Fußball und Kultur im fruchtbaren Dialog

Gießen (olz). »Seit einiger Zeit ist Trainer Hans Meyer unser Ansprechpartner. Mir als Stürmer macht es besonders viel Spaß, mit ihm zu arbeiten«, erklärte Moritz Rinke, Kapitän der Autorennationalmannschaft, am Samstagnachmittag. Für zwei Tage war das offizielle DFB-Team nach Gießen gekommen.

Gießen (olz). »Seit einiger Zeit ist Trainer Hans Meyer unser Ansprechpartner. Mir als Stürmer macht es besonders viel Spaß, mit ihm zu arbeiten«, erklärte Moritz Rinke, Kapitän der Autorennationalmannschaft, am Samstagnachmittag. Für zwei Tage war das offizielle DFB-Team nach Gießen gekommen. Neben einem Spiel der Autoren gegen eine Auswahl des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität, das die Gastgeber mit 5:4 knapp für sich entscheiden konnten, fand am Samstagabend eine Lesung im Georg-Büchner-Saal in der alten Universitätsbibliothek statt. Mit einem literarischen Frühstück im »Café Giramondi« in der Bahnhofstraße endete der Besuch am Sonntagmittag.

Trotz trüben Wetters fanden sich am Samstagnachmittag rund 50 Zuschauer auf dem Uni-Sportgelände am Kugelberg ein, um das Fußballspiel der Autorennationalmannschaft gegen die Gießener Auswahl zu sehen. Sie bekamen eine ausgeglichene Partie geboten. Nachdem die Germanisten die erste Halbzeit klar für sich entscheiden konnten, gelang es den Gästen in der zweiten Hälfte, besser ins Spiel zu finden. Am Ende konnten die Gießener mit dem Ergebnis des Matchs, das über weite Strecken hart umkämpft, aber fair war, durchaus zufrieden sein.

So sah es auch Manuel Emmerich, Kapitän der Gastgeber: »Das Spiel war ein härterer Kampf als erwartet und unser Gegner hat große Moral bewiesen. Für die Zuschauer war es sicher spannend.« Moritz Rinke freute sich, dass die Schlappe aus dem Hinspiel, das seine Mannschaft im August 2008 in Berlin mit 0:6 verloren hatte, korrigiert werden konnte. »Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch wenn ein 5:5 sicherlich gerechter gewesen wäre«, erklärte der Kapitän des DFB-Teams, der, sonst Stürmer, am Samstag als Torhüter spielen musste.

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Veranstaltung, deren Organisation mit Manuel Emmerich, Hubertus Redlich, Sascha Kraft, Hendrik Alswede, Mirko Hauping und Michael Weise sechs Studenten der Gießener Germanistik übernommen hatten, war im Wintersemester 2008/09 in einem Hochschulseminar entstanden. Gemeinsam mit den Studierenden hatte Dr. Sascha Feuchert, geschäftsführender Leiter der Arbeitsstelle für Holocaust-Literatur, im Kurs »Literaturpolitik. Literaturereignis. Literaturevent« zunächst theoretische Grundlagen besprochen. Sie sollten im Folgenden in die Praxis umgesetzt werden, und bereits zu Anfang des Jahres 2009 wurden einige Veranstaltungen organisiert.

Unter anderem fand im März eine literarische Stadtführung statt, bevor an diesem Wochenende das DFB-Team zu Spiel und Lesung nach Gießen kam.

Und das ist durchaus Fußball-kompetent. »Wir sind so etwas wie eine ›Kulturstation‹ für Trainer«, berichtet Rinke. Mit Uwe Rapolder habe man bereits 2006 trainiert, eine Zusammenarbeit mit Jörg Berger sei geplant, mit Otto Rehagel habe er bereits über eine mögliche Kooperation gesprochen, so der Kapitän. Regelmäßig werde in der »Writers league«, einer 16 Mannschaften umfassenden europäischen Autorenliga, gespielt. Gerade war das Team, dessen Schirmherr Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist, gemeinsam mit der U18-Nationalmannschaft und Borussia Mönchengladbach in Israel. Das nächste internationale Match ist bereits geplant: Im September gastiert die Mannschaft am »Millerntor« auf St. Pauli, um gegen eine Auswahl türkischer Autoren zu spielen. - Neben dem Sport stand am Wochenende die Literatur auf dem Programm. Am Samstagabend lasen unter anderem Jan Costin Wagner, ausgezeichnet mit dem »Deutschen Krimipreis 2008«, und Klaus Cäsar Zehrer, gemeinsam mit Robert Gernhardt, Herausgeber des Gedichtbandes »Hell und schnell.

555 komische Gedichte.« Wagner präsentierte dem Publikum mit »Im Winter der Löwen« eine noch unveröffentlichte Fußballgeschichte, Zehrer einige unveröffentlichte Gedichte und mit »Haus Schweigerblick« eine Kurzgeschichte. In den Pausen zwischen den Lesungen unterhielt die studentische Band »bitter one of noblemen« die rund 90 Zuhörer mit Folk- und Rockmusik.

Zu zweiter Lesung und gemütlichem Ausklang fanden sich am Sonntagmorgen rund 25 Gäste im »Café Giramondi« ein. Neben anderen las Moritz Rinke, der von 1989 bis 1994 in Gießen Theaterwissenschaften studiert hatte, aus seinem Band »Der Blauwal im Kirschgarten«.

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