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Diese Gefahren fürchten Radler in Gießen besonders häufig

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Von: Burkhard Möller

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Auf eine beachtliche Resonanz ist eine Befragung zu mehr Sicherheit im Radverkehr gestoßen. Zugeparkte Radwege und der Überholabstand sind bestimmende Themen.

Gießen – Das Gespräch auf der Straße endete nicht freundlich. »Du dumme Kuh, wo soll ich denn sonst halten?«, soll ein Mitarbeiter der Stadtwerke Gießen im Mai einer Radlerin an der Licher Gabel zugerufen haben. Die Frau hatte den Autofahrer nach eigenen Angaben darauf hingewiesen, dass er verbotswidrig auf dem Radstreifen vor der großen Kreuzung mit der Grünberger Straße und der Moltkestraße steht und ihr den Weg nach vorne zu der Aufstellfläche für die Radfahrer versperrt.

Nachzulesen ist der Vorfall auf der städtischen Beteiligungsplattform GießenDirekt. Dort war im Frühsommer vor dem Hintergrund der Verschärfung des Bußgeldkatalogs über mehrere Wochen eine Online-Befragung zur Sicherheit im Radverkehr durchgeführt worden. Die Resonanz war mit fast 250 Meldungen und über 100 Kommentaren ungewöhnlich groß. Die Stadt wollte mit der Aktion herausfinden, wo Radwege häufig zugeparkt werden und auf welchen Straßen sich Radfahrer besonders unsicher fühlen, weil der innerstädtische Überholabstand von mindestens 1,50 Meter nicht eingehalten wird. Denn nur wenn man sich im Straßenverkehr sicher fühle, »werden mehr Menschen aufs Rad umsteigen«, hieß es im Beteiligungsaufruf der Stadt.

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1,50 Meter beträgt der vorgeschriebene Überholabstand in der Stadt. © Oliver Schepp

Fahrradfahren in Gießen: Anlagenring nicht im Fokus

Die Hinweise reichten dabei von Falschparkern, die auf frischer Tat ertappt wurden, über eine vermeintlich mangelhafte Verkehrsführung, die insbesondere Radler gefährde, über zu schmale Radwege, schlechte Straßenzustände und lange Wartezeiten an Ampeln bis zu unbeleuchteten Radfahrern.

In den Rückmeldungen und Kommentaren zum Thema Überholabstand wurden fast alle innerstädtischen Hauptverkehrsadern genannt, der Anlagenring kam eher selten vor. Ludwigstraße, Bahnhofstraße, die Bismarckstraße, Neuen Bäue werden häufiger genannt. Wenig Rücksicht übten die Busfahrer, die Radfahrer sehr knapp und »ohne Rücksicht auf Verluste« überholten, schrieb einer.

Gießen: Über 100 Kommentare bei Befragung zu Sicherheit im Verkehr

Von den über 100 Kommentaren, die es zu den Schilderungen der Verkehrsteilnehmer gab, entfielen viele auf einen standardisierten Hinweis von anderen Nutzern. Im Zusammenhang mit zugeparkten Radstreifen und Gewegen verwiesen sie auf eine Internetseite (https://www.weg.li/), auf der Handyfotos von Parksündern hochgeladen und dem Gießener Ordnungsamt gemeldet werden können (die GAZ berichtete).

Ein neuralgischer Punkt ist der Befragung zufolge die Rodheimer Straße. Der Radweg dort sei nicht nur zu schmal, sondern verlaufe auch in weiten Teilen auf dem Gehweg, was zu Konflikten zwischen Radlern und Fußgängern führe. Unsicherheit geht auch vom schlechten Straßenzustand aus. Genannt wird die Rödgener Straße (»absolute Katastrophe«), die allerdings bald grundlegend saniert werden soll. Ein weiterer Nutzer verweist darauf, dass mehrfach Radwege »im Nichts« enden. So würden Radfahrer, die auf dem Leihgesterner Weg stadteinwärts fahren, genötigt, sich kurz nach dem Fraunhofer-Institut in den Autoverkehr einzufädeln.

Gießen: Kritik an Fahrradstraßen

Kritik gibt es auch für bereits vorhandene Fahrradstraßen: Die Goethestraße verdiene die Bezeichnung nicht, lediglich Pkw-Anliegerverkehr sollte zugelassen werden, schrieb ein Nutzer. Darüber hinaus werde in der Straße »oft wild geparkt und überholt, obwohl dort wirklich kein ausreichender Platz für solche Manöver besteht«. Auch die sogenannten Elterntaxen, die häufig frühmorgens auf Radwegen wie dem in der Sudetenlandstraße parkten, finden Erwähnung.

Die Ämter wollen die Befragung auswerten, um unter anderem Hinweise auf die Einrichtung von Kontrollpunkten zu erhalten. Auch kleinere Maßnahmen könnten Verbesserungen für den Radverkehr bringen. »Doch gerade vermeintliche Kleinigkeiten entpuppen sich mitunter als aufwendiger als erahnt. Wir werden die Vorschläge deshalb einzeln bewerten«, erklärte die Stadt. (Burkhard Möller)

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