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Frühschwimmer im Freibad Gießen: »Wir wollen aktiviert in den Tag starten«

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Von: Sophie Röder

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Früh morgens ist das Freibad in der Ringallee noch »schön leer«, findet Luritz Toplak. Und tatsächlich die vier Schwimmerinnen, die fleißig ihre Bahnen ziehen, sind in dem großen Becken kaum zu erkennen. © Sophie Mahr

Die Freibadsaison an der Ringallee hat Ende April 2022 begonnen. Dort kann täglich von 7 bis 20 Uhr geschwommen werden. Hartgesottene schwimmen morgens bei elf Grad Lufttemperatur. Was treibt sie an?

Gießen - Es ist 7 Uhr am Morgen. Der Himmel ist bewölkt. Das Wasser plätschert. Die Außentemperatur beträgt laut Wetter-App elf Grad. Die Wassertemperatur hat nach Angaben des Bademeisters immerhin 19 Grad. Manch einem wird bereits bei dem Gedanken kalt, jetzt im Freibad zu schwimmen. Doch ein Mann und eine junge Frau scheinen unerschrocken. Sie ziehen sich um, duschen sich ab und betreten die Treppe des Schwimmbeckens. Kein langes Zögern, sondern flugs hinein ins Nass - und losgeschwommen. Gegen 7.15 Uhr kommt die nächste Schwimmerin, Ann-Sofie Gimbert, hinzu - und startet mit einem Kopfsprung. Während die drei ihre Bahnen ziehen, betritt eine Krähe die Treppe zum Schwimmbecken. Doch sie überlegt es sich schnell wieder anders und fliegt davon.

Freibad in Gießen: Schwimmen bei niedrigen Temperaturen für einen kühlen Kopf

Nach rund 20 Minuten ist Gimpert mit ihrem morgendlichen Schwimmen fertig. »Ich habe mir eine Saisonkarte geholt und versuche, im Schnitt zwei Mal pro Woche zu schwimmen«, sagt die 32-Jährige. »Ich möchte fit bleiben. Doch noch wichtiger ist es mir, dass ich so vor der Arbeit bereits eine Stunde Freizeit habe und etwas für mich tun kann.« Auch die Temperatur sei heute kein Problem: »Letzte Woche war es saukalt, aber da hatte ich eine Freundin dabei, da fällt es leichter.«

Mit einer Freundin kommt auch Luisa Volk gegen 7.30 Uhr ans Becken. Seitdem das Freibad in der vergangenen Woche eröffnet hat, sind die beiden möglichst immer um 7.30 Uhr da. »Wir wollen aktiviert in den Tag starten, um den Kopf frei zubekommen«, sagt Volk. Denn die beiden lernen derzeit für ihr Staatsexamen. »Seit das Freibad geöffnet hat, sind wir jeden Tag hier«, sagt ihre Freundin. »Letzte Woche war es eiskalt. Daher ist es heute schon angenehmer.« Volk ergänzt: »Es soll ja auch zur Abhärtung dienen.« Im Vergleich zur vergangenen Woche sei es heute sogar recht voll.

Während sich die beiden umziehen, verlässt der Mann, der seit 7 Uhr da ist, das Bad. Nun ist also Frauenpower angesagt. Kurz darauf stößt eine weitere Frau zu Volk und ihrer Freundin hinzu. »Heute ist das Wasser aber warm«, sagt eine der Frauen. Die drei schwimmen in einheitlichem Tempo und teilen sich eine Bahn.

Studenten nutzen kostenloses Schwimmen im Freibad in Gießen:

Gegen 8 Uhr verlassen sie das Becken, und der nächste Schwimmer, er heißt Jan, betritt das Freibad: »Ich gehe gerne schwimmen. Es ist für mich eine persönliche Herausforderung, jeden Morgen ins kalte Wasser zu springen.« Zudem sei es ein guter Ausgleich, da er ansonsten durch Studium und Arbeit den ganzen Tag vor dem Computer sitze. »Es ist schön, sich zu bewegen.« Bis zur Eröffnung des Freibads sei der 31-Jährige regelmäßig im Hallenbad schwimmen gewesen. Doch er habe nur darauf gewartet, dass das Freibad wieder aufmache. Denn »das kostet uns Studenten nichts.«

Darüber freut sich auch die 24-Jährige Lea Steinle, die nach einer Stunde das Wasser verlässt. »Ich habe vor der Uni eine Stunde Zeit, und ich mag es zu schwimmen. Außerdem möchte ich meine Ausdauer trainieren.« Sie ist heute zum ersten Mal in dieser Saison im Freibad. Steinle möchte von nun an ein bis zwei Mal die Woche schwimmen. Von allen morgendlichen Besuchern war sie am längsten im Wasser. Ob ihr da nicht kalt ist? »Nein, ich bin allgemein kein kalter Mensch. Die Temperatur ist für mich angenehm.«

Schwimmen vor der Arbeit im Freibad in Gießen

Kurz darauf betritt Luritz Toplak das Freibad. Er gehe ein Mal die Woche vor der Arbeit schwimmen, dann für 40 bis 60 Minuten. Dabei lege er eineinhalb bis zwei Kilometer zurück. Auch seine Motivation ist es, sich zu bewegen und die Ausdauer zu stärken: »Ich möchte etwas gutes für das Herz-Kreislauf-System machen.« Um diese Uhrzeit sei es noch schön leer. Auch er sei im Winter im Hallenbad geschwommen. Doch in der Freibad-Saison schwimme er lieber draußen. Sogar bei schlechtem Wetter: »Im Wasser bin ich eh nass. Und beim Schwimmen wird mir warm.«

Info: Wassertemperatur im Freibad in der Ringallee in Gießen

Warum die Wassertemperatur in der Eröffnungswoche niedriger war, erklärt SWG-Pressesprecher Ulli Boos: »Die Wassertemperatur im Freibad ist abhängig von den Umgebungstemperaturen. Niedrige Außentemperaturen lassen das Beckenwasser abkühlen. Die Heizung konnte dies kompensieren, der Anstieg dauerte aber länger als bei milderen Außentemperaturen.« In den vergangenen Jahren sei das Freibad selten vor Anfang Mai geöffnet worden. Zudem werde zeitweise die Abwärme im Abgas des Blockheizkraftwerkes genutzt, um dem Sportbecken zusätzlich Wärme zuzuführen. Doch dies ist derzeit wegen Instandsetzungsarbeiten des BHKW nicht möglich.

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