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Mitglieder des Kammerorchesters und der Johanneskantorei bei ihrem Vortrag. FOTO: JOU

Feierlich und ausdrucksvoll

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Gießen(jou). Zahlreich erschienen, zeigten sich die Besucher vom Weihnachtskonzert am Samstag in der Johanneskirche tief beeindruckt und spendeten lang anhaltend Beifall. Das Programm bot ein anspruchsvolles Instrumental- und Vokalwerk von Johann Sebastian Bach und weckte festliche Vorfreude.

Beim Violinkonzert E-Dur BWV 1042 brillierte Stadttheatermusikerin Ji-Yeon Shin-Tolksdorff als Solistin. Gemeinsam mit dem Gießener Kammerorchester unter Leitung des Kantors Christoph Koerber verlieh sie der Thematik beim Allegro-Kopfsatz innere Harmonie und Zuversicht. Erfreulicherweise vermied es Koerber zu eilen, gab vielmehr ein gemäßigtes Tempo vor. Zum vorzüglichen Gesamtbild trug die feine klangliche Balance zwischen Solistin und Orchester bei.

In betörender Reinheit erstrahlten die Melodiebögen im Adagio; die dynamisch zurückhaltende Spielweise unterstrich die in die Ferne schweifende Atmosphäre. In diesseitige Dimensionen holte das Allegro-Finale zurück, bei dem Spielfreude und gestalterischer Feinsinn keine Wünsche offen ließen.

Beim "Magnificat" D-Dur als Hauptwerk spiegelte sich die künstlerische Qualität schon allein in der bis zur Chorfuge reichenden kompositorischen Vielfalt. Der lateinische Lobgesang Marias wurde eröffnet mit dem in feierlicher Stimmung dargebotenen Eingangschor "Magnificat anima mea Dominum". Eine beeindruckende Leistung zeigten nicht allein die Johanneskantorei und das Kammerorchester, sondern auch die versierten Solisten. So gelang Sopranistin Natascha Jung die Arie "Et exultavit spiritus meus" recht nuanciert. Bereichert wurde die Aufführung durch Einlagesätze wie die Arie "In Jesu Demut", bei der Altistin Julia Diefenbach, perfekt unterstützt vom Orchester, den schlichten Stil ansprechend zur Geltung brachte. Besonders zu berühren vermochte in der vielschichtigen Interpretation die Sopranarie "Quia respexit".

Doch auch die weiteren Solisten begeisterten. Bassist Christos Pelekanos gefiel in der Arie "Quia fecit mihi magna" mit seiner beweglichen, ehrfürchtigen Ausdruck verströmenden Stimme. Zur inneren Einkehr lud vor allem das beschaulich-ruhige, schattierungsreich gemeisterte Duett "Et misericordia" ein, in dem Altistin Julia Diefenbach und Tenor Christian Dietz sehr schön harmonierten.

Stimmgewaltiges Hörerlebnis

Zum Hörerlebnis geriet überdies der stimmgewaltig dargebotene Chorsatz "Fecit potentiam". Wirkungsvoll zugespitzt erschien die Dramatik bei der Tenorarie "Deposuit potentes". Den denkbar größten Kontrast dazu bildete das kammermusikalisch-intime Altsolo "Esurientes implevit bonis" mit dezenter Flötenuntermalung.

Beim Trio "Suscepit Israel" lud die zweite Sopranistin Beate Koerber die Komposition gemeinsam mit Jung und Diefenbach ausgiebig mit innigem Ausdruck auf. Durchweg bestach die deutliche Konzeption. Anschaulich zu Tage gefördert schien beim Chor "Gloria Patri" der raffinierte Aufbau mit den eröffnenden, sich steigernden Phrasen, die in einem befreiten Schluss mündeten.

Quelle: Gießener Allgemeine

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