Fröhliches Wiedersehen im Lio-Ehemaligenorchester

Eine sinfonische Besetzung von annähernd 70 Mitwirkenden, darunter Professoren und Musiklehrer, Orchestermusiker und Kulturmanager, Studenten der Musik und anderer Fachbereiche: Sie alle haben in den letzten 40 Jahren an der Liebigschule ihr Abitur abgelegt und wirkten zu ihrer Zeit im Schulorchester mit.

Aus Berlin und Osnabrück, aus Saarbrücken, Leipzig, Troisdorf, aus Köln und Mainz, Lübeck und Darmstadt, aus Hamburg und Wiesbaden und sogar aus den USA reisen sie an, um als Ehemaligenorchester der "Lio" bei dem Benefizkonzert mitzuwirken, das der Rotary Club Gießen "Altes Schloss" am Freitag, 27. Januar, um 19.30 Uhr im Stadttheater veranstaltet. Unter dem Titel "Festival der Tiere" werden Musiker der Liebigschule – von den Jüngsten bis hin zu bereits ergrauten Ehemaligen – dem Publikum "ein tierisch-musikalisches Vergnügen von Klassik bis zum Musical" bereiten, wie das Plakat der Rotarier verspricht.

So wird der Chor der Klassen 5 und 6 unter Leitung von Hermann Wilhelmi Katzenlieder wie das "Katzenduett" von Rossini und "Memory" aus dem Musical "Cats" präsentieren. Als ehemalige Liebigschüler werden die Gesangssolisten Julia Lißel, die derzeit in Düsseldorf engagiert ist und bei Hape Kerkelings neuem Musical "Kein Pardon" mitwirkt, und der Lindener Sänger Andreas Czerney teilnehmen. Lustige Variationen über die Forelle bringt ein Auswahlchor.

Als Hommage an das 175-jährige Schuljubiläum wurde ein Ehemaligenorchester zusammengestellt, das Dr. Jörg Michael Abel leitet – selbst ein "Lio-Ehemaliger". Als "tierische" Musikbeiträge spielt das Orchester die Ouvertüre zur Oper "Die diebische Elster" von Gioacchino Rossini und die "Schwanensee"-Suite von Peter Tschaikowsky. Im Mittelpunkt des Konzertes steht der "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns.

Im August hat Dr. Abel mit den Vorbereitungen begonnen, im Oktober die Stückauswahl getroffen, terminiert und die Noten verschickt. Seit Dezember wird geprobt. "Wir proben nur sieben Mal", sagt der Orchesterleiter. "Und bei keiner einzigen Probe können alle Orchestermitglieder dabei sein, nicht einmal bei der Generalprobe". So auch bei der Probe am vergangenen Samstag. Dicht drängen sich die Musiker mit ihren Instrumenten in der Aula der Liebigschule.

"Wir sind mit die Ehemaligsten", schmunzeln Klaus North und Jochen Mauderer in der Probenpause. Klaus North, der 1973 an der Liebigschule Abitur gemacht hat, ist BWL-Professor an der Fachhochschule Darmstadt und sitzt im Ehemaligenochester am Kontrabass, ebenso wie der Fernwalder Gynäkologe Michael Kirschbaum, der Musiklehrer an der Liebigschule und Leiter der LieBigBand Michael Zarniko, ebenfalls ein "Ehemaliger", und Georg Schupp, Musikstudent in Frankfurt. Die Musik zu seinem Beruf gemacht hat Jochen Mauderer, der 1976 an der Liebigschule sein Abi gemacht hat. Er ist seit 35 Jahren Klarinettist an den Städtischen Bühnen Düsseldorf. Wenn er an seine musikalischen Wurzeln im Lio-Schulorchester zurückdenkt, fällt ihm – und nicht nur ihm – zuallererst der Name des damaligen Leiters Dieter Niedecken ein. Er hat viel damit zu tun, warum Mauderer beim Ehemaligen-Orchester dabei ist: "Ich mache das deswegen so gern, weil ich ohne diesen Musiklehrer niemals Musiker geworden wäre".

Das Schulorchester der Liebigschule ist und war Sprungbrett für musikalische Karrieren, viele nehmen für das Konzert weite Reisen auf sich. So Christiane Vaida, Tochter des ehemaligen Schulleiters Walter Appenheimer, die nach ihrem Musikstudium in Frankfurt als Cellistin in Shavertown (USA) lebt. Oder Torben Klink, der nach seinem Musikstudium in Detmold und Leipzig und einem Aufbaustudium in Naturhorn und Alte Musik in Dannenberg lebt und als Hornist in Kammerorchestern nd Ensembles wie Concerto Köln, La Stagione Frankfurt oder Neue Hofkapelle München spielt. Für ihn war es selbstverständlich, die Teilnahme im Ehemaligenorchester zuzusagen. "Im Schulorchester zu spielen, das hat mir damals was gebracht – da sagt man nicht ab". Und nicht zuletzt: die Freude, alte Freunde und Bekannte wiederzusehen.

Dies war auch Motivation für zwei Profimusikerinnen, die noch nicht ganz so lange "ehemalig" sind und im Ehemaligenorchester die "erste Geige" spielen: Stephanie Heinke, Geigerin an der Staatskapelle Weimar, die 2005 ihr Lio-Abi gemacht hat, und Rebekka Hermann, geborene Blum, die 1994 Abitur gemacht hat und Geigerin am Staatstheater Wiesbaden ist.

Bei beiden spielen Geschwister im Ehemaligenorchester mit: Julia Heinke und der Oboist an den Städtischen Bühnen Osnabrück, Tobias Blum. Dies sind nicht die einzigen musikalischen Geschwister, häufig finden sich Familiennamen doppelt auf der Besetzungsliste. So ist nicht nur Sängerin Julia Lißel, sondern auch Felix Lißel mit dabei, der in Mannheim als Schlagzeuger arbeitet oder mit Anne-Kathrin, Esther und Lisa Abel gleich drei Töchter des Orchesterleiters. Ebenfalls Berufsmusiker geworden sind Peter Bönisch, Jochen Kleinschmidt und Christian Balser.

Viele studieren Musik, sind Musiklehrer oder haben Berufe im musikalischen Umfeld wie Katrin Schünemann, die beim Schott-Musikverlag in Mainz tätig ist. Die Liebe zur Musik erst geweckt hat das Schulorchester bei Christine von Foerster, die im Ehemaligenorchester 2. Violine spielt. "Ich stamme eigentlich nicht aus einer Musikerfamilie", erzählt sie.

Nach ihrem Abitur 1986 begann sie ein Musikstudium in Köln, verliebte sich in einen Musiker, mit dem sie drei Kinder bekam, brach ihr Studium ab, machte zunächst eine Ausbildung zur Musikalienhändlerin, und ist heute Kirchenmusikerin in Köln-Weiden.

Das Konzert am Freitag im Stadttheater, das unter Schirmherrschaft von Ursula Bouffier steht, wird vom Rotary Hilfsfond Gießen zugunsten der Bildungsförderung Jugendlicher im Raum Gießen präsentiert. Karten gibt es noch an der Theaterkasse, zum Preis von 20 und 30 Euro. Gabi Beutelspacher

Quelle: Gießener Allgemeine

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