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Am Faschingssonntag war der 28-jährige Daamar in Gießen Zeuge einer Vergewaltigung geworden, als er gegen 1 Uhr nachts von der Arbeit kam.

Zivilcourage

Gießen: Nach Vergewaltigung gleich zwei Mal stark reagiert

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Die Polizei hat den Gießener Özkan Daamar für Zivilcourage geehrt. Er hatte einen Vergewaltiger vertrieben, der Frau beigestanden und später geholfen, den Täter festzunehmen.

Gießen - Es heißt, man sieht sich immer zweimal im Leben. Ein solches Déjà-vu verschlug Özkan Daamar allerdings gehörig die Sprache. Da sitzen ein Zeuge und ein Täter zufällig einige Tage nach der Tat zur gleichen Zeit in derselben Sportsbar im Wiesecker Weg, während die Polizei via Öffentlichkeitsaufruf nach beiden sucht. Am Faschingssonntag war der 28-jährige Daamar in Gießen Zeuge einer Vergewaltigung geworden, als er gegen 1 Uhr nachts von der Arbeit kam. Er schritt ein, vertrieb den Täter und beruhigte das Opfer. Dann ging er nach Hause. Eine Anwohnerin versorgte die junge Frau weiter, bis die Polizei eintraf.

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Aber man sieht sich eben immer zweimal. "Ich habe ihn sofort erkannt", sagt Daamar am Donnerstag im Polizeipräsidium Mittelhessen. Bei einer Feierstunde ehrt Polizeipräsident Bernd Paul insgesamt 13 Bürger aus der Region Mittelhessen für besonderen persönlichen Einsatz gegen Straftaten.

Gießen: In der Tatnacht Notruf minutenlang besetzt

Die Fälle, die mit ihrer Hilfe aufgeklärt wurden, reichen von Trickbetrug über Ladendiebstahl bis hin zu der Vergewaltigung in Gießen. "Was wären wir ohne die Bürger?", fragt Paul während seiner Begrüßung. Untersuchungen kämen zu dem Schluss, ohne Hinweise aus der Bevölkerung brauche die Polizei ungefähr doppelt so viel Personal.

Zu Mut und Zivilcourage gesellt sich manchmal noch der Zufall. Drei Tage nach der Tat hörte Daamar von einem Freund, der in der Bar arbeitet, dass man ihn als Zeugen suchte. Der Täter war in der besagten Nacht ausgerechnet in eine Wohnung über dieser Bar geflüchtet - und kam just in diesem Moment wieder durch die Tür. Minuten später folgte die Festnahme. Und den Zeugen hatten die Behörden nun auch gefunden.

Özkan Daamar (l., im Gespräch mit Polizeivizepräsident Peter Kreuter) half einer Frau, die vergewaltigt wurde. Später hat er den Täter in einer Bar wiedererkannt.

In der Tatnacht sei der Notruf minutenlang besetzt gewesen, erzählt Daamar. Dreimal habe er versucht, die Polizei zu informieren, nachdem er den Täter in die Flucht geschlagen hatte. Zuvor sei ihm die Lage erst nicht richtig klar gewesen. Weil die junge Frau immer weiter um Hilfe rief, habe er schließlich erkannt, was da gerade unweit seines Wohnortes passierte. Ob er zu irgendeinem Zeitpunkt mal Angst gehabt oder überlegt habe, dass der Täter bewaffnet sein könnte? "Nein", antwortet Daamar, als sei es das Normalste der Welt. Nur "ziemlich groß" sei der Vergewaltiger ihm vorgekommen. Aber sonst: "Es war mitten in der Nacht, ich war müde."

Gießen: "Von jetzt auf gleich kann man in einem Kriminalfall sein"

Zivilcourage ist eben selten planbar. "Von jetzt auf gleich kann man in einem Kriminalfall sein", sagt Paul entsprechend. Alle Geehrten zeichne aus, dass sie in einer solchen Ausnahmesituation klug und besonnen gehandelt hätten. Das gilt für einen Taxifahrer, der half, einen Enkeltrick-Fall zu lösen. Es gilt für drei zwölfjährige Jungen aus Kirchhain, die einen Ladendieb der Polizei meldeten. Und es gilt für alle anderen mutigen Bürger, die am Donnerstag im Gespräch mit Paul, Vizepräsident Peter Kreuter und dem Leiter der Abteilung Einsatz, Manfred Kaletsch, über ihre Fälle berichten.

Als Daamar vom Faschingssonntag erzählt, wirkt das Ganze fast ein bisschen lapidar. "Selbstverständlich" wäre vielleicht der bessere Ausdruck. "Ich würde es immer wieder so machen", betont der 28-Jährige am Ende jedenfalls noch. "Das ist doch normal."

Quelle: Gießener Allgemeine

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