Tim Bergmann serviert Lügen zum Dinner

Tim Bergmann – den Namen des Schauspielers kennt sicher nicht jeder. Und dabei ist der »Wer Wind sät«-Star im Fernsehen regelmäßig zu sehen. Spätestens nach dem Eröffnungsabend des Krimifestivals steht fest: Den Mann sollte man sich definitiv merken.

Wen hat Krimifestival-Organisator Uwe Lischper nicht schon alles als prominent-illustre Vorleser für die Eröffnungslesung in der Sparkasse nach Gießen holen können: Armin Rohde, Andrea Sawatzki, Uwe Ochsenknecht – die Liste ist lang. Nun also Tim Bergmann. »Tim wer?«, mag sich der ein oder andere da im Vorfeld gefragt haben, um dann beim Blick in das Programmheft aufzumerken: »Ach der ist das!«.

»Ich bin weder ein Schauspieler, der über Nacht zum Star wurde, noch mache ich einen PR-Rummel um meine Person, sondern gehe kontinuierlich meinen Weg«, hat sich der attraktive 1,90-Meter-Mann einmal selbst treffend beschrieben. Auch im obligatorischen »Verhör« durch Peter Wolf und Ilona Roth vom Sparkassenvorstand vor der Lesung, die wegen Umbauarbeiten in der Sparkassenzentrale in die Tanzschule Astaire’s verlegt worden war, kommt Bergmann sympathisch und bodenständig herüber. Dass er schon längst zur ersten Riege der deutschen Fernsehschauspieler gehört – damit braucht er nicht hausieren zu gehen.

»Ich freue mich, dass das funktioniert mit den unterschiedlichen Genres«, berichtet der Wahl-Münchener, der schon früh beschlossen hatte, nicht fest in ein Theaterensemble zu wechseln oder sich auf einen bestimmten Rollentyp festlegen zu lassen. Er plaudert über seine »menschlich enttäuschende Begegnung« mit Hollywood-Legende Anthony Quinn, seinen Kindheitswunsch, einmal Schauspieler zu werden, und die Probleme, als gut aussehender Mime ernsthaft Talent zugesprochen zu bekommen. Dass »Deutschlands schönster TV-Mann«, so titelte einst die »Bild«-Zeitung, aber eben jene Gabe hat, ist unbestritten. Bergmann will seine Figuren »wahrhaftig verkörpern«. Am Ende gehe es für einen Schauspieler, ob auf der Bühne oder vor der Filmkamera, schließlich immer nur darum, »einen Menschen möglichst wahrhaftig darzustellen.«

Auch als Vorleser ist Bergmann eine Entdeckung. »Die Lügen der Anderen« heißt der Thriller des britischen Autors Mark Billingham, dem er an diesem Krimiabend seine Stimme leiht. Billingham lässt drei Paare im scheinbar unbeschwerten Florida-Urlaub Schreckliches erleben. Kurz vor der gemeinsamen Abreise verschwindet ein Mädchen aus dem Hotel, wird ermordet. Wieder daheim in England, treffen sich die drei Pärchen zum Dinner. Dabei wird schnell klar, dass jeder etwas verheimlicht. Wer der wahre Täter ist, stellt sich erst am Ende heraus.

Bergmann verleiht den Figuren mit feinen Nuancierungen in der Stimme Charakter. Er meistert die rasanten Dialoge mit traumwandlerischer Sicherheit und schlüpft in den Passagen, in denen der noch unbekannte Mörder in Ich-Form erzählt, so überzeugend in die Figur, dass die Zuhörer wie gebannt lauschen. Tim Bergmann – den Namen werden sie jetzt immer mit diesem hochspannenden Abend in Verbindung bringen. gl

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