»In B-Dur hofft man noch«

  • Manfred Merz
    vonManfred Merz
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Musikphilosoph Stefan Mickisch greift erneut im Stadttheater in die Tasten. Der Opernführer aus der Oberpfalz erklärt mit einem Augenzwinkern Tonarten und Sternzeichen.

Wie klingt ein Sternzeichen? Nach Moll? Nach Dur? Ist es laut oder leise? Womöglich kommt es auf den Aszendenten an. Oder auf die Launen von Mutter Natur. Wenn es einer weiß, dann Stefan Mickisch. Der Opernführer aus der Oberpfalz hat es diesmal im Stadttheater nicht auf ein Mammutwerk des Musiktheaters abgesehen, sondern auf Tonarten und Sternzeichen. Der Pianist dringt dabei in klangkosmische Welten vor, die sich dem Laien nur erschließen, wenn er eine musikalische Grundausbildung mitbringt und den Quintenzirkel im Kopf hat. Wenn er die parallele Tonart zum Beispiel von C-Dur als a-Moll kennt. Es erweist sich also als Vorteil, wenn der Laie gar kein Laie mehr ist. Das mag ein Grund dafür sein, weshalb sich das Große Haus am Samstag beim Mickisch-Gastspiel nur zur Hälfte füllt.

Dem Forscher, Denker, Pianisten und Humoristen liegt die Materie am Herzen. Seine selbstironischen Expertisen verfügen über Tiefgang und Komplexität. Im Januar noch lüftete der Wagner-Kenner im Stadttheater die Geheimnisse um die Oper »Ariadne auf Naxos« von Strauss. Am Samstag beginnt er mit dem Anfang – das soll Karl Valentin gesagt haben, den Mickisch schätzt. Weniger schätzt der Musikphilosoph den verstorbenen Bayreuther Festspielleiter Wolfgang Wagner. »Der inszenierte in seinen Opern nur die Worte, weil er halt nix hörte«, und laut Mickisch Dur von Moll nicht unterscheiden konnte. Was schlecht sei, wenn man den dramatischen Duktus einer Oper verstehen wolle.

Beim »Tonarten und Sternzeichen«-Abend spielt die Zahl Zwölf eine zentrale Rolle. Es gibt zwölf Töne und damit zwölf Dur- und zwölf Moll-Tonarten, es existieren zwölf Tierkreiszeichen und das Jahr umfasst zwölf Monate. Das passt zusammen. Am Samstag nimmt sich Mickisch nur sechs Dur-Tonarten und ihre Moll-Parallelen sowie die damit korrelierenden Sternzeichen vor. Für das Dutzend reicht die Zeit nicht. »Die andern sechs machen wir dann beim nächsten Mal«, sagt der Künstler, was vermuten lässt, dass der Termin schon gebucht ist.

Es geht ihm ums Immaterielle. Um die Liebe. Den Tod. Die Hoffnung. Mickisch deutet in musikalischer, dichterischer und zwischenmenschlicher Beziehung am Flügel Werke unter anderem von Bach, Beethoven, Rachmaninow und natürlich von Wagner und Strauss. Er setzt die Klänge ins Verhältnis zum Sternenhimmel und zur menschlichen Gefühlswelt. Zum Sternzeichen Wassermann gehören Mickischs Worten zufolge B-Dur und g-Moll. B-Dur bezeichnet er als die Tonart der Hoffnung. Der Pianist zelebriert kurz den Hochzeitsmarsch von Wagner. »Da hofft man noch«, betont er, während die parallele Tonart, g-Moll, »die Abschattung der Hoffnung« darstellt, also eine gewisse Hoffnungslosigkeit. Ob Scheidungen zwingend in g-Moll vorgenommen werden müssen, bleibt ungeklärt.

Noch ein Beispiel: Der Widder ist hell, ein Sonnenzeichen, damit harmoniert C-Dur, die strahlendste aller Tonarten. Der Analyst spielt das »Siegfried«-Finale, fegt über die Tastatur und raunt, »meine linke Hand ist besser als die rechte«. Sein Eigenlob stinkt nicht, es wirkt vergnügt und spitzbübisch. Beim Rachmaninow bollert der Steinway hörbar und Mickisch konstatiert mit einem Augenzwinkern: »Wenn ich den Rachmaninow sechs, sieben Monate übe, klappt es besser.« Am Ende des Abends gibt es tosenden Applaus und in den vorderen Reihen Standing Ovations, aber keine Zugabe vom gesundheitlich leicht angeschlagenen Meister.

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