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Fehime Senkal hat die Kündigung erhalten. Sie bezweifelt, dass ein anderer geeigneter Platz für ihren Kiosk gefunden wird.

Ära endet

Gießen: Kiosk an Kongresshalle muss raus - Pächterin erhält Kündigung

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Mit dem geplanten Umbau der Gießener Kongresshalle geht aller Voraussicht nach ein Stück Kioskgeschichte zu Ende. Pächterin Fehime Senkal hat die Kündigung bereits erhalten.

Gießen - Eine Schachtel Zigaretten wünscht der junge Mann. Und ein Monatsticket für den Bus. "Kommt sofort", sagt Fehime Senkal. Nachdem die 63-Jährige eine Packung Kippen aus dem Regal gefischt hat, tippt sie das heutige Datum in den kleinen Fahrkartenautomaten unter ihrem Tresen ein. "Macht 46,70 Euro", sagt die Kioskbetreiberin und reicht ihrem Kunden das Ticket. Es könnte der letzte Fahrschein gewesen sein, der nach einer über 50 Jahre währenden Kioskgeschichte am Berliner Platz verkauft worden ist. 

"Heute soll der Automat abgebaut werden", sagt Senkal. Was die gebürtige Armenierin aber noch viel mehr schmerzt: Ihr ganzer Kiosk steht vor dem Aus. Vergangene Woche hat sie die Kündigung erhalten.

Bei einer Bürgerversammlung vor gut zwei Wochen hat die Gießener Stadthallen GmbH über den geplanten Umbau der Kongresshalle informiert. Dabei wurde auch bekanntgegeben, dass der Kiosk an der Bushaltestelle am Berliner Platz weichen soll. Grund ist die chaotische Parksituation. In Zukunft sollen an dieser Stelle Busse und Lastwagen auf den Platz geleitet werden. Trotzdem sei ein Abriss des Kiosks im ersten Entwurf nicht vorgesehen gewesen, sagte Stadthallen-Chef Sadullah Güleç bei bei der Informationsveranstaltung. Doch die Belange von Fußgängern, Busfahrern und der barrierefreie Umbau der Bushaltestelle hätten einen Verbleib der Bude unmöglich gemacht. Die Arbeiten sollen bereits im kommenden Mai beginnen. Für Senkal ist das ein harter Schlag. "Letzte Woche habe ich die Kündigung im Briefkasten gehabt." Ende März soll Schluss sein.

In dem Häuschen an der Bushaltestelle ist seit dem Bau im Jahre 1965 ein Kiosk angesiedelt. Senkal bestreitet damit bereits seit über 20 Jahren ihren Lebensunterhalt. Nachdem ihr Ehemann Anfang des Jahres gestorben ist, versorgt die 63-Jährige ihre Kunden nun gemeinsam mit ihrer Tochter. Zigaretten, Süßigkeiten, Zeitschriften. "Und Kaffee für die Busfahrer", sagt Senkal.

Die Kunden sind offenbar zufrieden. Jeden Tag würde sie auf die Schließung angesprochen, sagt die Pächterin. "Alle Kunden sind sehr traurig. Ich auch. Wir sind in unserer Existenz bedroht."

Doch auch wenn das Aus ihrer Kioskbude besiegelt ist, gibt es für Senkal noch Hoffnung. Bei der Infoveranstaltung hatte Güleç betont, man werde nach einem anderen Standort suchen. Aktuelle Neuigkeiten dazu gebe es jedoch nicht, wie Güleç nun auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. Momentan werde mit Hochdruck der Bauantrag zum ersten Bauabschnitt vorbereitet. Sobald dies abgeschlossen sei, werde zeitig im neuen Jahr die Planungen für die weiteren Maßnahmen aufgenommen. "Die Frage nach einem alternativen Standort ist im Rahmen dieser Planungen zu prüfen."

Senkal glaubt jedoch nicht so recht an einen positiven Ausgang. Die Pächterin ist verzweifelt, daraus macht sie keinen Hehl. "Wenn wir unsere Bude verlieren, sitzen wir auf der Straße."

Info: Vor über 50 Jahren gebaut

Die Kongresshalle wurde 1964/65 erbaut und 1966 als "Offenes Haus für alle Bürger eröffnet. Der planende Architekt Sven Markelius zählt zu den bedeutenden Vertretern der Moderne und ist Gründer des Schwedischen Funktionalismus. Der ist zweckmäßig, kostengünstig und von Traditionen unbelastet. Die kleine Bude am Berliner Platz wurde im gleichen Zuge gebaut, seither ist dort ein Kiosk angesiedelt.

Quelle: Gießener Allgemeine

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