"Heute Gießen, yeah!": Christina Stürmer begeistert

Starke Stimme einer zierlichen Person: Die quirlige Österreicherin zieht rund 1000 Fans in der ausverkauften Kongresshalle in ihren Bann.

"Heute Gießen, yeah!" war unter dem Bild zu lesen, das Christina Stürmer am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite gepostet hatte. Stunden später stand die quirlige Österreicherin dann mit einem Elan auf der Bühne, der dieser euphorischen Ankündigung mehr als gerecht wurde. Vom ersten Song "Unendlich" an kaufte man es ihr gerne ab, dass sie auch nach über zehn Jahren im Musikgeschäft "nie genug vom Leben" bekommt. "Ist euch schön warm?", fragte sie die rund eintausend Fans in der Kongresshalle, die kurz vor dem Konzert aufgrund eines falschen Feueralarms kurzzeitig die Halle hatten verlassen müssen, und ergänzte verschmitzt: "Es wird nicht besser!"

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Zusammen mit ihrer vierköpfigen Band, die auf jeden Schnickschnack verzichtete und die Lieder mit famosem Sound und mächtig Druck nach vorne schob, konnte Christina Stürmer die Stimmung stetig steigern, die Fans zum Mitsingen animieren und nebenbei unter Beweis stellen, dass in der zierlichen Person eine starke Stimme steckt. Als Reminiszenz an ihre Teenagerjahre, als sie sich in der Linzer Fußgängerzone ihr Taschengeld mit Straßenmusik aufbesserte, gab es mit "Piece of my heart" gar ein Janis-Joplin-Cover.

Ihren jüngsten Fan hatte die Sängerin gleich zu Anfang entdeckt und erkundigte sich nach dem Alter des zweieinhalbjährigen Mädchens, das mit riesigen Ohrenschützern gewappnet das Bühnengeschehen von den Schultern ihres Papas aus verfolgte. Bei Veröffentlichung der meisten Lieder sei die kleine Dame zwar noch nicht auf der Welt gewesen, stellte Stürmer fest, die aber auch einen Großteil ihres aktuellen Albums "Hör auf dein Herz" dabeihatte. Sowie "Millionen Lichter", bei dem die Kleine einen Leuchtstab schwenkte, an dessen Spitze ein blinkendes Herz befestigt war.

Nachdenkliches gab es mit der Irak-Krieg-Nummer "Mama (Ana Ahabak)" und dem neuen "Wie viel wiegt ein Herzschlag", das sich dem Thema Brustkrebs widmet. Ein Thema, das der Sängerin am Herzen liegt, weshalb sie auch einen Euro jeder verkauften Konzertkarte für die Brustkrebshilfe Deutschland e.V. spendet. In der zweiten Konzerthälfte wurde es "Wieder laut", die Band legte eine Schippe drauf, die Songs wurden tanzbarer, vertrackter. Da überließ die Sängerin die Bühne ihren Gitarristen, die Raum für ein minutenlanges duales Solo – und anschließend tosenden Applaus – bekamen. Traditionell endete das Konzert nach drei Zugaben mit "Engel fliegen einsam", das mit einem weiteren epischen Les-Paul-Gitarrensolo über die Radioversion hinauswuchs und 1000 begeisterte Gießener Fans mit den Armen schwenken ließ. Als vorletzten Song hatte es das Stück gegeben, "mit dem alles angefangen hat, damals vor elf Jahren in Österreich". Und noch im Hinausgehen konnte man es unter den Besuchern summen hören: "Ich lebe, weil du mein Atem bist…"

Mit einem Heimspiel hatte die Gießener Band Neoh den Abend eröffnet, die Stürmer auf ihrer gesamten Deutschlandtour begleiten. Sängerin Fee Mietz, die mit ihren beiden Gitarristen Matthias Bender und Markus Cebulla ein reduziertes Unplugged-Set gab, freute sich über die Textsicherheit unter den Anwesenden.

Julian Wessel

Quelle: Gießener Allgemeine

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