Fassenachtszug

Gießen in der Hand der Narren

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Gießen war am Sonntagnachmittag wieder einmal in der Hand der Narren. Zehntausende bejubelten den Umzug durch die Innenstadt.

Nach Schätzungen der Polizei säumten bei milden Temperaturen 80 000 Menschen die Straßen. Ein Wagen des Umzugs der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) musste dabei eine Zensur über sich ergehen lassen. Die Veranstalter und die Polizei drängten den Karnevalsclub aus Niederwalgern zum kurzfristigen Umbau ihres Gefährts. Grund: Oben auf dem Motivwagen sollte ein Panzer stehen.

"Kriegsmaschinerie gehört nicht auf einen Fastnachtsumzug", erklärte Polizeihauptkommissar Jörg Pfeiffer auf Nachfrage. Die Entscheidung habe die Polizei gemeinsam mit der Gießener Fassenachts-Vereinigung getroffen.

Kopfschüttelnd habe man die Zensur akzeptiert, berichtete Stefan Oberhansl, zweiter Vorsitzender des Karnevalclubs. "Eigentlich wollten wir ein Zeichen für Frieden setzen", sagte er. Man habe einen Panzer mit einem Knoten im Rohr gebaut. In großer Schrift zierte das Motto "Make love, not war" den Wagen. Zähneknirschend habe man das Gefährt schließlich umgerüstet. Es sei ein Eingriff in die Meinungsfreiheit, betonte Oberhansl indes. In Militäruniform begleiteten die Mitglieder des Vereins den Wagen durch die Innenstadt.

Im Vorfeld hatte das Regierungspräsidium darauf hingewiesen, dass für dieses Jahr eine erhöhte Terrorgefahr bei Fastnachtsumzügen in Hessen bestehe. Vor diesem Hintergrund hatten auch die Veranstalter des Rosenmontagszugs in Marburg das Verbot für den Panzer auf dem Wagen aus Niederwalgern ausgesprochen.

Motivwagen sind beim Gießener Umzug eine große Seltenheit. Für eine Ausnahme sorgten einmal mehr die Fastnachtsfreunde aus Krofdorf-Gleiberg: So standen sich US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel überlebensgroß auf einem Wagen gegenüber. Ein Hintern mit Ohren zierte wie ein Orden die Brust Trumps. "Ups, mein amerikanischer (Alb-)Traum", stand auf einer Sprechblase geschrieben. Gleich dahinter bewegte sich ein riesiges brennendes Handy durch die Innenstadt. Als Feuerwehrmänner verkleidet nahmen die Krofdorf-Gleiberger die Brände von Samsung-Smartphones auf die Schippe.

Die Sonne strahlte vom Himmel herab, als Zugmarschall Bernd "Hacki" Hachenberger an der Spitze des Lindwurms zum Start in der Ringalleeausrief: "Jetzt geh’s los". Mit 77 Nummern war der Zug etwas kleiner als im Vorjahr. Von insgesamt 34 Wagen warfen Fassenachter Kamellen in die Menge. "Helau", riefen die Besucher, schwenkten die Arme und machten sich auf Bonbonjagd. Vier Stunden lang zog sich der Lindwurm durch die City.

Zwischenfälle gab es keine, wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte – abgesehen von kleineren üblichen Rangeleien und Beleidigungen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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