Kein Kulturschock

Sie studieren in Gießen und wollen Deutschland besser kennenlernen. Über ihre Erwartungen sprechen vier internationale Studenten am Ende des Uni-Sommerkurses.

Von DHG

Knapp 100 neue internationale Studierende aus 34 Ländern haben sich in den letzten vier Wochen auf das Studium an der Justus-Liebig-Universität vorbereitet. Neben intensiven Sprachkursen, Stadtführungen und Sportangeboten sei das Kernziel des 25. Internationalen Hochschulsommerkurses, erste "Freundschaften zu schließen und einen guten Start ins Semester zu gewährleisten", sagte Margot Schneide-März vom Akademischen Auslandsamt am Donnerstag bei der Abschlussfeier im Lokal International.

Die 21-jährige Tuhui Woo aus Südkorea sagte, der Kurs habe ihr Deutschlandbild verändert. "In meiner Heimatstadt Suwon wurde mir gesagt, der Westen sei um einiges liberaler", erklärte Woo, "aber wir haben mehr Gemeinsamkeiten als ich erwartet habe". Der Kulturschock blieb aus. Was Woo jedoch überraschte, ist der Campus der JLU: "Südkorea hat keine Campuskultur, denn unsere Universitäten bestehen aus einem Gebäude." Aber durch die nötige Bewegung von Campus zu Campus entdeckte die Südkoreanerin viele neue Plätze in Gießen und verliebte sich in den Charme der Stadt.

Der 20-jährige Haiwen Dong aus China träumt schon seit Jahren davon, in Deutschland zu leben. "In China genießt Deutschland ein sehr hohes Ansehen, nicht nur wegen des Fußballs", schmunzelt Dong. Durch diesen Wunsch geleitet studierte Dong Germanistik in Lanzhou und spricht heute fließend Deutsch. Gießen sei zwar klein, aber habe beeindruckende Kirchen. "Noch habe ich etwas Heimweh, aber die Freundlichkeit nimmt mir es nach und nach", sagt Dong.

Neben der Freundlichkeit verbindet die 22-jährige Kateryna Tablotska aus der Ukraine Deutschland mit Pünktlichkeit und Ordnung. Die Soziologiestudentin stellte aber schnell fest, dass die Deutschen auch unordentlich sein können. "Jetzt verbinde ich Deutschland mit Kartoffelsalat", sagt sie. Besonders freut sie sich auf die Sommernächte an der Lahn. Denn zu ihrem Sprachkurs gehörte auch eine Bootstour.

Die 25-jährige Zerina Catovic aus Montenegro gehört zu den wenigen Promovierenden des Sommerkurses. Den Master absolvierte die Kosmopolitin in Slowenien. In Deutschland möchte sie die nächsten drei Jahre erforschen, wie sich kulturelle Identitäten in Europa unterscheiden. "Ganz Europa leidet momentan am Populismus. In Deutschland ist es aufgrund der historischen Verantwortung besonders schwerwiegend", meint die Kulturwissenschaftlerin. Als Muslima fühle sie sich aber hier nicht unwohl. "Ich habe mich bewusst für Deutschland, die Hauptstadt Europas der Geisteswissenschaften, entschieden", sagt sie.

Quelle: Gießener Allgemeine

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