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Das Werk von Bärbel Kraft zeigt ein Motiv aus Gießen.

Auszeit vom Alltag

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Gießen (dkl). So viele Gäste hatten die Verantwortlichen der Volkshochschule dann doch nicht erwartet. Der Veranstaltungsraum in der Fröbelstraße war proppenvoll. Zahlreiche Teilnehmer von Malkursen bei Günther Hermann waren gekommen, natürlich mit Freunden und Verwandten. Volkshochschulleiterin Waltraud Burger begrüßte die Gäste und übergab schnell das Wort an Günther Hermann, der seit fast vier Jahrzehnten die Malkurse leitet. "Keiner kann diese Jahre und die entstandenen Arbeiten besser würdigen als er", sagte Burger.

Hermann kam als 19-Jähriger zur Malerei, durch ein Buch über Dali und eines mit Anleitungen zum Malen. Er besuchte selbst Kurse an der Volkshochschule Gießen, die unter Leitung von Gerhard Sturm standen. 1978 wurde Hermann zum Studium an der Städelschule aufgenommen, war jedoch enttäuscht, dass die meisten Mitstudenten der damals angesagten Abstraktion folgten. Erst 1982 entdeckte er auf der Documenta die spanischen Realisten und wusste nun, dass er nicht allein war mit seiner Malweise.

1981 ging sein einstiger Mallehrer Sturm dank eines Stipendiums für ein halbes Jahr nach Paris und bat Hermann, seinen VHS-Kurs zu übernehmen. "Von selbst wäre ich damals nicht auf die Idee gekommen, zu unterrichten", sagt er schmunzelnd. Es lief gut. Und als Sturm nach seiner Rückkehr einen größeren Auftrag erhielt und keine Kurse mehr geben konnte, stieg Hermann vollends ein. Dass daraus vier Jahrzehnte werden sollten, das ahnte niemand.

Günther Hermanns Spezialität ist der mehrschichtige Farbdruck, doch Druckgrafik ist insgesamt kaum noch nachgefragt, bedauert er, weder auf dem Kunstmarkt noch in Kursen. Aber Hermann ist unverdrossen und bietet es weiter an, er hält seine Kurse offen für verschiedene Techniken. So können die Teilnehmer alles mal ausprobieren.

"Für die meisten sind die wöchentlichen zwei Stunden Malkurs einfach eine Auszeit vom Alltag", so seine Beobachtung, "hier entdecken sie ihre schöpferische Kraft". Er sieht seine wesentliche Aufgabe darin, die Motivation in Gang zu setzen und während des Entstehungsprozesses beratend zur Seite zu stehen. Das gilt auch für die Erfahrenen und Könner unter ihnen.

Auf den Fluren und im Veranstaltungsraum sind Werke von 42 Kunstschaffenden gehängt, jeweils zwei bis drei, bei den kleinen Radierungen auch mehrere. Die meisten Bilder gehören zum heimischen Wohnambiente, einige sind aber auch zu verkaufen. Die meisten sind Landschaften, heimische und aus aller Welt. Auffällig sind die vielen Seestücke. "Da hat wohl meine neu entdeckte Leidenschaft für Gewässer so manchen inspiriert", schmunzelt Hermann.

Einige Freizeitmaler haben das Kopieren alter Meister entdeckt und es zu staunenswerter Perfektion gebracht, allen voran Norbert Kissel, der eine verblüffend echte Mona Lisa präsentiert. Es gibt auch kleine Stadtansichten von Gießen bei den Radierungen. Natürlich sind die allseits bekannten Liebe- und Luxor-Schriftzüge darunter.

Die Ausstellung kann trotz der Herbstferien bis zum 10. Oktober in der Fröbelstraße 65 besucht werden: montags und dienstags 13 bis 16 Uhr, donnerstags 13 bis 18 Uhr. Und nach Vereinbarung unter Telefon 06 41/306-14 72.

Quelle: Gießener Allgemeine

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