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Verkehrsversuch

Viele ignorieren neue Einbahnstraßen in Gießener Innenstadt

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Weniger Verkehr, aber viele ignorante Autofahrer: Der Start des Verkehrsversuchs in der Gießener Neustadt und der Bahnhofstraße hat am Wochenende erste Erkenntnisse gebracht.

Gießen - Am Samstag hätte das Ordnungsamt richtig Kasse machen können in der Neustadt. Aber am ersten Tag mit einer neuen Verkehrsregelung schlägt man nicht gleich mit der Verwarnungskeule zu. Es waren um die Mittagszeit auch weit und breit keine Ordnungspolizisten zu sehen. Das Verbot der Einfahrt bzw. Durchfahrt vom Oswaldsgarten aus wurde jedenfalls oft ignoriert, sowohl von einheimischen Autofahrern als auch von Fremden. Insgesamt waren in der Neustadt zwischen 11.30 Und 12.30 Uhr, als sich die GAZ die Situation anschaute, aber weniger Autos unterwegs als sonst. Insofern könnte sich die Erwartung der städtischen Straßenverkehrsbehörde, mit der Einbahnstraßenregelung zu einer Verkehrsberuhigung in diesem Bereich der Innenstadt zu kommen, durchaus erfüllen.

Gießen: Neue Verkehrsregelung für mindestens ein halbes Jahr

Für ein Urteil ist es natürlich viel zu früh, zumal der Verkehrsversuch am Wochenende zweistufig startete. Erst mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, wenn in der City deutlich weniger Pkw unterwegs sind, fuhren auch die Busse wieder die mit Beton ausgelegten erneuerten Haltestellen in der Neustadt an.

Die neue Verkehrsregelung, die für mindestens ein halbes Jahr gilt, betrifft die Neustadt und die untere Bahnhofstraße, die nun Einbahnstraßen sind. Vom Oswaldsgarten aus dürfen nur noch Busse, Radfahrer und Anlieferer, unter anderem der Galerie Neustädter Tor, einfahren. Weiter als bis zum Pfarrgarten dürfen die Lieferanten aber nicht fahren; auf Höhe des Eingangs zur Galerie stehen die ersten rot-weißen Schilder Einfahrt verboten, dahinter dann an jeder Einmündung.

Gießen: Verbot der Einfahrt wird nicht eindeutig erkannt

Die Beschilderung indes scheint ein Problem zu sein, denn am Oswaldsgarten wird das Verbot der Einfahrt offenbar als solches nicht so eindeutig erkannt. Neben den Rechts- und Linksabbiegespuren von der Westanlage und der Nordanlage geben blau-weiße Schilder die Fahrtrichtung geradeaus vor. Zusatzschilder weisen darauf hin, dass Busse und Radfahrer ganz und der Lieferverkehr bis zum Pfarrgarten durchfahren dürfen. Wer sich wiederum hinter der Sachsenhäuser Brücke auf der Geradeausspur Richtung Neustadt aufgestellt hat, wird mit einem weiß-roten Schild Durchfahrt verboten konfrontiert, ebenfalls ergänzt um den Hinweis auf die freie Fahrt für den Lieferverkehr.

Etliche Autofahrer fuhren oder bogen in die Neustadt ein und stoppten dann auf Höhe des Pfarrgartens. Die einen fuhren einfach weiter und ignorierten ein zweites Mal die "unechte" Einbahnstraße, andere bogen in den Pfarrgarten ein, drehten dort und fuhren aus der Neustadt wieder hinaus. Wiederum andere wendeten auf der Fahrbahn oder nutzten den Eingangsplatz vor der Galerie für ein Wendemanöver zwischen den Fußgängern. Aber nicht nur in den Pfarrgarten lenkten irritierte Autofahrer ihre Wagen, auch in den Löbershof, den Tiefenweg oder die Kleine Mühlgasse wurde ausgewichen.

Gießen: In verbotener Richtung geparkt

Was auch auffiel: Auf den Kurzeitparkplätzen auf der Südseite der Neustadt parkten die Autos alle in der eigentlich verbotenen Fahrtrichtung. Der Park-Such-Verkehr, den die Stadt ebenfalls reduzieren will, ließ sich am ersten Tag also noch nicht vom Einfahrtverbot abschrecken. Erlaubt ist es, in Fahrtrichtung Oswaldsgarten auf diese Parkplätze diagonal über die Fahrbahn einzulenken. Hier wird die Ordnungspolizei genau beobachten müssen, ob das Ansteuern der Parkplätze bei Gegenverkehr mit Bussen und Radfahrern gefahrlos vonstatten geht. Es wird in den nächsten Wochen ohnehin einige Aufklärungsarbeit und Kontrolltätigkeit auf die städtischen Uniformierten zukommen, bis die "unechte" Einbahnstraße akzeptiert wird.

Quelle: Gießener Allgemeine

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