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„Es ist so surreal“: Ex-Gießener wagt sich in „Höhle der Löwen“

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Von: Sophie Röder

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In der »Höhle der Löwen« präsentieren (v. l.) David Biller, Arbnor Raci, Florian Dyballs und Boas Bamberger »Aivy«. Eine spielbasierte Karriere-App mit der sie den Bewerbungsprozess optimieren wollen. © FOTO: RTL/ BERND-MICHAEL MAURER

Ein Student aus Gießen ist nach Berlin gezogen, um eine App zur Berufsfindung zu entwickeln. Zusammen mit anderen Gründern des Startups »Aivy« stellt er sie in der »Höhle der Löwen« vor.

Gießen – Sie haben einen Deal. Zumindest vor der Kamera. Gestern Abend, 16. Mai 2022, wurde die neuste Folge der elften Staffel der Vox-Sendung die »Höhle der Löwen« ausgestrahlt. Mit dabei der Pitch der vier »Aivy«-Gründer David Biller, Arbnor Raci, Florian Dyballs und Boas Bamberger. Mit ihrer App möchten sie die Berufsfindung optimieren. »Unsere Vision ist eine Arbeitswelt, in der es um den Menschen hinter dem Lebenslauf geht.« Die App haben die vier erfolgreich vor den »Löwen« Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmerl, Nils Glagau und Judith Williams präsentiert.

»Es ist so surreal, wenn man die Löwen sieht. Und es war eine mega coole Erfahrung«, sagt Arbnor Raci, Alumnus der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen. Zwei Tage nach seinem Abschluss ist er von Gießen nach Berlin gezogen, um die Vision von »Aivy« Wirklichkeit werden zu lassen. Seitdem sind drei Jahre vergangen, und es habe zwei Anläufe gebraucht, um den Pitch bei den Löwen zu ergattern.

Gießen: Deal-Vorschlag in der »Höhle der Löwen«: 450 000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile an »Aivy«

»Vor rund einem Jahr war es soweit, wir waren bei den Löwen in Köln« erzählt Raci. »Wir haben gehofft, dass wir auf Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl treffen.« Deren Expertise würde sehr gut zur App passen. »Wir wollten zusammen mit den Löwen den Vertrieb skalieren.« Auch das Geld sollte für Marketing und Vertrieb verwendet werden.

Bis zuletzt hätten sie nicht gewusst, auf welche Investoren sie im Pitch treffen würden. Sie hatten Glück. Maschmeyer und Wöhrl waren dabei. Und nicht nur das: Die Investoren sind auf das Angebot der vier eingegangen: »Wir wollten 450 000 Euro gegen zehn Prozent Firmenanteile«, sagt Raci. »Wöhrl und Maschmeyer haben je 225 000 Euro für je fünf Prozent gekauft. Mit dem Zusatz, dass die Investoren im Nachgang, wenn sie gewisse Meilensteine erreichen, beide noch einmal fünf Prozent erhalten.«

Einfach sei der Weg zu diesem Deal nicht gewesen. »In der Sendung sieht man immer nur 20 Minuten von den einzelnen Unternehmen. Doch wir waren von morgens bis abends dort, und der Pitch hat fast zwei Stunden gedauert«, sagt Raci. Dabei seien die vier intensiv befragt worden. Von Nils Glagau sei auch Kritik gekommen, dass es schon viel zur Berufsberatung gebe. Wozu also »Aivy«? Doch Biller, Raci, Dyballs und Bamberger argumentierten dagegen. Es gebe zwar viele Tests zur Berufswahl, doch keine mit validen Ergebnissen. »Wir verwenden sogar eine psychologische Eignungsdiagnostik entsprechend der Din-Norm«, erläutert Alexandra Kammer, Pressesprecherin von »Aivy«.

Gießen: »Höhle der Löwen«-Deal im Nachhinein geplatzt

Obwohl der Pitch eine Weile zurückliege, erinnere Raci sich gut daran, wie Maschmeyer sie direkt unterstützen und Kontakte herstellen wollte. Auch die Verhandlungen mit den Investoren hätten kurz nach den Dreharbeiten begonnen. »Wir hatten regelmäßig Meetings«, sagt Raci. Es sei eine gute und professionelle Zusammenarbeit gewesen, doch der Deal sei nicht zustande gekommen. »Es hat nicht gepasst«, sagt Kammer. »Und bei »Aivy« geht es um Passung. Wenn es nicht passt, sollte man es lassen.« Raci ergänzt: »Aus den Meilensteinen wurden Stolpersteine.«

Doch der geplatzte Deal sei kein Rückschlag gewesen. »Wir sind optimistisch. Es geht uns gut, und wir wachsen«, sagt Kammer. So umfasse das Team von »Aivy« inzwischen knapp zehn Mitarbeiter. »Wir arbeiten interdisziplinär und bilden auch in unserem Team verschiedene Bildungshintergründe ab.«

»Höhle der Löwen«: Ex-Gießener möchte mit »Aivy«-App Bewerbungsverfahren verbessern

Denn das, was »Aivy« bei anderen Unternehmen schaffen will, dass die individuelle Stärke des Einzelnen im Fokus liege, möchten sie in ihrem Team widerspiegeln und für die Entwicklung von »Aivy« nutzen. Zudem agiere das Startup nicht mehr nur im »B to C«-, sondern auch im »B to B«-Bereich. »Wir wollen der Standard neben dem Lebenslauf werden. Dass es normal wird, unser Stärkenprofil in die Bewerbungsmappe zu legen. Und, dass es für Unternehmen normal wird, auf die Stärken der Bewerber zu gucken«, sagt Kammer.

Das Stärkenprofil können Bewerber seit Mitte März wieder über die »Aivy«-App erstellen. Zwischendurch sei diese nicht verfügbar gewesen, da sich das Team zunächst damit beschäftigt habe, in Zusammenarbeit mit Unternehmen die Bewerberverfahren zu optimieren. Raci ergänzt: »In der Entwicklung sind wir gut aufgestellt. Jetzt geht es darum, dass man uns kennenlernt.« Daher habe sich das Team auch ohne Deal über die Ausstrahlung ihres Pitches gefreut. Auch sie haben ihren Auftritt gestern Abend zum ersten Mal gemeinsam in Berlin gesehen. In der Großstadt fühle sich der gebürtige Niddaer inzwischen wohl, doch sei es auch schön, immer mal wieder in Gießen zu sein.

So funktioniert die »Aivy«-App

Nutzer der kostenlosen App »Aivy« können verschiedene Mini-Spiele spielen, um auf diese Weise herauszufinden, was ihre Stärken sind. Am Ende erstellt die App ein »Stärkenprofil« welches als Dokument gespeichert und der Bewerbungsmappe hinzugefügt werden kann. Zudem wird einem in der App angezeigt, welche Unternehmen sich für dieses Profil interessieren könnten.

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