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»Eine enttäuschende Zahl«

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Von: Christian Schneebeck

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Im Kleinen wird das große Ganze oft am besten sichtbar. Die Kleine, das ist in diesem Fall die TSG Wieseck. Und das große Ganze ist das passive Verhalten vieler Mitglieder von Sportvereinen, das Uwe Blecker, der Vorsitzende Verwaltung, bei der Jahreshauptversammlung der TSG am Samstagabend kritisierte. »Vereinsgedanke und Tradition sind nicht mehr angesagt«, beklagte er in seiner Rede. »Dabei sollten viele Leute mal nachdenken, was passiert, wenn man Sport nur noch konsumiert.«

Im Kleinen wird das große Ganze oft am besten sichtbar. Die Kleine, das ist in diesem Fall die TSG Wieseck. Und das große Ganze ist das passive Verhalten vieler Mitglieder von Sportvereinen, das Uwe Blecker, der Vorsitzende Verwaltung, bei der Jahreshauptversammlung der TSG am Samstagabend kritisierte. »Vereinsgedanke und Tradition sind nicht mehr angesagt«, beklagte er in seiner Rede. »Dabei sollten viele Leute mal nachdenken, was passiert, wenn man Sport nur noch konsumiert.«

Hintergrund seiner Enttäuschung sind zwei Spendenaufrufe, die die TSG an ihre Mitglieder verschickt hatte. Nachdem für die Sportheim-Gaststätte fast zwei Jahre kein Pachtzins an den Verein geflossen war, klaffte eine Lücke von 25 000 Euro im Budget, wie Blecker im Herbst 2017 bekannt gegeben hatte. Um sie zu schließen, haben bisher 140 TSGler insgesamt 14 020 Euro gespendet; 23 haben ihre Schatulle gar zweimal geöffnet. Trotz aller Freude über diese Unterstützung: Bei etwa 1200 Mitgliedern sei dies »eine letztendlich enttäuschende Zahl« – und der Fehlbetrag folglich noch immer nicht ganz ausgeglichen, sagte der Vorsitzende.

Parallel dazu belaste weiterhin die »überalterte« Infrastruktur den Club. Weil es sich dabei meist um Eigentum der TSG handele, müssten Reparaturen und Sanierungen aus Vereinsmitteln finanziert werden, erklärte Blecker. Entsprechende Rücklagen könnten wiederum erst gebildet werden, »wenn die Verbindlichkeiten aus der Vergangenheit getilgt sind«. Und schließlich fehle auch von anderer Seite die nötige Hilfe, damit die TSG ihre »riesengroße sozialpolitische Aufgabe« erfüllen könne. Konkret wünschte sich Blecker mehr Unterstützung vom Sportamt, zum Beispiel bei den Nutzungszeiten für die städtische Sporthalle auf dem TSG-Gelände.

Ähnlich äußerte sich Elmar Knappik, der Vorstand Sport. Besonders die Leistungssportler aus Leichtathletik und Fußball sähen sich mit teils »katastrophalen Trainingsbedingungen« konfrontiert. Hier könne man zwar theoretisch Kosten sparen, indem man den Leistungssport reduziere. Aber: »Das Image des Vereins würde darunter leiden.« Ein anderer Kostenfaktor sei der Schulsport. Während die Stadt ihre Zuschüsse zu Betriebskosten stetig kürze, erhalte die TSG für die Nutzung ihrer Anlagen durch Schulen gar keinen Ausgleich. Dabei passiere es immer häufiger, dass Geräte von Schülern beschädigt würden. »Wir können es uns nicht leisten, dass die Schäden auf der Anlage immer größer werden«, sagte Knappik. Notfalls müsse der Verein »die Anlage für Schulen komplett sperren, wenn das so weitergeht«.

Die Berichte aus den fünf Abteilungen brachten dann auch positive Nachrichten. So bilanzierte Nicola Sucke für die Leichtathleten »ein gutes Jahr«, in dem Lara Mattheiß und Julius Franzen mit ihren Leistungen hervorstachen. Zudem feiert die Abteilung im September ihr 50-jähriges Bestehen. Den Fußballern bescherten die Entwicklungen rund um den VfB 1900 laut Deniz Solmaz einen starken Zulauf – vor allem im Jugendbereich. In eben diesem sei die TSG weiter »der erfolgreichste Amateurverein in Hessen«, freute sich der Abteilungsleiter.

Zu Beginn der Versammlung hatte Knappik langjährige Mitglieder geehrt. Die silberne Ehrennadel für 25 Jahre im Verein ging an Hans-Johannes Biermann, die goldene Ehrennadel für 40 Jahre erhielt Gerald Czerney und für 50 Jahre wurden Kurt Jochim, Britta Jöckel, Dieter Jung, Reinhold Pleil und Ute Schäfer zu Ehrenmitgliedern ernannt. Auszeichnungen für 60 Jahre Mitgliedschaft bekamen Günther Abel, Ottwin Dormehl, Christa Köhler, Rudolf Reuter und Gerd Weniger.

Schon 70 Jahre hält Willi Seibert seinem Club die Treue, in dem er unter anderem 32 Jahre in der Mitgliederverwaltung sowie 17 Jahre als zweiter Rechner engagiert war.

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