Höchst vergnüglicher Abend mit Christian Berkel

Mit Robert B. Parkers 2004 erschienenem Krimi »Miese Geschäfte« war »Kriminalist« Christian Berkel als Vorleser beim Krimifestival im Einsatz.

Wer kennt Robert B. Parker? Oder dessen Romanfigur Spenser? Das Gießener Krimifestival machte Eingeweihte und Unwissende am Samstagabend im ausverkauften Netanya-Saal mit dem Bostoner Privatschnüffler Spenser, einem humorvollen und schlagfertigen Einzelkämpfer aus dem Amerika der Gegenwart, auf charmante Art bekannt. Mit Parkers 2004 erschienenem Krimi »Miese Geschäfte« schöpfte »Vorleser« Christian Berkel, der populäre Berliner Charakterdarsteller, die vielfältigen Nuancen seiner Stimme aus, um Parkers Romanfiguren zum Leben zu erwecken. Festivalorganisator Uwe Lischper hatte Berkel, der einem großen Fernsehpublikum seit 2006 in der Serie »Der Kriminalist« in der Rolle des LKA-Hauptkommissars Bruno Schumann bekannt ist, für diesen Abend gewonnen. Als Gastgeber fungierte einmal mehr das Optikfachgeschäft Neusehland. Da sich die Niederlassung am Kreuzplatz momentan in der Eröffnungsphase nach Umbauarbeiten befindet, wich man diesmal ins Alte Schloss aus.

Berkel, der bestens aufgelegt just von Dreharbeiten aus Italien angereist war (»Ich hätte nie gedacht, so schnell von Neapel nach Neuseeland zu kommen«), hielt das Interesse des Publikums an »Miese Geschäfte« auf konstant hohem Niveau. Parkers Erzählweise – kurz und knackig mit schnoddrigen Witzen, nie überkandidelt und stets auf hohem, intelligenten Screwball-Niveau – verlieh der vielfach ausgezeichnete Schauspieler und vielbeschäftigte Hörspiel- und Hörbuchsprecher mit seinem akzentuierten Vortrag Rasanz. Souverän umschiffte Sprachtalent Berkel dabei jegliche Klippen der englischen Sprache, die sich in der Romanvorlage in Hülle und Fülle durch Orts- und Personennamen ergeben (könnten). Da war das Zuhören eine wahre Freude! Pianist Helmut Fischer bot zwischendurch bei Melodien wie dem »Casablanca«-Titel »As time goes by« Gelegenheit, die Gedanken schweifen zu lassen.

Die eigentliche Geschichte ist schnell zusammengefasst – zumindest der Anfang: Marlene Rowley beauftragt Spenser, herauszufinden, ob ihr Ehemann fremdgeht. Eigentlich eine leichte Übung. Doch der hartgesottene Privatermittler ahnt nicht, dass sich hinter diesem Scheidungsfall etwas ganz anderes verbergen könnte. Denn kurze Zeit später wird Trent Rowley erschossen, der Mann war Führungskraft des Energiekonzerns Kinergy. Gleich zu Beginn der Story entdeckt Spenser, dass er nicht als einziger Detektiv mit Observierungsauftrag im selben Umfeld agiert. Man ahnt – es geht nicht allein um Liebesbetrug, sondern möglicherweise um ganz viel Geld.

Um das herzauszufinden, beherzigten zahlreiche Zuhörer noch an Ort und Stelle Berkels Vorschlag, sich in den Besitz des Romans zu bringen – ein Autogramm gab’s gratis und einen netten Plausch obendrein. Überhaupt gab sich der Schauspieler überaus publikumsnah, machte kein Hehl daraus, dass ihm solche Leseabende viel bedeuten. Der prominente Gast wurde eingangs ausführlich von Neusehland-Prokurist Thomas Kupka interviewt, genoss das Frage-und-Antwort-Spiel mit großem Vergnügen. Als Sechsjähriger habe er in den Berliner Kammerspielen Mark Twains »Tom Sawyer und Huckleberry Finn« gesehen – »da wusste ich, dass ich Schauspieler werden muss«.

Ob er selbst denn in absehbarer Zeit ein Theater-Engagement annehmen werde? »Sag niemals nie!« Als »Kriminalist« versuche er den Zuschauern ein besonderes Identifikationsmerkmal zu bieten – jenes des Viktimologen, eines Kriminalisten, der Opfer von Straftaten in den Mittelpunkt rückt. »Eine tolle Produktionsfirma, uns allen macht das einen Riesenspa?, schwärmte Berkel und begeisterte seine Anhänger mit der Aussicht auf neue Folgen ab November und im Hinblick auf weitere Dreharbeiten ab Januar mit dem Versprechen: »Das nächste Jahr ist gesichert«. Im übrigen wirke er derzeit an Dreharbeiten von Regisseur Guy Ritchie (»Sherlock Holmes«) zu einer Spielfilm-Adaption der US-Kultserie aus den 60ern »The Man from U.N.C.L.E.« (»Solo für O.N.C.L.E.«) mit.

Kupkas leicht indiskrete Frage, warum er seine Lebenspartnerin Andrea Sawatzki, mit der er seit 1997 zusammen ist und zwei Söhne hat, erst 2011 geheiratet habe, parierte Berkel lachend: »Weil’s da eben gepasst hat!« Die Schauspielerin, die das Krimifestival eröffnete, hatte den »Neusehländern« verraten, womit man ihrem Ehemann eine Freude machen könnte – so überreichte ihm Kupka eine stattliche Flasche besten Gins. Und während sich das Publikum bereits im Hof des Alten Schlosses und im Saal am Cocktail »Bad Business« und allerlei Köstlichkeiten vom Grill gütlich tat, plauderte Berkel weiterhin angeregt mit Gästen. Ein gutes Geschäft – für alle Beteiligten. Gabriele Krämer

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