Jana Berger und ihre Tochter Carla. 	FOTO: SCHEPP
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Jana Berger und ihre Tochter Carla.

Spendenaufruf

Autismus: Für Carla (3) aus Gießen wäre ein Therapiehund eine Riesen-Chance – aber die sind teuer

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Carla lebt in ihrer eigenen Welt. Das Mädchen aus Gießen hat eine frühkindliche Autismusstörung. Die Dreijährige spielt nur alleine und kommuniziert mit niemandem. Ein Therapiehund könnte ihr helfen. Doch die Krankenkasse zahlt nicht.

Gießen – Carla spielt, singt oder lacht nicht mit anderen Kindern. Wenn sich ihr ein Mädchen oder ein Junge im Montessori-Kinderhaus nähert, ignoriert sie das. Es sieht so aus, als nähme sie die anderen gar nicht war. Oder sie läuft weg. Die Dreijährige ist wieselflink und rennt los, wann immer es ihr in den Sinn kommt. Das versucht sie in der Kita, aber auch zu Hause.

Ihre Mutter ist rund um die Uhr in Alarmbereitschaft. Carla schläft meist zwischen 22 und 24 Uhr, kurze Zeit später ist sie wieder hellwach. Sie kann sich nicht alleine anziehen oder essen; ihr Schmerzempfinden ist gestört, so dass sie nicht merkt, wenn sie sich selbst verletzt. Kürzlich hat sie einen heißen Heizkörper abgeleckt; ihre Mutter hat die Wunden kurze Zeit später entdeckt. Das Gehirn des Kindes kann Reize nicht so filtern, wie es sollte, es kämpft mit einer permanenten Überflutung. Darauf reagiert Carla mit Stress: Entweder wird sie apathisch, oder sie schreit sich die Seele aus dem kleinen Leib.

Kleine Gießenerin hat Autismus: „Ein richtiges Bilderbuchbaby“

Jana Berger tut alles für ihre Tochter, aber sie ist längst über ihre körperlichen und psychischen Grenzen hinaus gegangen. Dass ihre Tochter eine schwere Behinderung hat, war nach der Diagnose ein Schock für die 34-Jährige. Denn Carla war ein fröhliches, Baby, das sich sehr gut entwickelt hat. »Ein richtiges Bilderbuchbaby«, erinnert sich die Grafikerin.

Mit neun Monaten bekam ihe Tochter eine Mittelohrentzündung nach der anderen, der Verlauf war so schlimm, dass sie schließlich das Gehör verlor. Als Carla ein Jahr alt war, reagierte sie nicht mehr auf ihren Namen und hörte auf zu sprechen. Während einer Operation, bei der ihr Paukenröhrchen implantiert wurden, erlitt sie einen anaphylaktischen Schock, der sie fast das Leben gekostet hat. Ihr Gehör erholte sich in der Folge, doch Verhaltensauffälligkeiten blieben.

Keine Heilung: Carla aus Gießen ist aus dem Autismus-Spektrum

In der Klinik wurde schließlich eine frühkindliche Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert. Diese Behinderung hat mit dem bekannteren Asperger-Syndrom, das sich durch die Unfähigkeit zur Empathie und eine außergewöhnliche Inselbegabung auszeichnet, nichts zu tun.

Eine Heilung gibt es nicht, aber man kann den Verlauf durch Frühförderung und Therapien positiv beeinflussen. Diesen Weg geht auch Jana Berger mit Carla, sie hat mit der Lebenshilfe und den erfahrenen Expertinnen im Montessori-Kinderhaus starke Unterstützer an ihrer Seite. Auch ihre Eltern und der von der Familie getrennt lebende Vater helfen - aber viele Dinge muss Jana Berger alleine schaffen, weil Carla Abweichungen von gewohnten Abläufen nicht erträgt.

Gießen: Autismus-Hund wäre eine tolle Chance für Carla

Carla interagiert mit niemandem, sie reagiert nicht auf Stimmen oder Musik. Eine Chance könnte nun ein speziell ausgebildeter Therapiehund sein. Autismus-Hunde haben in der Reihe der Assistenzhunde eine Sonderstellung. Während ein Kind im Rollstuhl die Hauptbezugsperson für seinen Hund ist und Kommandos gibt wie »Bring Stift« oder »Licht«, arbeitet der Autismushund im Dreierteam. Er achtet auf die Signale des Kindes und folgt den Kommandos der Eltern. »Er wird ein Familienmitglied, das ist eine große Verantwortung«, sagt Jana Berger. Auch Carlas große Schwester Darina (10) die im Alltag oft zu kurz kommt, wird von dem Vierbeiner profitieren. Für die Bergers in Frage kommt eine Labradorhündin, die der Verein Patronus in Rostock ausgebildet hat.

Spendenkonto

Der Verein Patronus Assistenzhunde in Rostock bildet Hunde für Autisten aus. Die aufwendige Ausbildung des Hundes kostet 28 000 Euro; die Familien werden sorgfältig vorbereitet und begleitet. Wer Familie Berger unterstützen möchte, kann dies über den Verein oder über den Sozialdienst Katholischer Frauen tun. Der SkF hat ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN DE09 5135 0025 0205 0739 72. Es können auch Spendenquittungen ausgestellt werden.

Gießen: Krankenkassen übernehmen Kosten für Autismus-Hunde nicht

Konkret kann der Hund helfen, das Weglaufen zu verhindern. Draußen ist er mit dem Kind an einer speziellen Leine verbunden und setzt sich, sobald das Kind wegläuft. Die Eltern haben dann die Möglichkeit, ihr Kind zu stoppen. Zudem ist er darauf geschult, das Kind zu suchen oder er zeigt durch Bellen an, wenn es nachts im Haus wegläuft. Die Ausbildung eines solchen Hundes kostet etwa 28 000 Euro. Die Idee, Assistenzhunde für Autisten auszubilden, stammt aus Kanada. In Deutschland hat man auch gute Erfahrungen gemacht, aber es gibt noch keine Studien, die den Nutzen untermauern. Deshalb übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht. »Das ist ein Jammer«, sagt Mechthild von Niebelschütz. Die Leiterin des Montessori-Kinderhauses. und ihre Kolleginnen haben langjährige Erfahrungen mit autistischen Kindern und wissen, dass die Hunde eine wichtige Rolle spielen können. »Er hat eine Wächter- und Mittlerfunktion«. Von Niebelschütz kann sich gut vorstellen, dass Carla über einen Hund Zugang zu einer Welt finden kann, der ihr bis jetzt verschlossen ist. Auch die behandelnde Ärztin sieht in einem Therapiehund eine Chance, sie befürwortet die Anschaffung.

Anzeichen dafür, dass ein Tier Carla erreichen kann, gibt es. Kürzlich hatte das Mädchen im Familienkreis eine Begegnung mit einem freundlichen Vierbeiner. Jana Berger berichtet mit einem Strahlen: »Carla hat auf ihn reagiert, das war für uns wie ein kleines Wunder«. (Von Christine Steines)

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