Angeklagter psychisch krank

  • vonConstantin Hoppe
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Gießen(con). Ein Mann aus Eritrea hat dreimal ohne Grund Personen im Gießener Stadtgebiet angegriffen: Zuerst attackierte er im Oktober 2019 einen Studenten in der Buslinie 1; danach bewarf er im Juni dieses Jahres in der Nähe des Kugelbergs eine 17-Jährige mit Steinen; und eine Woche später griff er eine Frau an der Südanlage an, würgte sie und schob sie auf die Straße vor ein herannahendes Auto - glücklicherweise konnte dessen Fahrer noch rechtzeitig reagieren und ausweichen.

Bei allen drei Taten war der Eritreer aufgrund einer paranoid-schizophrenen Persönlichkeitsstörung schuldunfähig - deshalb geht es beim derzeitigen Verfahren vor der 7. Strafkammer des Gießener Landgerichts um eine Sicherheitsverwahrung für den 25-Jährigen. Der Beschuldigte selbst sagt, die Jungfrau Maria - für ihn ist sie für alles Schlechte, das ihm passiert, verantwortlich - und der Teufel hätten bei den Taten seinen Körper kontrolliert. Aufgrund der Täterbeschreibung sowie von den Geschädigten angefertigten Fotos, konnte die Polizei den Beschuldigten letztlich festnehmen. Seitdem befindet er sich in der Vitos-Klinik in Haina.

28-jährige Frau hat Angstzustände

Am Dienstag sagten nun beide Frauen, die er im Juni angegriffen hatte, vor Gericht aus. Sie bestätigten die Tat-Abläufe - doch während die 17-jährige Buseckerin, die nahe der Bushaltestelle "An der Volkshalle" mit Steinen beworfen wurde, den Angriff gut verkraftet hat, litt die 28-jährige Gießenerin, die er an der Südanlage attackierte, länger an den Folgen: "Ich hatte Angstzustände, wenn mir zu viele Menschen begegnet sind, und musste dann wieder nach Hause - ich hatte das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren", gab die 28-Jährige als Zeugin an. Zu schwereren Verletzungen kam es bei beiden Vorfällen glücklicherweise nicht.

Zudem kam eine ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin zu Wort, die den 25-jährigen Angeklagten schon länger begleitet.

Auch während des zweiten Verhandlungstages scheint es so, dass der 25-Jährige dem Verlauf des Gerichtsprozesses nicht vollständig folgen kann. Immer wieder schaut er hoch zur Decke, und es wirkt so, als ob er dort etwas sieht, dass die anderen Personen im Saal nicht wahrnehmen können.

2015 kam der heute 25-Jährige aus Eritrea nach Deutschland, um dem Militärdienst in seiner Heimat zu entgehen. Doch in Deutschland kam er nie wirklich an: "Ihm fiel das Erlernen der deutschen Sprache sehr schwer", berichtete die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin, die viel Zeit mit dem Beschuldigten verbracht hat. Kaum soziale Kontakte, das Nicht-Beherrschen der Sprache, dazu Aberglaube und seine Krankheit sorgten dafür, dass er hier kaum eine Chance zur Integration hatte. "Vermutlich hat sein Erkrankungsverlauf bereits kurz nach der Ankunft in Deutschland begonnen", meinte auch Gutachter Dr. Tobias Krusche. 2019 kam der Beschuldigte aus Halle nach Gießen, kurz darauf wurde er erstmals psychisch auffällig, und es folgte im September der erste Aufenthalt in einer Psychiatrie. Doch fehlende Einsicht in seine Erkrankung und eine Ablehnung der Medikamente machten eine dauerhafte Behandlung des 25-Jährigen unmöglich. Deshalb empfahl Krusche ebenfalls die Unterbringung des Beschuldigten in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung. Der Prozess wird in acht Tagen fortgesetzt.

Quelle: Gießener Allgemeine

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