+
Albrecht Beutelspacher und Laila Samuel freuen sich sehr über die Ausstellung. FOTO: SCHEPP

Wiedereröffnung

Gießener Mathematikum meldet sich zurück

  • schließen

Am Donnerstag öffnet das Mathematikum wieder seine Türen. Neben den vielen Experimenten sind in den nächsten Wochen auch die Werke des legendären französischen Zeichners Jean Bosc ein Grund zum Besuch des Museums.

Professor Albrecht Beutels-pacher unternimmt erst gar keinen Versuch, seine Begeisterung zu verbergen. "Seit meiner Jugend liebe ich die Werke von Jean Bosc", sagt der Direktor des Gießener Mathematikums. Dort werden ab Donnerstag (Details zur Eröffnung des Museums in der Corona-Krise im Kasten) 60 Zeichnungen des legendären französischen Künstlers zu sehen sein, darunter sogar Originale, anhand derer die Besucher viel über die Arbeit Bosc’ erfahren können. Die Ausstellung trägt den Titel "BOSC - Hier stimmt doch was nicht".

"Wenn ich eine Zeichnung mit drei Strichen machen kann, dann tu ich’s. Und wenn ich mit drei Worten antworten kann, dann tu ich’s auch." Mit diesen Worten hat sich der 1924 in Nimes geborene Karikaturist einmal selbst beschrieben. Das Mathematikum wirft nun einen genauen Blick auf Bosc und sein Werk, denn seine Zeichnungen sind viel mathematischer als gedacht. Ohne sich intensiv mit Mathematik beschäftigt zu haben, tauchen in den Karikaturen auch mathematische Themen wie Unendlichkeit, Perspektive, Raumpackungen, Symmetrie und Geometrie auf. Dies haben Beutelspacher und Kunsthistorikerin Laila Samuel u. a. auf Schautafeln im Museum herausgearbeitet. Die Wirkungsweise der Pointe eines Witzes und die Aha-Momente beim Finden eines mathematischen Arguments hätten Parallelen, deshalb sei es kein Wunder, dass Kunstwerke, deren Ziel es sei, eine Sache auf den Punkt zu bringen, auch die Gedankenwelt ansprechen würden, die Mathematiker entwickelt hätten. "Wir erleben dies bei Zeichnungen von Bosc besonders deutlich", sagt Beutelspacher.

Der Erfolg des Franzosen beruhe auf seinen vielen genialen Einfällen und seinem scharfen, aber auch liebevollen Blick für die Absurditäten unseres Alltags. So verrückt dieser Alltag auch manchmal sein mag, seine Figuren begegnen ihm mit Witz und Leichtigkeit, heißt es aus dem Mathematikum. Die plötzliche Erkenntnis, dass alles auch ganz anders sein könnte, erzeuge einen Witz, dem man sich nicht entziehen könne.

Bosc war Schlosser und Weinbauer. Aus dem Indochinakrieg kehrte er physisch und psychisch gebrochen zurück. Das Zeichnen war seine Möglichkeit, mit den traumatischen Verletzungen umzugehen. "Er entdeckte in den Absurditäten des Lebens den entscheidenden Punkt und spießte ihn pointiert auf. So entstanden ausgesprochen leichte und witzige Zeichnungen, die vor Augen führen, wie absurd die Welt ist. Alle 60 Zeichnungen sind unglaublich fröhlich", sagt Beutelspacher.

In 20 Jahren entwickelte Bosc über 3000 Zeichnungen, die in französischen Zeitungen, aber auch im Stern und der Zeit abgedruckt wurden. Dieser Erfolg war nicht absehbar, als er 1952 mit 49 Zeichnungen nach Paris aufbrach, wo er später erfolgreich arbeitete. Der Diogenes Verlag hat insgesamt elf Bücher von Bosc für das deutsche Publikum herausgeben. 1965 zieht sich der Künstler nach Antibes zurück. 1973 nimmt er sich im Alter von 48 Jahren das Leben. Seine rästselhafte Krankheit hatte dazu geführt, dass ihm das Zeichnen immer schwerer fiel. Ausgerechnet ihm.

Buch zur Ausstellung:Das Mathematikum hat ein Buch herausgebracht "Bosc - Ordnung muss sein!". In diesem sind alle Zeichnungen der Ausstellung, Erinnerungen an Bosc und die Gründe, weshalb er gerade so gut zum Mathematikum passt, enthalten.

Museum bleibt Ort des fröhlichen Erkundens

Das Mathematikum habe sich auf die Wiedereröffnung sehr intensiv vorbereitet, sagt Albrecht Beutelspacher. Dies sei notwendig gewesen, da man kein historisches Museum mit Keramik in Vitrinen, sondern ein Museum sei, das vom Anfassen lebe. Auf Empfehlung des Verbands der Science-Center hat das Mathematikum wie folgt reagiert: Alle Experimente, die in Gesichtsnähe funktionieren, wurden ebenso entfernt wie schwer zu putzende mit vielen Plastikteilchen. Auch Knobelspiele, bei denen die Besucher nah beieinander sitzen, habe man aus der Ausstellung genommen und ersetzt. Zukünftig wird es zudem drei Besuchs-Slots von jeweils zweieinhalb Stunden geben. Um Anmeldung auf der Homepage wird gebeten. "Unser Gesicht hat sich verändert. Auch für uns ist das ein Experiment, aber das Museum bleibt ein Ort des fröhlichen Erkundens", sagt der Direktor.

Das Mathematikum habe sich auf die Wiedereröffnung sehr intensiv vorbereitet, sagt Albrecht Beutelspacher. Dies sei notwendig gewesen, da man kein historisches Museum mit Keramik in Vitrinen, sondern ein Museum sei, das vom Anfassen lebe. Auf Empfehlung des Verbands der Science-Center hat das Mathematikum wie folgt reagiert: Alle Experimente, die in Gesichtsnähe funktionieren, wurden ebenso entfernt wie schwer zu putzende mit vielen Plastikteilchen. Auch Knobelspiele, bei denen die Besucher nah beieinander sitzen, habe man aus der Ausstellung genommen und ersetzt. Zukünftig wird es zudem drei Besuchs-Slots von jeweils zweieinhalb Stunden geben. Um Anmeldung auf der Homepage wird gebeten. "Unser Gesicht hat sich verändert. Auch für uns ist das ein Experiment, aber das Museum bleibt ein Ort des fröhlichen Erkundens", sagt der Direktor.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare