dar und trägt dazu bei, ästhetische Positionen jenseits des konventionellen Kulturangebots für Studierende und Interessierte zugänglich zu machen. Der Diskurs ist über die letzten 33 Jahre zu einem erfolgreichen Festival avanciert, das Theater- und Kunstschaffende aus Europa und darüber hinaus zusammenbringt."

Ein Programm aus Vorträgen, kreativen Gesprächsformaten und Aufführungen ermöglicht es allen Interessierten, mit ihren individuellen Perspektiven einen aktiven Austausch zu befördern.

Die Leipziger Künstler Julia Lübbeke, Francis Kussatz und Alexander Klaubert untersuchen in ihrer Videoperformance "Agitation" aktuelle und historische Formen von Widerstand und Protestkultur. Die italienische Künstlerin Sara Leghissa geht in ihrer Arbeit "Puke Love"" vor allem auf die körperlichen Dimensionen von Empörung und Widerrede ein. Mareike Kajewski promoviert am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover zu "Die Spontaneität revolutionären Handelns". Dabei stellt sie sich Fragen, ob es möglich ist durch Akte revolutionären Handelns neue politische Ordnungen zu gründen. Die portugiesische Künstlerin Sall Lam Toro dekodiert in ihrer Performance "Medusa is Gaia" die Figur der griechischen Mythologie aus queerer Perspektive. Der indonesische Künstler Kelvin Atmadibrata verhandelt in seiner performativen Installation "Forcing Hyacinth" Zeitlichkeit und Erwachsenwerden. Ähnlichen Themen spüren auch Jannis Steincke und Joschua Ben Pesch, zwei Wissenschaftler der "Rheinischen Sektion der kompostistischen Internationalen" nach und setzen sich in ihren Vorträgen mit den Dimensionen von Erbe, Verantwortung und Erinnerung auseinander.

Das Video "the[video]Flâneu shoots Auschwitz" von Konstantinos-Antonios Goutos aus Marburg stellt die provokante These eines flanierenden Kameragangs durch Auschwitz in den Raum. Nina Rabuza untersucht im Vortrag Konstellationen der Erinnerung an Nazi-Verbrechen in (West-)Deutschland. "Never again" als Forderung, aktuellen Ungleichheitsverhältnissen den Kampf anzusagen, nimmt die slowakische Choreografin Alica Minarova im Tanzstück "Saudade" auf, in dem sie Bewegungen aus dem Striptanz in neue Kontexte überführt. Die Berliner Künstlerin und Ärztin Vera Piechulla untersucht die Herrschaftsverhältnisse des scheinbar objektiven Blicks auf weibliche Anatomie. Im Beitrag "Feministische Diskurse um Leiblichkeit und Dekonstruktion" diskutiert Merve Winter den scheinbaren Gegensatz von (de-)konstruktivistischen und essentialistischen Ansätzen am Beispiel der Medizin im Verhältnis zu Gendertheorien. Abschließend wird das Kollektiv Avoec Performance - die brasilianische Künstlerin Luiza Moraes und ihre amerikanische Kollegin Lori Baldwin - in ihrer Lecture Performance "Relic" den Abschied thematisieren.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare