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Im Hochschulrechenzentrum gehen die Mitarbeiter auf die Suche nach der unbekannten Schadsoftware. 

E-Mail, Fristen, Bewerbungen

Uni Gießen offline: Die wichtigsten Antworten nach dem mutmaßlichen Hackerangriff

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Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dieser Spruch charakterisiert die Abläufe an der Justus-Liebig-Universität Gießen nach dem schweren IT-Sicherheitsvorfall ganz gut. Seitdem die Uni nicht mehr am Netz ist, wird viel informiert und improvisiert. Trotzdem haben die Studierenden und Mitarbeiter noch immer viele Fragen.

Gießen - Dass die Trennung der Justus-Liebig-Universität (JLU) vom Netz kein Intermezzo ist, hatte Präsident Joybrato Mukherjee Studierenden und Mitarbeitern bereits mitgeteilt. Er sprach von Wochen, bis das System wieder halbwegs hergestellt (Update: Uni Gießen offline: 38.000 Leute betroffen! Mammut-Aktion für Studenten und Mitarbeiter läuft an) werden könne. Mit Hochdruck arbeiten die Fachleute des Hochschulrechenzentrums und des Darmstädter Forschungszentrums für Cybersicherheit ATHENE gerade daran, einzelne Systeme auf die bislang unbekannte Schadsoftware zu prüfen, wegen der die Hochschule am Sonntag aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen wurde. Die Verunsicherung bei Studierenden und Mitarbeitern bleibt groß. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Woran arbeiten die IT-Fachleute vom Hochschulrechenzentrum und ATHENE gerade?

Die Wiederherstellung der Kommunikationsfähigkeit hat oberste Priorität. Die JLU setze alles daran, dass Mitarbeiter wieder E-Mails erhalten und abschicken können, heißt es vonseiten der Hochschule. Geplant ist, ein rudimentäres E-Mail-Programm noch vor der Weihnachtspause wiederherzustellen.

Kann bereits ein wirtschaftlicher Schaden beziffert werden?

Dazu macht die Uni keine Angaben. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es auch nicht möglich, den wirtschaftlichen Schaden zu beziffern, teilt die Pressestelle mit.

Welche Rechner an der Justuts-Liebig-Universität sind betroffen?

Nach aktuellem Kenntnisstand können Windows-basierte Endgeräte der Beschäftigten von der Schadsoftware infiziert sein. Deshalb werden sie kontrolliert: Am Freitag, 13. Dezember, beginnt nach Angaben der Uni Gießen die erste Welle der Verteilung von USB-Sticks, mit denen sämtliche Windows-basierten Endgeräte der JLU-Beschäftigten einem aktuellen Virenscan unterzogen werden sollen. Die Geräte der Studierenden sind von der Scan-Aktion nicht betroffen. Die Sticks sollen ab Freitagmorgen über die Fachbereiche und Zentren an die einzelnen Professuren, Institute und Abteilungen verteilt werden. "Die Virenscans müssen zwingend lokal und ohne Internetverbindung durchgeführt werden. Nur Geräte, die bei dieser ersten Welle unauffällig bleiben, erhalten einen grünen Aufkleber; alle anderen werden rot markiert und sind bis auf weiteres nicht nutzbar", heißt es bei der Hochschule. Doch damit nicht genug: Aufgrund der Komplexität der an der JLU entdeckten bislang unbekannten Variante einer Schadsoftware wird nach Abschluss dieser ersten Welle des Virenscans eine zweite Scanwelle benötigt. "Nur Geräte, die am Ende zwei grüne Aufkleber haben, werden für die Benutzung freigegebenen." Zur Durchführung der zweiten Welle, die für die kommende Woche geplant ist, sollen zeitnah weitere Informationen folgen.

Uni Gießen offline: Abgabefristen unter Studenten großes Thema

Sind Bewerbungen für ein Studium zum Sommersemester 2020 möglich?

Hier ist die Uni Gießen noch in der Findungsphase. Es werde gerade das Verfahren geklärt, wie Bewerbungen zum Sommersemester fristgerecht eingereicht werden können, teilt die Hochschule mit.

Was passiert, wenn Studierende durch den IT-Sicherheitsvorfall eine Abgabefrist versäumen?

Die JLU will sicherstellen, dass ihren Studierenden wegen der aktuellen Situation keine Nachteile entstehen - etwa wegen verpasster Fristen. Geplant ist, entsprechende Bescheinigungen unter anderem für Prüfungsämter auszugeben. Bei Fristen innerhalb von einzelnen Lehrveranstaltungen sollen sich Studierende an die Dozenten für wenden. Die Lehrenden werden angehalten, kulant zu sein. Bei JLU-internen Fristen wie bei Anmelde- und Prüfungsverfahren sollen Betroffene eine E-Mail an die Adresse vpl@giessen.university schreiben. Von dort erhalten sie von der Stabsabteilung Studium und Lehre unter Leitung von JLU-Vizepräsidentin Prof. Verena Dolle Rückmeldung. Master-Studierende sollen keine Probleme bekommen, falls sie das Bachelor-Zeugnis nicht rechtzeitig vorlegen können. Denn die können derzeit nicht ausgestellt werden.

Finden die Lehrveranstaltungen statt? Und wie kommen Studierende an digitale Inhalte?

Die Lehre und der sonstige Semesterbetrieb an der Uni Gießen finden weiterhin statt. Die JLU teilt mit, zusammen mit den Lehrenden pragmatische Lösungen zu finden. Die Dozenten beantworten dazu Fragen.

Finden die Prüfungen und Klausuren an der JLU derzeit normal statt?

Grundsätzlich wird der Lehr- und Prüfungsbetrieb planmäßig fortgesetzt. Bei Einzelfragen, zum Beispiel zu Prüfungsformen unter Nutzung digitaler Medien, sollen sich Studierende an ihre Lehrenden wenden.

Uni Gießen offline: Ausleihe in UB aktuell nicht möglichen

Wie läuft aktuell die Ausleihe und Rückgabe von Büchern und Medien?

Die Ausleihe von Büchern ist derzeit nicht möglich, auch eine Verlängerung der Ausleihfrist klappt nicht. Bücher und Medien sollen dennoch innerhalb der Ausleihfristen zurückzugeben werden - allerdings derzeit nur in der Bibliothek, in der sie ausgeliehen wurden. Die Betroffenen müssen während des Zeitraums des IT-Sicherheitsvorfalls jedoch keine Mahngebühren zahlen.

Wie kann gewährleistet werden, dass Studierende ohne europäische Staatsbürgerschaft eine Immatrikulationsbescheinigung erhalten, um Visa zu verlängern?

Das ist laut Uni-Pressestelle kein Problem. Das Studierendensekretariat führt Papierakten und stellt auf Aktengrundlage manuell Bestätigungen aus. Das werde bereits entsprechend praktiziert. Bei Bedarf hilft das Akademische Auslandsamt in Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde.

Was ist mit der Spitzenforschung? Sind Ergebnisse in Gefahr?

Ob gegebenenfalls bestimmte Forschungsergebnisse betroffen sind, kann grundsätzlich erst festgestellt werden, wenn die Server unter sicheren Bedingungen wieder hochgefahren werden.

Uni Gießen offline: So kommen Studenten an Telefonnummern

Können Studierende und Mitarbeiter rechnerbasierte Messsysteme weiter nutzen?

Rechnerbasierte Messsysteme können nur genutzt werden, wenn es sich um einen lokalen Rechner handelt, der sich nicht im JLU-Netz befindet oder befunden hat. Rechner, die im Netz angemeldet waren, müssen zunächst mit dem vom Rechenzentrum bereitgestellten Virenscanner geprüft werden.

Wie können Telefonnummern von JLU-Mitarbeitern gefunden werden?

Über das "Internet Archive" können frühere Zwischenstände von Websites aufgerufen werden. Das funktioniert auch mit der Uni-Seite www.uni-giessen.de. Damit lassen sich etwa die Seiten von Dozenten, Sekretariaten und mehr öffnen. Aber nicht der letzte Stand der Seite, auch interaktive Elemente wie die Suchfunktion führen ins Nichts. Doch zum Suchen von Kontaktmöglichkeiten ist der Trick hilfreich. Zudem lassen sich Telefonnummern direkt über die Hotline (06 41/99-10 500) erfragen.

Werden Gehälter von JLU-Beschäftigten normal gezahlt?

Ja, denn die Vergütung erfolgt über die Hochschulbezügestelle. Neu angestellte Mitarbeiter werden derzeit über von der Technischen Hocschule Mittelhessen zur Verfügung gestellte Arbeitsplätze in das -System eingepflegt.

Wie sollen Mitarbeiter mit offenen Rechnungen umgehen?

Das Buchhaltungssystems der JLU ist ausgefallen. Deswegen sollen Rechnungen an das Finanzdezernat weitergeleitet werden.

Wie ist der Umgang mit Drittmitteln und Forschungsförderern?

Das Finanzdezernat informiert die wichtigsten Drittmittelgeber und Forschungsförderer über den IT-Sicherheitsvorfall. Mitarbeiter können sich bei Fragen an das Finanzdezernat wenden (0641/99-12402).

Quelle: Gießener Allgemeine

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