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Die neue Maschine soll leiser sein als die alte.

Neuer Hubschrauber

Gießen: Neuer Rettungshubschrauber vorgestellt - Viele Gießener erleichtert

Die Johanniter haben einen neuen Hubschrauber. Er ist schneller, geräumiger und technisch besser ausgestattet. Was viele Gießener ebenfalls freuen dürfte: Die neue Maschine ist leiser.

Ein 380 Kilo schwerer Mann musste neulich von Koblenz aus in eine Klinik in Wiesbaden gebracht werden. Für das medizinische Personal vor Ort eine zu schwere Aufgabe. Für die Gießener Johanniter hingegen kein Problem. Denn seit einigen Wochen ist die Luftrettungseinheit in der Lahnstraße im Besitz eines neuen Hubschraubers, der auch Patienten mit einem Gewicht von bis zu 400 Kilogramm transportieren kann. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, kein anderer Mitbewerber kann das leisten", betont Johanniter-Geschäftsführer Günther Lohre. Die große Traglast ist aber nur einer von vielen Vorteilen, die die Neuanschaffung bietet. Das haben die Johanniter am Donnerstag bei einem Pressetermin in der Lahnstraße hervorgehoben.

Die Einsatzmaschine des Typs H155 ist laut Lohre der modernste Hubschrauber seiner Gewichtsklasse für Intensiv- und Rettungstransporte. "Sie hat stärkere Triebwerke, eine größere Reichweite und ist schneller", sagte der Johanniter-Chef. "Wir haben nun die einzige fliegende Intensivstation in Hessen."

Gießen: Neuer Rettungshubschrauber zehn Millionen Euro teuer

Der knapp zehn Millionen Euro teure Helikopter aus dem Hause Airbus ist keine Neuanschaffung. Vor seiner Zeit in der Luftrettung war er in England für den Passagiertransport zu Ölplattformen eingesetzt worden. Daher musste er auch umfangreich umgebaut werden, wie der technische Leiter Markus Ortner betont. Neben allerhand Technik und Kommunikationsgeräten musste vor allem eine Haltungsvorrichtung für die Trage eingebaut werden. "Der Innenraum ist 9,2 Kubikmeter groß. Die alte Maschine hatte nur 6,6."

Der gewonnene Platz kommt nicht nur adipösen Menschen zugute, die mit einer Spezialtrage transportiert werden können. Auch Frühchen können in einem Inkubator in andere Kliniken verlegt werden. Menschen, die an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen sind, finden ebenfalls Platz. Dank des sogenannten Isoark, eine mit einem Infektionsschutzsystem ummantelte Trage, können zudem Menschen mit Infektionskrankheiten transportiert werden. "Zum Beispiel Patienten, die seltene Krankheiten aus dem Ausland eingeschleppt haben", sagt Lothe. "Oder Menschen, die von multiresistenten Keimen befallen sind."

Gießen: Auch Fachärzte können mit Rettungshubschrauber fliegen

Die zusätzlichen Kubikmeter bieten aber noch einen weiteren Vorteil, wie der Johanniter-Chef betont. "Dank des größeren Innenraums können auch Fachärzte oder Kinderkrankenschwestern mitfliegen. Der Patient ist also auch während des Flugs bestens versorgt."

Von dem neuen Helikopter sollen aber nicht nur Kranke und Verletzte profitieren. Sondern auch lärmgeplagte Gießener. In der Vergangenheit hat es immer wieder Beschwerden wegen der Lautstärke des Rettungshubschraubers gegeben. Vor allem die Menschen aus der Margaretenhütte, die in unmittelbarer Nähe zum Luftrettungsstützpunkt wohnen, haben unter dem Lärm gelitten. Aber auch rund um die Uniklinik sorgte der Hubschrauber für Unmut. Das könnte sich nun bessern. Denn anstelle eines konventionellen Heckrotors ist in der neuen Maschine ein sogenannter Fenestron verbaut. Diese französische Entwicklung arbeitet wie ein üblicher Heckrotor, ist dabei aber leiser. Die Johanniter gehen von einer Reduzierung des Lärms um 30 Prozent aus. Das dürften die Gießener gerne hören.

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