Höchst unterhaltsam: Peter Godazgar und Ralf Kramp

Einbrecher mit Bandscheibenvorfall und »Mördchen fürs Örtchen«: Die beiden Autoren lesen zum großen Vergnügen des Publikums beim Krimifestival mit verteilten Rollen.

»Ich bin unschuldig!« stand auf dem T-Shirt von Krimiautor Peter Godazgar, was sich, so darf man ihm glauben, auf sein kriminelles Register beziehen mag. Nicht abstreiten wird er können, die Lachmuskeln der Zuhörer im voll besetzten Netanya-Saal des Alten Schlosses gehörig strapaziert zu haben. Und das mit einer Reihe von schwarzhumorigen Kurzkrimis, die er zusammen mit dem Autor, Karikaturisten und Verleger Ralf Kramp – als gern gesehener Gast ein Urgestein des Krimifestivals – kongenial zum Besten gab. Zumeist lasen die beiden im Duett, mit verteilten Rollen, was entscheidend zum Unterhaltungswert beitrug.

Mitgebracht hatten sie unter anderem die Krimi-Anthologie »Ruhe sanft in Sachsen-Anhalt« mit Geschichten aus dem »nahen Osten«, dem »Land der Frühaufsteher«. Denn, so wussten die beiden verschmitzten Literaten zu berichten, so mancher Sachsen-Anhalter bleibe auch einmal liegen, nicht immer freiwillig, aber dann für immer. Ganz nach dem Motto: »Guten Morden!«

Humorvoll ging es bereits los mit Godazgars liebevoller Beschreibung seiner Wahlheimat Halle. Diese sei, so der gut gelaunte Lokalpatriot, nicht nur die Heimatstadt von Georg Friedrich Händel und Hans-Dietrich Genscher, sondern auch von Margot Honecker. Eine andere Lokalgröße spielte in seiner in der Provinzstadt Köthen angesiedelten Erzählung »Der Vorfall« eine Rolle, nämlich Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie. Urkomisch seine Version von einem Einbrecher mit Bandscheibenvorfall, der sich von dem überfallenen Ehepaar zunächst mit Globoli behandeln lässt, bevor sich dann doch noch ein Schuss löst – mit unerwartetem Ausgang.

Mit fesselnder Märchenerzählerstimme trug Kramp sein bisher unveröffentlichtes Manuskript »Rotkäppchen« vor – wohl ein Plagiat, da der Titel bekanntlich vergeben ist.

Doch in Kramps Version wird ausgerechnet der böse Wolf das Opfer, von Godazgar herrlich-lispelnd gelesen: Der »einzige Vegetarier seines Rudels«, der »beinahe vegan« lebt und lieber an Blümchen schnuppert, als unschuldige Mädchen zu verspeisen. Kein Wunder, dass so einer den perfiden Plänen eines diabolischen Rotkäppchens hilflos ausgeliefert ist, das die Großmutter am liebsten beseitigt haben möchte: »Die Alte muss weg, die nervt!«

Aus der beliebten Anthologie »Mördchen fürs Örtchen« gaben die beiden Autoren einen skurrilen Sechs-Minuten-Krimi über einen Klopapiersammler und eine teure Papiermarke aus Dubai zum Besten – sechs Minuten deshalb, weil es sich dabei um die durchschnittliche Zeit für einen Gang aufs Örtchen handle.

Auch eine »Wetten dass«-Sendung mit Frank Elstner hatten die beiden als Tatort parat, die mit einem so kurzweiligen wie komischen Spektrum an Einfällen, Gaunern und Mordmethoden die Spannung durchgehend hochhielten. Und das alles mit einem spitzbübischen Augenzwinkern. Darin sind Ralf Kramp und Peter Godazgar schuldig im Sinne der Anklage. Julian Wessel

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