Mit Köpfchen und Kalkül

  • schließen

Dennis Bichert ist 20 Jahre alt und leitet seine eigene Firma. Der Gießener hat sich auf den Onlinehandel bei Amazon spezialisiert – und will damit Millionen umsetzen. Wie das geht, hat er sich selbst beigebracht – und ist damit sehr erfolgreich. Ein Porträt.

In weißen Turnschuhen, dunkler Jogginghose und Kapuzenpullover steigt Dennis Bichert aus seinem Wagen. Mit leicht schwingenden Schritten nähert er sich seinem Büro im ehemaligen Gießener Schlachthof. "Hi, ich bin Dennis." Der 20-Jährige ist Unternehmer, sein eigener Chef. Wie an diesem sonnigen Tag kommt er meist erst gegen Nachmittag in das Coworking office, in dem er nur einen Schreibtisch gemietet hat. "Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig", sagt er. Im letzten Jahr hat er im Onlinehandel rund 700 000 Euro umgesetzt – Tendenz steigend.

"Es ist heute so einfach wie nie zuvor, erfolgreich zu gründen", sagt er. Man brauche keine Millionen auf dem Konto oder die eine bahnbrechende Ideen. Die unendlichen Möglichkeiten des Internets müsse man bloß erkennen. "Das Internet bietet uns jegliche Informationen kostenlos an Man muss sie nur aufsaugen und umsetzen."

Mit seinem Unternehmen IM Blessed verkauft Bichert seit zwei Jahren Zahn- und Mundpflegeprodukte über die Internetplattform Amazon. "Der große Vorteil ist, es gibt schon Kunden und man kann sich direkt platzieren", sagt er. Bei Zahnbürste, Bleachingcreme und Co. habe es noch Potenzial am Markt gegeben. Dass der Branchenprimus eine gute Partie für Geschäfte ist, versteht sich für den Gießener von selbst: "Amazon-Gründer Jeff Bezos ist der reichste Mann der Welt."

Bichert stammt aus Büdingen am Rande der Wetterau, wo der Vogelsbergkreis bereits anklopft. Als Jugendlicher spielt er leidenschaftlich Videospiele. Seine Eltern sind mit einer eigenen Firma selbstständig. "Ich habe ein Video über Amazon FBA gesehen", erinnert er sich an die zündende Idee. "Das Versandmodell gibt es seit sechs bis sieben Jahren. In Deutschland kam es erst später an." Nach seinem Abitur 2016 in Gießen nutzt er diese Lücke und gründet den IM Blessed Internetshop – mit dem Know-how aus zahlreichen Onlinekursen und YouTube-Clips.

Das siebenköpfige Team von IM Blessed ist weltweit verstreut. Mit Designern und anderen Mitarbeitern kommuniziert der Firmenchef daher vor allem via Skype oder E-Mail. Lagerung, Versand und Kundenservice laufen über Amazon. Seine Waren bezieht Bichert von Großhändlern, etwa aus Asien, Belgien oder Bulgarien. Die Produkte kauft er dort günstig an, versieht sie mit seinem Logo und bietet sie Privatkunden zum Verkauf an – eine Strategie, die multinationale Unternehmen wie Apple, h & m und viele andere groß gemacht hat.

In dem Gießener Coworking-Büro ist Bichert der Jüngste unter selbstständigen App-Entwicklern, Eventmanagern und PR-Leuten. Einer der Tischnachbarn grüßt ihn freundlich. "Da sitzen die Jungs von Bashtag", erklärt er und zeigt auf eine Schreibtischgruppe. "Ich habe früher viel von zu Hause gearbeitet, mich aber ziemlich isoliert gefühlt", sagt er. "Hier hat man eine Community, auch wenn man sein Unternehmen allein managed." Dennoch sagt er: "Ich bin mehr so der introvertierte Typ."

Vom Büro aus tritt er auf die 75 Quadratmeter große Dachterrasse. Es weht ein lauer Sommerwind und lässt sich auf einem sofaähnlichen, weichen Sitzsack nieder und blinzelt in die Sonne. "Ich sitze gerne hier draußen, manchmal auch mit dem Laptop", sagt er. Bei der Arbeit unabhängig von Zeit und Ort zu sein, das schätze er sehr. Ob auf Zypern, Bali oder in Thailand – überall gehe das problemlos mit einem mobilen Rechner.

Diese Freiheit bedeutet im Alltag auch: Morgens zu Hause E-Mails checken, nachmittags ins Büro und dann oft bis in die Nacht arbeiten. "Mein Fokus ist mein Unternehmen", sagt er. "Ich muss mich darum kümmern, dass alles läuft und schauen, wie ich es weiterentwickeln kann." In seiner Freundin hat er da offenbar eine Gleichgesinnte gefunden. Sie ist ebenfalls auf den Handel bei Amazon spezialisiert und sitzt im Büro am Nebentisch.

Wie er seine Firma weiterentwickeln will, darüber hat Bichert klare Vorstellungen: Im laufenden Jahr will er mit seinem Umsatz die zwei Millionen knacken. Was darüber hinaus in seinem Leben passieren soll, hält er sich noch offen. "Vielleicht ziehe ich irgendwann in eine größere Stadt", sagt er. Auf ein Studienabschluss muss er für den beruflichen Erfolg jedenfalls nicht warten – das entspricht auch seiner Lebensphilosophie. "Ausbildung und Studium muss man nicht als gegeben hinnehmen", sagt er. "Jeder sollte konventionelle Regeln hin und wieder hinterfragen."

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare