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Die Doktoren der Teddyklinik

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Von: Sophie Röder

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Die Medizinstudenten Nina Thon und Lars Brand helfen bei der Organisation der Teddyklinik. Im Gespräch geben sie Einblick in ihr Ehrenamt und wie sie damit angefangen haben. FOTO: SCHEPP © Oliver Schepp

Im Sommer findet zum 13. Mal in Gießen die Teddyklinik statt. Zwei Medizinstudenten erzählen, warum sie »Teddydocs« geworden sind und was es 2022 Neues gibt.

Ende Juni ist es wieder soweit: Vor dem Zeughaus öffnet die Teddyklinik ihre Pforten. Damit alle Kuscheltiere medizinisch versorgt werden können, haben die Medizinstudenten der Uni Gießen kürzlich einen Spendenaufruf für Verbandsmaterial gestartet. »Das war ein großer Erfolg«, sagt Medizinstudent Lars Brand. Grob gerundet seien 65 Verbandskästen sowie doppelt so viele Tüten mit verschiedensten Materialien abgegeben worden. »Das reicht für die nächsten ein bis zwei Jahre«, schätzt Brand. Manche seien kreativ gewesen und hätten alte Sauerstoffmasken und anderes abgegeben, was gut fürs Ambiente der Klinik genutzt werden könne.

Brand ist mit Nina Thon und circa zehn Kommilitonen im Organisations-Team der Teddyklinik. Sie soll Kindern spielerisch Angst vor Ärzten, Krankenhäusern und medizinischen Behandlungen nehmen. »Ich fand Krankenhäuser als Kind abschreckend«, sagt Brand. »Mir wurde dort mulmig. Dabei sollte es ein Ort sein, an dem Kinder genesen können.« Damit dies gelinge, müsse man den Kindern die Ängste nehmen. »Dafür ist die Teddyklinik eine wichtige Aktion«, sagt Brand.

Briefe an die Teddydocs

Der Medizinstudent ist seit einem Jahr bei den Teddydocs. Interesse für das Ehrenamt habe er schon vorher gehabt. »In meinem Freundeskreis waren einige in der Teddyklinik aktiv, doch mein Studienplan war in den ersten zwei Jahren so gefüllt, dass ich erst später dazugestoßen bin.« Seit ihrem ersten Semester dabei ist Nina Thon. »Ich wollte Leute kennenlernen und etwas machen, das zum Studium passt.« Die Teddyklinik habe ihr von Anfang an gefallen. Sie ist bis heute - sieben Semester später - aktiv.

Die Teddyklinik habe neben ihrer Funktion, den Kindern Ängste zu nehmen, auch einen positiven Effekt für die Medizinstudierenden. »Wir können den Umgang mit kleinen Patienten üben, denn man muss mit ihnen anders interagieren. Doch der Umgang mit den Kleinen kommt im Studium eher zu kurz«, sagt Thon. An ihr Debüt hat sie gute Erinnerungen. »Ich weiß noch, wie toll es war, sich mit den Kindern zu unterhalten. Sie haben viele Nachfragen gestellt und verstehen mehr als man denkt.« Besonders gut gefallen habe den Kindern, wenn eine Murmel aus dem Bauch des Kuscheltiers herausoperiert worden sei. »Sie waren ganz glücklich und verblüfft, wie wir das gemacht haben.«

Um den Kindern in Pandemiezeiten die Ängste zu nehmen, hatten sich die Medizinstudenten für diese Zeit etwas einfallen lassen. Thon sagt: »Die Kinder konnten uns Briefe mit ihren Fragen schreiben oder Bilder malen mit den Dingen, die sie beschäftigt haben. Die haben wir dann beantwortet.«

Zudem haben sie ein »Teddyklinik-Spiel« für die Kindergärten entworfen. »Wir haben Pakete für Kindergärten gepackt und den Erziehern erklärt, wie das Spiel funktioniert«, sagt Brand. So habe man den Kindern abgespeckt medizinischen Input geben können. »Die Rückmeldungen waren positiv. Doch für die Kinder ist es eine ganz andere Erfahrung, wenn sie wirklich in die Teddyklinik kommen.« In diesem Jahr hat die Klinik sogar an drei Tagen geöffnet, denn die Organisatoren rechnen mit so vielen Kuscheltierpatienten wie nie.

Über 150 Studenten machen mit

Neben den Mitgliedern des Organisations-Teams werden rund 150 Medizinstudenten der JLU vom 28. bis 30. Juni Teddys und andere Tiere untersuchen. »Neu ist auch, dass neben den Kindergartenkindern rund 30 Kinder aus der EAEH kommen werden. Wir freuen uns sehr, dass das möglich ist«, sagt Thon.

Doch bis es soweit ist, haben die Teddydocs noch viel zu tun: Während Brand und andere Helfer Termine in den Kitas wahrnehmen, um die Kinder auf den Besuch vorzubereiten, ist Thon auf der Suche nach Sponsoren. Denn für die Klinik werden nicht nur Verbandsmaterialien benötigt, sondern auch Geld, um zum Beispiel die Zelte zu finanzieren und einen Rettungswagen zu mieten, den die Kinder bei bei ihrem Besuch besichtigen dürfen.

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