Große Ideen in kleinen Schubladen

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Der natürliche Feind des Erfinders ist die Schublade. Das Prinzip funktioniert so: Jemand hat einen Geistesblitz – und schwups stecken ihn andere dafür ins intellektuelle Ablagefach. Träumer, Spinner, Scharlatan. Einmal schubladisiert, findet das Genie alles, aber sicher kein Gehör mehr. Und seine Idee, die landet früher oder später wahrscheinlich auch in der Schublade.

Der natürliche Feind des Erfinders ist die Schublade. Das Prinzip funktioniert so: Jemand hat einen Geistesblitz – und schwups stecken ihn andere dafür ins intellektuelle Ablagefach. Träumer, Spinner, Scharlatan. Einmal schubladisiert, findet das Genie alles, aber sicher kein Gehör mehr. Und seine Idee, die landet früher oder später wahrscheinlich auch in der Schublade.

Gleich 15 Erfindungen hat das Team des Mathematikums jetzt in ebenso viele Schubladen gepackt. Allerdings nicht, um sie zu vergessen. Der "Erfindungsschrank", den Professor Albrecht Beutelspacher und Christine Ködler am Mittwoch präsentierten, soll vielmehr neugierig machen auf seinen Inhalt und die dazugehörigen Geschichten.

"Nichts auf der Welt gibt es schon immer", begrüßte Beutelspacher die Gäste in diesem Sinne zum "Erfinder-Abend", mit dem das Mitmachmuseum ein "Leonardo-Jahr" einläutete. Dass sogar hinter unscheinbaren Alltagsgegenständen spannende Anekdoten stehen können, erfuhren die Besucher, als sie den Schrank erstmals selbst in Augenschein nahmen. "Zum Reinhängen", "plopp … zisch!" und "Pinselschimmel" lauten drei seiner 15 samt und sonders mysteriös anmutenden Aufschriften. Zieht man eine Schublade auf, erklingt ein 30- bis 60-sekündiger Vortrag zur Geschichte des jeweiligen Objektes. Darunter sind zum Beispiel Streichhölzer und Tipp-Ex, Konservendosen, Kartoffelchips und Eis am Stiel.

Ein Job wie jeder andere

Ausgewählt hätten sie nur Erfindungen, die von der Größe her in eine Schublade passen, erklärten Beutelspacher und Ködler die Idee hinter dem Schrank. Während der Mathematikums-Leiter den Textmarker ("macht die Welt gelb") favorisiert, mag die wissenschaftliche Mitarbeiterin besonders die Chips ("dünn und fett") – das heißt in diesem Fall: ihre Entstehungsgeschichte.

Dass auch in Mittelhessen momentan so einiges entsteht, wussten die Besucher spätestens nach dem zweiten, eher theoretischen Teil des Abends. Denn mit Professor Ewald Ohl, Jürgen Stehr und Falko Schnelle berichteten drei kreative Köpfe aus der Region über ihre Einfälle. Außerdem verrieten sie, wie das Erfinden "funktioniert".

Der Unternehmer Stehr beschrieb seine Idee für ein energiesparendes, kaum Schwingungen und Erschütterungen erzeugendes Verdichtungsgerät für den Straßen- und Tiefbau dabei noch am ehesten wie einen Geistesblitz. Er habe gegrübelt und gegrübelt, sagte er. "Und irgendwann, da machte es klick". Mitten in der Nacht: "Ein Satz aus dem Bett, ein Stück Papier und ein Stift, ein paar Kreise – das war’s."

Den Weg zum Kugelkonzept "Kuko", einem Lernspielzeug für Kitas, skizzierte Falko Schnelle hingegen als relativ langwierigen Prozess. Zwischen der ersten Idee und dem perfekten Produkt liege oft eine weite Strecke – und zwar eine, die aus Sicht des Erfinders eigentlich nie komplett zurückgelegt sei. "Aber im Endeffekt ist es ein Job wie jeder andere", entzauberte der Industriedesigner das Erfinder-Dasein ein wenig. Damit sich Kreativität entfalten könne, müsse man "den Kopf frei haben", empfahl Stehr. Schnelle nannte das Reisen als Geheimrezept und Ohl den Austausch mit Kollegen. Ein weiterer Erfolg versprechender Schritt zur eigenen Genialität könnte das Interesse an Denkern der Vergangenheit sein.

Da trifft es sich gut, dass die kommenden Monate im Gießener Mathematikum ganz im Zeichen des vor 500 Jahren gestorbenen Leonardo da Vinci stehen. Eine Sonderausstellung über Leben, Werk und Nachwirkung des Universalgenies wird am Freitag, 17. Mai, eröffnet.

Quelle: Gießener Allgemeine

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