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Radfahrer ohne Licht: Ein Dauer-Problem im Gießener Straßenverkehr

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Von: Sebastian Schmidt

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Fahrradfahrer ohne Licht am Zweirad sind in Gießen keine Seltenheit. Laut Polizei handelt es sich dabei vor allem um junge Menschen.
Fahrradfahrer ohne Licht am Zweirad sind in Gießen keine Seltenheit. Laut Polizei handelt es sich dabei vor allem um junge Menschen. © Oliver Schepp

Dunkel gekleidet, oft ohne Helm und dann auch noch kein Licht am Rad: So sind viele Fahrradfahrer auch im Winter in Gießen unterwegs. Für andere Verkehrsteilnehmer, aber vor allem auch für sich selbst, sind diese Radfahrer eine Plage der Stadt. Die Unfallzahlen sind aber gering.

Gießen – Das Problem: Egal, ob man abends als Fußgänger, Autofahrer oder Radfahrer unterwegs ist - jeder kennt sie: Gießens Fahrradfahrer, die ohne Licht über die Straßen flitzen. Leichtsinnig und lebensgefährlich sieht diese Fahrweise in der Dunkelheit aus und dürfte für manche Verkehrsteilnehmer bereits mit einem Schrecken geendet haben. Eine wahre Plage der Stadt. Aber, um die gute Nachricht vorweg zu nehmen: An Unfällen sind Radfahrer ohne Licht nur selten beteiligt. Wie Jan Fleischhauer vom ADFC Gießen erklärt: »Nur bei weniger als einem Prozent der im Jahr 2019 bundesweit erfassten 87.203 Unfälle mit Fahrradbeteiligung wurde eine unzureichende Beleuchtung festgestellt.«

Laut Polizei-Sprecher Jörg Reinemer ist die Zahl auch in Gießen »nicht allzu hoch«. Acht Fahrradunfälle im Stadtgebiet führe die Polizei seit 2018 auf fehlendes Licht zurück. Dazu gehört aber auch der Unfall im August 2020 an der Ecke Liebigstraße/Ludwigstraße, durch den der Fahrradfahrer letztlich starb.

Es gibt keine Statistiken, wie viele Radfahrer in Gießen ohne Lampen unterwegs sind. In Nürnberg wurde 2019 eine Zählung vorgenommen, nach der elf Prozent aller Radfahrer dort ganz ohne Licht und weitere zwölf Prozent mit nur teilweiser Beleuchtung unterwegs waren, sagt Fleischhauer. »Dabei werden innerorts im Sommer mindestens fünf Prozent und im Winter bis zu 40 Prozent aller Radkilometer bei Dunkelheit gefahren.« Der Polizei Gießen fallen laut Reinemer übrigens vor allem junge Menschen auf, »insbesondere Studierende«, die nicht die vorgeschriebene Beleuchtung an ihren Fahrrädern haben.

Fahrradfahren ohne Licht in Gießen: Kontrollen und höhere Bußgelder sollen Abhilfe schaffen

Mögliche Gegenmaßnahmen: Die Erhöhung von Bußgeldern und die Ausweitung von Kontrollen könnten mehr Radfahrer dazu bewegen, eine Lichtanlage an ihren Gefährten anzubringen. Aber Fleischhauer vom ADFC ist skeptisch. Einerseits seien ihm positive Anekdoten aus Münster bekannt. Dort soll die Polizei Fahrradfahrer ohne Licht auch gezielt auf Alkohol kontrollieren, weil die Beamten die fehlende Beleuchtung als Indiz nehmen, dass die Radfahrer etwas getrunken haben. Seitdem sollen laut Fleischhauer deutlich mehr Personen abends ein Licht anhaben. »Hohe Strafen und mehr Kontrollen können also auch wirken.«

Auf der anderen Seite findet Fleischhauer aber, dass die Polizei ihre begrenzten Resourcen eher dort einsetzen soll, wo auch die Mehrzahl der Unfälle geschehe: »Das sind vor allem die durch Kraftfahrzeuge verursachten Abbiegeunfälle an Kreuzungen und Grundstückszufahrten und mit deutlichem Abstand die falsche Straßennutzung durch Radfahrer.«

Fahrradfahrer in Gießen: Elf Prozent fahren ohne Licht

Die Prognose: Zahlen aus Nürnberg belegen, so Fleischhauer, dass das Problem im Laufe der Zeit kleiner geworden ist. Grund dafür sei wahrscheinlich, dass sich in den vergangenen Jahren die Fahrradbeleuchtung mit Nabendynamos und LED-Lampen technisch stark verbessert hat. »Fahrradbeleuchtungen gehen kaum noch kaputt, wenn sie nicht mutwillig zerstört werden.« Das sah bei den alten Seitenläuferdynamos und Lampen mit Glühbirne noch anders aus.

Fleischhauer zählt noch weitere Entwicklungen auf, die die Situation in den kommenden Jahren verbessern dürfte. Dazu gehören zum Beispiel Dämmerungssensoren, die das Licht automatisch anschalten. Außerdem würden hellere LED-Lampen selbst in der beleuchteten Stadt eine deutlich bessere Sicht bringen, sodass Fahrradfahrer auch eher dazu geneigt wären, die Beleuchtung auch einzuschalten. Jetzt müssen diese Entwicklungen nur noch bei Gießens Radfahrern ankommen. Aber da unter Studenten vor allem alte Rennräder »in« sind, könnte das noch dauern. (seg)

„Die 7 Stadtplagen“

Dieser Artikel über Radfahrer, die ohne Licht durch Gießen fahren, ist Teil 3 der neuen Miniserie dieser Zeitung. Am Montag (27.12.2021) erschien der erste Teil, bei dem es um die wachsenden Populationen von Ratten und Tauben geht, die Probleme in Gießen machen. Teil 2 erschien am Dienstag (28.12.2021) und thematisiert Auto-Posing in Gießen.

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