Krimiautor Ulrich Ritzel liest in Thalia-Buchhandlung

Krimiautor Ulrich Ritzel war am Donnerstag in die Thalia-Buchhandlung gekommen, um seinen Roman "Beifang" vorzustellen. Der Autor entpuppte sich als Meister des literarischen Mosaiklegens und als eindrücklicher Erzähler mit außergewöhnlich guter Beobachtungsgabe.

Ganz gleich ob von Romanen, Krimis oder Spielfilmen die Rede ist: Es gibt wohl kaum etwas Langweiligeres als lineare Geschichten, die sich strikt nach dem Muster "von A nach B nach C" entwickeln und die dann auch noch von flachen Protagonisten leben. Nicht nur, dass das aufdringlich durchsichtige Marionettenspiel dem Lesevergnügen spätestens nach 20 Seiten ein Ende setzt. Noch viel wichtiger ist, dass diese Art des Erzählens nichts mit dem wirklichen Leben zu tun hat, und gute Literatur sollte, in welcher Form auch immer, den Anspruch haben, Leben und Gesellschaft zu spiegeln.

Das muss nicht zwangläufig mit hohen Ansprüchen von Gesellschaftskritik einhergehen, sondern bedeutet vielmehr, dass Geschichten und Personen, "so wie sie das Leben schreibt", ein eingängigeres und damit letzten Endes auch spannenderes Lektüreerlebnis ermöglichen.

Ein zugegebenermaßen in die Jahre gekommenes Beispiel dafür ist das Theater William Shakespeares, das von permanenten Ortswechseln, Brüchen in der zeitlichen Abfolge, aber vor allem von der tiefgründigen Psychologie seiner Hauptfiguren lebt. In fast allen Stücken zeichnet der Engländer ein schillerndes Mosaik menschlichen Lebens, und genau das ist einer der Gründe dafür, warum seine Werke bis heute großen Erfolg auf der Bühne versprechen.

Doch diese Art der Darstellung gibt es auch im Krimi, denn ganz ähnlich schillern - und damit zurück in die Gegenwart - die Bücher des schwedischen Altmeisters Henning Mankell. Seine feine "Seelenzergliederungskunst" hat dem Genre neue Dimensionen erschlossen, in denen sich auch Krimiautor Ulrich Ritzel zu bewegen weiß. Am Donnerstag war er in die Thalia-Buchhandlung gekommen, um seinen Roman "Beifang" vorzustellen.

Auch Ritzel ist ein Meister des literarischen Mosaiklegens und ein eindrücklicher Erzähler mit außergewöhnlich guter Beobachtungsgabe, der bereits 2001 für seinen Roman "Schwemmholz" und jüngst erneut für "Beifang" mit dem "Deutschen Krimipreis" ausgezeichnet wurde. Und diese Auszeichnung ist nur nachvollziehbar, denn bei der erstklassigen Lesung wird deutlich: Ritzels Figuren atmen die Luft dieser Welt. Unterschiedliche zeitliche Ebenen, wechselnde Orte und die anschauliche Durchdringung gesellschaftlicher Milieus bringen das wahre Leben in die Nachforschungen des alternden Ermittlers Hans Berndorf im Mordfall Fiona Morny. Das garantiert nicht nur Spannung auf höchstem Niveau, sondern bietet Autor Ritzel auch den Raum für politische Statements und tiefer gehende Fragen wie beispielsweise nach dem Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart. Ein Stück erstklassiger Literatur, das den Vergleich mit Mankell nicht scheuen muss. olz

Quelle: Gießener Allgemeine

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