Eine große Immatrikulationsfeier wie hier vor einigen Jahren in der Kongresshalle wird es coronabedingt nicht geben, kleinere Veranstaltungen für Erstsemester allerdings schon.
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Eine große Immatrikulationsfeier wie hier vor einigen Jahren in der Kongresshalle wird es coronabedingt nicht geben, kleinere Veranstaltungen für Erstsemester allerdings schon. (Archiv)

Gießener Hochschulen

»Im Takt der Pandemie« - so läuft das Wintersemester in Gießen

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Im Oktober startet das Wintersemester. Rund die Hälfte kann dann wieder vor Ort studieren. Das Coronavirus aber bestimmt weiterhin den Lehrbetrieb - der langfristig flexibler werden soll.

Gießen – Grundsätzlich alle Veranstaltungen auch online und möglichst viel hybride Präsenz, große Vorlesungen mit mehreren Hundert Teilnehmern vorrangig digital und besondere Angebote für Studienanfänger.

Die Konzepte der elf Fachbereiche der Justus-Liebig-Universität für das anstehende »Präsenzsemester mit Einschränkungen«, wie Uni-Präsident Prof. Joybrator Mukherjee es angekündigt hat, lesen sich sehr unterschiedlich, sind inhaltlich aber recht nah beieinander. Waren es im August noch maximal 30 Prozent Raumauslastung, haben das Präsidium und der Krisenstab am 1. September verkündet, maximal die Hälfte der üblichen Belegung in Lehrräumen zu ermöglichen. Diese Erhöhung haben die Fachbereiche in ihren Konzepten allerdings noch nicht angepasst.

Wintersemester an JLU Gießen mit 3G-Konzept

Vor diesem Hintergrund führt die Uni ein 3G-Konzept für Seminare und Vorlesungen ein (Zutritt nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete). Testen muss man sich tagesaktuell in einem Zentrum; die JLU-Spitze bittet um Verständnis, dass sie keine Test-Infrastruktur bereitstellen und finanzieren könne.

Semesterstart in Gießen: 3G-Regel an THM nur im Labor

Die Technischen Hochschule Mittelhessen dagegen startet prinzipiell ohne 3G-Regel ins Wintersemester, informiert Sprecher Malte Glotz. Einzig bei Laborveranstaltungen, wo insbesondere Mindestabstände schwer einzuhalten sind, könne 3G zum Tragen kommen, zudem werde der Einsatz von PCR-Tests geprüft. Gleichwohl folge auch die THM der Ministeriumsvorgabe nach möglichst viel Präsenz mit hybriden Formaten. Insbesondere, so fordert es das Ministerium, für Studienanfänger, Studierende in den ersten Semestern, die eine Hochschule nur in dieser Ausnahmesituation kennen, sowie für jene auf der Zielgeraden ihres Studiums.

Dem Hessischen Wissenschaftsministerium geht es indes auch darum, die Gebäude wieder zugänglich zu machen. »Die weiteren Öffnungsschritte sollen vor allem den Studierenden zugutekommen. Sie haben in der Krisenbewältigung viel Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein gezeigt«, unterstreicht es im August in einem Positionspapier.

Studieren in Gießen: Lehrbetrieb bliebt zunächst durch Corona eingeschränkt

Angesichts der nur langsam sinkenden Inzidenz wird der Lehrbetrieb wohl bis in das Frühjahr eingeschränkt durch das Virus bleiben. Mukherjee hat es vor wenigen Wochen in einem GAZ-Interview auf die Frage, wie sich sein Leben durch Corona geändert hat, auf die Formel gebracht: »Die Uni lebt im Takt der Pandemie - alles atmet im Takt der Pandemie.«

Immerhin auf den Campussen können Studierende ohne Maske frei atmen. Doch mit dem nahenden Winter wird ein normales Studi-Leben im Freien wohl erst mal unsichtbar bleiben. Drinnen gilt an beiden Hochschulen grundsätzlich Maskenpflicht, bis auf wenige Ausnahmen wie an Arbeitsplätzen in Bibliotheken. Überdies bauen die Gießener Hochschulen auf Eigenverantwortung - darauf, dass die gängigen Abstands- und Hygieneregeln »längst verinnerlicht« sind, wie die JLU schreibt.

An der THM organisieren Studierende bereits seit mehreren Jahren ihren Stundenplan mit der von der Hochschule selbst entwickelten Software »Organizer«. Im Zuge der Pandemie wurde sie um eine Kontaktnachverfolgung via QR-Code erweitert.

Zudem hat die THM eine Buchungsmöglichkeit für Veranstaltungen entwickelt. Ein »atmendes System«, über das die Platzbelegung je nach Infektionslage erhöht oder reduziert werden kann, wie es die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Katja Specht, bereits im Juli erklärte. Mehr als 50 Prozent Raumbelegung dürfte allerdings auch die THM nicht ermöglichen können.

Semesterstart in Gießen: Ersti-Wochen vor allem digital

Das bleibt vor dem Hintergrund der Impfquote in Hessen (rund 63 Prozent durchgeimpft) und der bis dato nicht erreichten Herdenimmunität auch vernünftig. Immerhin: Eine anonyme Befragung der JLU unter Studierenden ergab, dass bis zum Vorlesungsbeginn am 18. Oktober 85 Prozent der Befragten vollständig geimpft sein werden. Am 14. und 16. Oktober gibt es erneut ein Impfangebot seitens der Uni in der Karl-Glöckner-Straße 5 für Studierende sowie jeden, der möchte.

Nach eineinhalb Jahren werden also nun wieder einige Tausend an den Campussen studieren können, einige Tausend aber auch nicht. So finden beispielsweise die Einführungswochen für Studienanfängerinnen und -anfängern vom 4. bis 15. Oktober vor allem »digital, aber mit Präsenzanteilen« statt, sagt JLU-Sprecherin Charlotte Brückner-Ihl. Zwei Präsenztage seien an den Fachbereichen vorgesehen, außerdem Campusführungen auch während der ersten Vorlesungswochen. Nähere Infos gibt es unter uni-giessen.de/studium/studienbeginn.

Auf der Seite der THM finden sich konkrete Infos unter »STEP«, was für Studieneinführungsprogramm steht. Die Brückenkurse zur fachlichen Vorbereitung fanden im September »prinzipiell digital« statt, auch der »Ersti-Kick-Off«, die zentrale Begrüßungsfeier am 30. September für rund 3500 Erstsemester, werde ab 18 Uhr wieder live auf Youtube übertragen, informiert Glotz. Überdies planen die Fachbereiche zwischen dem 1. und 8. Oktober Info-Veranstaltungen teils in Präsenz, teils online.

»Hochschulen als offene Orte - Perspektiven nach Corona« lautet der vier Absätze lange Abschnitt im Ministeriums-Papier zum Blick auf die Zeit nach der Krise. In der Anfang Juni gebildete »Kommission Studienerfolg« kommen die Vizepräsidentinnen und -präsidenten der hessischen Hochschulen regelmäßig zusammen, »um gemeinsam mit Studierenden und externen Expertinnen und Experten an der Weiterentwicklung von Lehre und Studium zu arbeiten«, heißt es dort. Ziel sei es, die »pandemiebedingt beschleunigte Digitalisierung« langfristig zu sichern und damit ein »vielseitiges, flexibles und effektives« Angebot für Lehrende wie Studierende zu schaffen.

Neues Netzwerk für digitale Lehre

Im Rahmen des Digitalpaktes mit den hessischen Hochschulen, der 112 Millionen Euro bis einschließlich 2024 vorsieht, fördert das Land die Entwicklung hybrider Formate. Über das Programm »QuiS« (Hohe Qualität in Studium und Lehre - gute Rahmenbedingungen des Studiums) investiert es im laufenden Jahr bereits 14,6 Millionen Euro.

Speziell in Mittelhessen hat die Stiftung »Innovation in der Hochschullehre« mit Sitz in Hamburg einem neuen hochschuldidaktischen Netzwerk unter Federführung der JLU und Beteiligung der Philipps-Universität Marburg und der THM 3,9 Millionen Euro für die digitale Lehre zur Verfügung gestellt. »Network for Impactful Digital International Teaching-skills« nennt sich das Netzwerk, kurz: »NIDIT«.

Die hiesigen Hochschulen wollen den digitalen Innovationsschub nutzen und verstetigen, wie beide betonen. Dass aber vor allem das Lernen und Lehren vor Ort, die Persönlichkeits- und Meinungsbildung im direkten Diskurs sowie das Campusleben und natürlich auch das Feiern eine Hochschule erst interessant und sympathisch machen, ist ihnen ebenso bewusst.

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