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Gießen: Innovative Technik bereitet Patienten im EV auf Operationen vor - Positive Reaktionen

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Das Evangelische Krankenhaus in Gießen setzt vor OPs auf eine neue Technik: Sie ist angstlösend und hilft, Medikamente zu reduzieren. Patienten schwärmen davon. Dabei ist die Idee simpel.

Korallenriffe werden von bunten Fischschwärmen umkreist, Pflanzen bewegen sich sachte im Wasser, ab und zu kommt ein blauer oder gelber Zackenbarsch vorbei. Klassische Musik begleitet die Szene. "Es war wunderbar", sagt Ehrengard Rumpf. Die Seniorin strahlt. Sie ist drei Tage zuvor an der Wirbelsäule operiert worden. Das Angebot des Agaplesion Evangelischen Krankenhauses, während des Eingriffs eine Videobrille zu tragen, hat sie gerne angenommen. "Eine sehr gute Entscheidung", sagt sie. "Ich habe diese herrlichen Bilder angeschaut und dann ganz entspannt vor mich hin geduselt".

Eine entspannte Situation zu schaffen ist der Sinn der neuen Errungenschaft. "Bisher haben alle Patienten so positiv reagiert, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Jochen Sticher. Nach anfänglicher Skepsis, ob ein zusätzliches Gerät im Krankenhausalltag nicht einen unnötigen Mehraufwand für das Pflegepersonal bedeuten würde, sei man nun überzeugt von der Innovation. "Es ist für alle Beteiligten angenehmer, wenn die Patienten angstfrei sind". Mit der Nutzung der Videobrille können Patienten seit zwei Wochen vor, während und nach einem operativen Eingriff Filme, Konzerte oder Naturdokumentationen ansehen. Dadurch wird das Gehirn mit positiven Eindrücken beschäftigt. Das System besteht aus einer Videobrille mit integrierten Kopfhörern, die den Patienten vom eigentlichen Geschehen ablenken sollen. Per Knopfdruck ermöglicht die Brille inklusive Bild und Ton, die Gedanken des Patienten weg von Angst und Anspannung hin zu Entspannung und Gelassenheit zu lenken. Die Patienten können den Fokus ihrer Aufmerksamkeit umlenken und besser mit der Situation im Operationssaal umgehen. Sticher: "Es ist eine audiovisuelle Entkopplung". Dass die Angst reduziert werden kann, ist mittlerweile auch durch Studien belegt. 92 Prozent der Befragten gaben an, die Brille bei einer erneuten OP wieder nutzen zu wollen.

Ein weiterer Vorteil der neuen Technik ist, dass die Medikamentengabe reduziert werden kann. Vor einer Operation bekommen die Patienten Beruhigungsmittel, um die Nervosität und Unruhe zu dämpfen. Kommt die Brille zum Einsatz, reicht eine geringere Dosis, was zu einer kürzeren Aufwachzeit und zu mehr Wohlbefinden führt. Ehrengard Rumpf ist sicher: "Ich hätte eigentlich gar nichts mehr gebraucht". Noch besser hätte sie es gefunden, wenn man ihr die Brille bereits im Zimmer gegeben hätte, so dass sie sich schon auf dem Weg in den OP hätte ablenken können. An den Feinheiten wird im EV noch gefeilt, doch eines ist jetzt schon klar. Die beiden Brillen, die derzeit zur Verfügung stehen, reichen wahrscheinlich nicht aus. Angewendet werden können sie in jeder Disziplin und sowohl für Vollnarkosen als auch für Eingriffe mit Lokalanästhesie. Es gibt Videos für jeden Geschmack und für jede Altersstufe. Für Kinder hat der Hersteller Filme wie Heidi oder Pumuckl vorbereitet, und die Erwachsenen können zwischen Landschaftsaufnahmen und Korallenriffen oder sogar Krimis wählen.

Setzt man die Brille auf, fühlt man sich ein bisschen so wie auf einem Logenplatz im Kino: Ein farbiges Panorama mit musikalischer Begleitung fesselt die Aufmerksamkeit. Doch statt sich tief in die Polster sinken zu lassen, rollt man in den OP-Saal: Film ab, Operation läuft.

Quelle: Gießener Allgemeine

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