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Was von der Bombe übrig blieb

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Gießen (chh). Es ist kurz vor Mitternacht. Die Feuerwehrleute stapfen durch den Matsch. Ihre Taschenlampen durchdringen die Dunkelheit. Dann landet ein Lichtstrahl auf dem Gesicht eines bärtigen Mannes. Es ist René Bennert. "Da drüben ist der Krater", sagt der Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienst und zeigt auf ein mit Wasser gefülltes Loch. Bennert und sein Kollege vom RP Darmstadt haben vor einigen Minuten die 250 Kilogramm schwere Bombe gesprengt, die am Morgen auf dem AAFES-Gelände im Gießener Osten entdeckt worden war. Einem Reporter, der mit Sandalen unterwegs ist, rät Bennert zu vorsichtigen Schritten. "Hier liegen überall scharfe Bombensplitter herum."

Die beiden Bomben, neben dem 250-Kilogramm-Koloss der Wehrmacht war bei der Bodenuntersuchung auch ein 50 Kilogramm schweres Exemplar der Amerikaner gefunden worden, hatten am Montag für große Aufregung rund um das ehemalige US-Depot gesorgt. Im Radius von einem Kilometer um die Fundstelle mussten 2500 Menschen evakuiert werden, Straßen wurden gesperrt, auch die Autobahn war betroffen.

Eine, die am frühen Abend ihr Haus verlassen musste, war Sonja Schwaeppe. "Ich war noch auf der Arbeit, als ich von einer Nachbarin die Nachricht erhielt, dass bei uns Bomben gefunden worden sind." Zu Hause habe sie sich dann im Internet auf dem Laufenden gehalten, schlussendlich sei die Polizei gekommen und hätte die Menschen gebeten, sich in Richtung Albert-Schweizer-Schule zur Notunterkunft zu begeben. "Mein Mann und ich haben dann ein paar Sachen gepackt und sind mit unserem Sohn Emil losgelaufen", erzählt Schwaeppe. Ihre anderen beiden Söhne seien zu diesem Zeitpunkt bereits anderweitig untergebracht gewesen.

"Die Stimmung in der Turnhalle war entspannt", sagt die Gießenerin und macht dafür vor allem die hohen Temperaturen verantwortlich. Die Erwachsenen hätten draußen in der Abendsonne gesessen, die Kinder seien mit Fußballspielen beschäftigt gewesen. "Mein Sohn hat zudem Freunde aus dem Kindergarten getroffen. Abends gab es auch etwas zu essen." Trotzdem verließ die Familie gegen 22 Uhr die Turnhalle und steuerte Freunde im Eichendorffring an. "Den lauten Knall haben wir natürlich gehört."

Schwaeppe hat also keine größeren Probleme im Zuge der Evakuierung erlebt. Und auch die Polizei ist mit dem Verlauf des Abends zufrieden. "Die Behörden haben gut zusammengearbeitet, das Vorgehen war sehr koordiniert", lobte Polizeisprecher Jörg Reinemer am nächsten Morgen. Lediglich einen Zwischenfall hätte es bei der Evakuierung gegeben. Demnach meldete sich eine Frau aus der Marshallsiedlung gegen 22.45 Uhr bei der Polizei. Sie sei noch in ihrer Wohnung und müsse abgeholt werden. Offenbar hatte sie von der großangelegten und auf allen Kanälen angekündigten Räumung nichts mitbekommen.

Eine halbe Stunde später waren die beiden Bomben bereits unschädlich gemacht. Bennert konnte den Nachhauseweg antreten. Gut möglich, dass der Bombenentschärfer schon bald wieder in der Stadt weilt. Bevor er in den Wagen stieg, sagte er noch: "Das war bestimmt nicht die letzte Bombe hier oben."

Quelle: Gießener Allgemeine

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