+
Auch vor der Synagoge erinnern Kerzen an die schreckliche Tat.

Nach Anschlag auf Synagoge

650 Gießener bei Mahnwache auf Kirchenplatz

  • schließen

Die Gießener haben bei einer Mahnwache auf dem Kirchenplatz ihre Verbundenheit mit ihren jüdischen Mitbürgern demonstriert. Vor der Synagoge wurden Kerzen und Blumen niedergelegt.

Gießen (chh). Um 18.30 Uhr läuten die Glocken des Stadtkirchenturms. Es ist ein Zeichen der Verbundenheit, das die Menschen auf dem Kirchenplatz ihren jüdischen Mitbürgern mit auf dem Weg in die Synagoge geben wollen. Dort, nur wenige Meter entfernt, beginnt zur gleichen Zeit der Freitagsgottesdienst. Es ist ein besonderer Tag für die Menschen in dem jüdischen Gotteshaus. Zwei Tage ist es her, dass ein schwerbewaffneter Mann in Halle die Synagoge stürmen wollte, um möglichst viele Juden zu töten.

Die schreckliche Tat hatte das Evangelische Dekanat Gießen dazu bewegt, für Freitagabend zu einer Mahnwache einzuladen. Und die Gießener kamen. Rund 650 Menschen versammelten sich am Kirchenturm. Viele zündeten Kerzen an, manche unterhielten sich, einige standen nur so da und hielten inne.

Pfarrer Klaus Weißgerber begrüßte viele bekannte Gesichter, auch Vertreter der jüdischen Gemeinde waren gekommen. "Das ist eine tolle Sache", sagte etwa Vorstandsmitglied Simon Beckmann zur großen Resonanz. "Von meiner Heimatstadt habe ich aber auch nichts anderes erwartet." Gleichzeitig betonte Beckmann aber auch, dass nach der Trauer auch gleich die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Gießener Synagoge präsent gewesen seien. "Die sind stark verbesserungswürdig", sagte der Gießener.

Pfarrer Weißgerber betonte, dass der interkulturelle Dialog in Gießen stark ausgeprägt sei. "Das Judentum ist die Grundlage des Christentums. Wir haben die gleichen Wurzeln. Ein Angriff auf eine Synagoge ist daher immer auch ein Angriff auf das Christentum."

Weißgerber unterhielt sich noch mit vielen weiteren Menschen. Eine Rede hielt er jedoch nicht. Auch niemand anderes. Aus Überzeugung. Denn manchmal sagt die Stille mehr aus als das Wort.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare