Extrembergsteiger Thomas Huber in der Kongresshalle

»Huberbub« Thomas Huber berichtete in der Kongresshalle von extremen Bergbesteigungen in der Antarktis, in den Dolomiten und im Karakorum-Gebirge.

Thomas Huber sagt gerne Dinge wie »das wäre doch cool« und »da haben wir eine ordentliche Watschen« kassiert. Der Bayer aus dem Berchtesgadener Land ist gerade heraus und hat die Nonchalance eines Lausbuben. Ob jeder der rund 160 Besucher in der Kongresshalle am Sonntagabend dem ausgebildeten Bergführer mit der langen Mähne und der sonnengegerbten Haut sein Leben in den Bergen anvertrauen würde, kann nicht sicher gesagt werden. Denn es ist ein wenig verrückt, was der 46-jährige Speedkletterer und Vater von drei Kindern zu seinem Beruf gemacht hat und nun in der Halle präsentierte.

Sein Multimedia-Vortrag legte Zeugnis ab, wie Herausforderungen für den Älteren der als »Huberbuam« auftretenden Brüder aussehen: Senkrechte Felswände in den Dolomiten, der Antarktis und dem Karakorum-Gebirge Pakistans waren Ziele der letzten Jahre, die möglichst im Freiklettern, also ohne viele technische Hilfsmittel, erstiegen wurden und Schwierigkeitsgrade zwischen sieben und »9+« aufwiesen. Nach solchen Touren fühle man, so Huber, dass »Zeit nicht mehr relevant ist«. Man spüre ein »Vakuum der Zeit«. So war auch der Vortrag betitelt.

»Rauf, runterspringen, rüberlaufen, wieder hoch, runterspringen und rüber«, führte der Extremkletterer aus, wie er sich eine Besteigung aller Gipfel der »Drei Zinnen« in den Dolomiten an einem einzigen Tag im Jahr 2006 vorgestellt hatte. Das Ansinnen, per Basejump – einem kurzen Fallschirmflug – die Zeit für den Abstieg zu verkürzen, gelang wegen Verletzungen erst im dritten Anlauf. Dass Huber, wie er auf seiner Internetseite schreibt, ein wenig »chaotisch« erscheint, bestätigte der Bergfex durch eine Einlage, als er vor der Leinwand in fast völliger Dunkelheit mit aufgesetzter Stirnlampe für die Gießener den Moment des sich leerenden Akkus im Dolomitmassiv nachspielte. »Würde man nicht scheitern, dann würde man den Erfolg nicht merken«, resümierte Huber. »Ich habe da damals sehr unchristliche Sachen in der Wand gesagt«, versicherte er glaubhaft unter Gelächter der Zuschauer.

Es ist der unnachahmliche Esprit Hubers, der darüber hinwegtröstet, dass es für Kletterlaien gerne eine Erklärung mehr hätte sein können, oder dass manche Stelle im Vortrag ins Pathetische entglitt. Wenn etwa im Video die Familie über bayerische Wiesen spaziert, während ihn in der Antarktis bei Minusgraden die Sehnsucht plagt. Dorthin verschlug es Thomas und Alexander Huber 2008, um den Gipfel des Ulvetanna und die Westwand des Holtannna der Drygalskiberge zu erklimmen. Daneben gab es eine skurrile Bekanntschaft mit reichen Antarktis-Touristen, die den Extremkletterern einige Dosen Bier überließen. »Die müssen uns gut gekannt haben«, kommentierte Huber lakonisch.

Während in der Antarktis die Kälte dafür sorgte, dass die Huber-Brüder sogar mit dicken Stiefeln in der Steilwand klettern mussten, war es am »Nameless Tower« auf über 6000 Höhenmetern die dünne Luft, die die Besteigung im zentralasiatischen Karakorum-Gebirge im Jahr 2009 erschwerte. Aber selbst die schwierige Route »Eternal Flame« wurde als Rotpunkt-Erstbesteigung ohne Hilfsmittel im Freiklettern von den »Buam« bezwungen.

Nach rund zweieinhalb Stunden Vortrag und vielen beeindruckenden Panoramen und Videos waren es vor allem die Fotografien von den Gipfeln, mit den sich zu Füßen ausbreitenden Landschaften, die erahnen ließen, was es tatsächlich für einen Kletterer wie Thomas Huber bedeutet, wenn für einen Moment im Leben die Zeit stillsteht. one

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