Kleine Kleebachschule bei Schulinspektion vorn

Gießen-Allendorf (pd). Sie gehört zu den kleinen Schulen in der Region. Orientiert man sich an den reinen Zahlen, dann ist die Kleebachschule mit ihren 40 Kindern sogar die kleinste Grundschule im Stadtgebiet. Ganz groß herausgekommen ist die Allendorfer Schule allerdings nach der Schulinspektion.

Der "Schul-TÜV" hatte den Kindern und den drei Lehrerinnen vor eineinhalb Jahren einen Besuch abgestattet. Die Ergebnisse, die das Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) jetzt an die Schule weitergeleitet hat, können sich mehr als sehen lassen. "Mit dieser Beurteilung liegen wir hessenweit an der Spitze", sagt Schulleiterin Gudrun Cebulla.

Im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen präsentiert die Rektorin die Beurteilung der Delegation aus dem Kultusministerium. Da wird ein ganzes Bündel von Stärken aufgezählt, angefangen vom "als äußerst angenehm empfundenen" Schul- und Unterrichtsklima über die "verlässliche und vorausschauende Steuerung pädagogischer Prozesse" der mit "überzeugenden Managementkompetenzen ausgestatteten" Schulleiterin bis zur "lernwirksam genutzten Unterrichtszeit". Über so viel Lob von höchster Stelle freut sich die Schulgemeinde, die sich seit dem Schuljahr 2008/2009 vom Unterricht im normalen Klassenverbund verabschiedet hat. Seinerzeit reduzierte die ländlich strukturierte Grundschule die Zahl ihrer Klassen von vier auf drei – die ersten und zweiten Schuljahre wurden jahrgangsübergreifend betreut.

Ein Jahr später wurden auch die Klassen 3 und 4 in jahrgangsübergreifende Gruppen umgewandelt. Seitdem gibt es in der Allendorfer Grundschule nur noch zwei Klassen: Die Gruppen 1/2 und 3/4.

Solche jahrgangsübergreifenden Lerngruppen orientieren sich an von dem Pädagogen Peter Petersen 1927 entwickelten reformpädagogischen Ansätzen (Jenaplan-Schule). In Allendorf wurde damit nicht nur – wegen kleiner Jahrgangsgrößen – aus der Not eine Tugend gemacht, sondern ein echtes Erfolgsmodell entwickelt. Jahrgangsübergreifender Unterricht habe gerade für die Lehrerinnen zunächst ein Umdenken und Ändern des Verhaltens bedeutet, räumt Cebulla ein. "Aber die Kinder profitieren in vielfältiger Weise", so das Fazit der Rektorin nach vier Jahren.

Der jahrgangsübergreifende Unterricht gilt für den gesamten Stundenplan und für alle Fächer, nur in Deutsch und Mathematik gibt es zusätzlich drei Stunden pro Woche getrennten Unterricht, in denen neue Inhalte erarbeitet werden. Für die jahrgangsübergreifende Struktur ist kollegiale Teamarbeit "unbedingt erforderlich", so die Schulleiterin. Bei den Kindern habe sich dank der Durchmischung der Jahrgänge Sozialverhalten und Hilfsbereitschaft verbessert.

Als Beispiel nennt sie die Einschulung, bei der die Zweitklässler den Neulingen in der Eingewöhnungszeit helfen und Patenschaften übernehmen. Es gibt Unterstützung beim Einräumen des Ranzens, beim Einheften von Arbeitsblättern oder der Gestaltung des Platzes. "Regeln, Vereinbarungen und Rituale sind Strukturhilfen im Schulalltag", unterstreicht die Rektorin und bezeichnet diese als Gerüst für einen funktionierenden jahrgangsübergreifenden Unterricht. Zudem werde ("jeder hat unterschiedliche Stärken") das gegenseitige Helfen gefördert.

Die Kinder der Kleebachschule profitieren in beide Richtungen. Während in der Klasse 1/2 insbesondere Arbeitstechniken und die Förderung des selbstständigen Lernens im Vordergrund stehen, werden in den älteren Jahrgängen jüngere, leistungsstarke Schüler durch Lerninhalte für die höhere Jahrgangsstufe herausgefordert, sie sind aufmerksam und wissbegierig. Aber auch Viertklässler im unteren Leistungsspektrum profitieren, weil sie jüngere Schüler unterstützen können und so das Selbstbewusstsein gestärkt und die Lernbereitschaft gefördert werden. "Der Unterricht ist intensiver und ergiebiger", fasst die Rektorin zusammen.

Deshalb soll es in Allendorf auch dann bei übergreifenden Klassen bleiben, wenn sich die Zahl der Kinder in einem Jahrgang wieder deutlich erhöhen sollte.

Quelle: Gießener Allgemeine

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