Gießener Lahnufer

Gießen: Auch "Lahnresidenz" macht Ärger

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Das Prestigeprojekt Gießener Lahntower ist offenbar kein Einzelfall. Durch ein Verfahren am Landgericht ist bekannt geworden, dass es auch bei der benachbarten "Lahnresidenz" Probleme gibt.

Wer häufiger zwischen dem Mühlengarten an der Lahn und dem Bootshaus der GRG unterwegs ist, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass auf die Erdgeschossebene der drei großen Stadtvillen, die dem Seniorenzentrum Vitanas vorgelagert sind, einige Stufen hinaufführen. Diese erhöhte Bebauung der Wohnbereiche hat die Stadt vorgeschrieben, als 2011 der Bebauungsplan "Zu den Mühlen" aufgestellt wurde. Grund: Der Bereich liegt im Überschwemmungsgebiet der Lahn (Lesen Sie auch: Nach Massenschlägerei an der Lahn machen Anwohner mobil), was besondere Anforderungen an das Bauen in solch hochwassergefährdeten Bereichen stellt. Das gilt erst recht für tiefergelegene Bereiche wie eine Tiefgarage. Die, die sich unter den Adressen Zu den Mühlen 4,6 und 8 befindet, soll seit Jahren im Bereich der Bodenplatte Risse aufweisen. Ein Schaden, der die Bewohner der "Lahnresidenz" womöglich bald zur Klage gegen die Bauträgergesellschaft Seniorenpflege und Wohnprojekt Gießen veranlassen wird.

"Lahnresidenz" Gießen: Presse muss Gerichtssaal verlassen

Am Landgericht standen sich vergangene Woche die von der Hausverwaltung Menges vertretenen drei Wohnungseigentümergemeinschaften und der Bauträger im Rahmen eines Beweisverfahrens vor der 4. Zivilkammer gegenüber. Der Termin war vom Gericht irrtümlich als öffentliche Verhandlung angekündigt worden. Der Richter hätte nichts gegen die Anwesenheit der Presse gehabt, aber die Vertreter der Bauträgergesellschaft bestanden darauf, dass der Mitarbeiter der Gießener Allgemeinen Zeitung den Raum verlässt. Angehört wurde danach ein gerichtlich bestellter Sachverständiger.

Auf GAZ-Anfrage bestätigte Gerichtssprecher Dr. Dominik Balzer später, dass es in dem Beweisverfahren um die Klärung von Schäden an der Bodenplatte des Gebäudeensembles geht. Es hätten bereits zwei Ortstermine stattgefunden, ein weiteres Gutachten solle von dem Sachverständigen eingeholt werden. Der Termin sei eine "Zwischenanhörung" gewesen. Da es noch kein Klageverfahren gebe, könne auch noch kein Streitwert beziffert werden. "Der wäre mutmaßlich ganz schön hoch", sagte Balzer.

"Lahnresidenz" Gießen: Eigentümer plädiert für Klage

Ein betroffener Wohnungseigentümer, der das Verfahren verfolgte, sprach von "erschreckenden" Aussagen des Gutachters. "Es gibt massive Risse in der Bodenplatte. Da möchte man gar nicht wissen, wie sich das auf die Gebäudestatik auswirkt, wenn der Auftriebsdruck eines Hochwassers einwirkt", erklärte der Bewohner. In etwa zwei Monaten soll eine Eigentümerversammlung stattfinden. "Ich werde dann empfehlen, Klage gegen den Bauträger einzureichen, alles andere macht aus meiner Sicht keinen Sinn", sagte der Wohnungseigentümer. Diese Klage würde dann auf jeden Fall öffentlich verhandelt.

"Lahnresidenz" Gießen: Erster Investor sprang ab

Die "Lahnresidenz" war in den Jahren 2013/2014 von der Seniorenpflege und Wohnprojekt Gießen GmbH errichtet worden. Geschäftsführer war damals Jörg Fischer, Chef der Gesellschaft für Handel und Immobilien (GHI) aus Linden, die auch den Lahntower errichtet hat. Haftende Gesellschafterin der Seniorenpflege und Wohnprojekt Gießen GmbH ist laut Handelsregister die ursprünglich in Lingen im Emsland gegründete WKL Verwaltungs GmbH, die ihren Sitz mittlerweile in der Marburger Straße in Gießen hat. Sie wird geführt vom Gießener Architekten Helmut Peter, dessen Büro HP&P auch die Generalplanung der "Lahnresidenz" oblag und der am vergangenen Donnerstag bei dem Beweisverfahren im Landgericht zugegen war.

Zur "Lahnresidenz" gehören neben den drei Stadtvillen mit fast 30 Wohnungen das Seniorenpflegeheim mit fast 140 Plätzen und ein Wohnbereich für betreutes Wohnen mit rund 25 Wohnungen. Investiert in den Gesamtkomplex wurden um die 30 Millionen Euro, ausgeführt wurden die Arbeiten von einem Unternehmen aus den Niederlanden.

Die GHI war Ende 2012 als Investor eingesprungen, nachdem die Gründer der Seniorenpflege und Wohnprojekt GmbH bzw. der WKL Verwaltungs GmbH abgesprungen waren. Die Stadt hatte diesem Investor aus Norddeutschland bereits eine Baugenehmigung erteilt, die aber nicht bezahlt und abgeholt wurde.

Quelle: Gießener Allgemeine

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