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Altglas-Misere in Gießen: Warum es keine schnelle Lösung gibt

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Von: Burkhard Möller

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In Gießen bleibt seit Wochen immer wieder das Altglas stehen. Ein Spezial-Lkw ist kaputt. Die Stadt muss weiterhin improvisieren.

Gießen - Die Gießener werden sich wohl noch auf unbestimmte Zeit darauf einstellen müssen, dass der Altglas-Container um die Ecke immer mal wieder überfüllt sein wird. Eine kurzfristige Rückkehr zur üblichen Entsorgung ist trotz vieler Bemühungen des Stadtreinigungs- und Fuhramts nicht in Sicht. Neben dem Problem mit dem kaputten Spezial-Lkw, der die Container normalerweise an Ort und Stelle entleert, steht die Stadt Gießen zusätzlich vor der Klärung einer wichtigen Vertragsfrage, informierte Amtsleiter Ralf Pausch am Montagabend (26. September) die Mitglieder des parlamentarischen Hauptausschusses.

Wie Pausch bestätigte, ist die Stadt im Rahmen des dualen Systems bei der Altglasentsorgung Subunternehmer der privaten Entsorgungsfirma Knettenbrech-Gurdulic. Der ist die Entsorgung des Altglases im Landkreis Gießen übertragen worden. Der Untervertrag, den die Stadt mit Knettenbrech-Gurdulic abgeschlossen hat, läuft laut Pausch am Jahresende aus. Bevor nicht geklärt sei, ob die städtische Müllabfuhr die Altglasentsorgung weiter erledigen kann, wäre es unverantwortlich, viel Geld für eine Reparatur oder Neuanschaffung eines Spezial-Lkw auszugeben, erläuterte der Amtsleiter.

Altglas-Krise in Gießen: Vieles hängt an kaputtem Spezial-Lkw

Schnell würde es aber auch nicht bei einer geklärten Vertragssituation gehen. Die Lieferzeit für einen rund 300 000 Euro neuen Entsorgungs-Lkw betrage momentan 12 bis 13 Monate. Pausch diagnostizierte beim beschädigten Lkw zwar ein »Multiorganversagen«, mittlerweile sei aber eine Werkstatt gefunden worden, die das Fahrzeug für rund 80 000 Euro reparieren könnte. Bis zur Auftragsannahme würde es aber auch acht Monate dauern. Der endgültige Preis würde außerdem erst bei Arbeitsbeginn festgelegt, berichtete Pausch.

Zusatztonnen sollen die Entsorgung entlasten. Nicht überall funktioniert das, wie von der Stadt gewünscht.
Zusatztonnen sollen die Entsorgung entlasten. Nicht überall funktioniert das, wie von der Stadt gewünscht. © Jens Riedel

Nach einem Leihfahrzeug hat die Gießener Müllabfuhr laut Pausch seit Juli »zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen« ergebnislos Ausschau gehalten. Ein Erschwernis dabei: Die Stadt Gießen praktiziere das nicht mehr sonderlich verbreitete »Drei-Kammer-System« für Weiß-, Grün- und Braunglas. Entsprechend schwer sei es, einen Lkw mit dem passenden Auflieger zu finden. Auch der Auftraggeber Knettenbrech-Gurdulic oder Remondis seien nicht in der Lage, die Entsorgung in Gießen kurzfristig zu übernehmen.

Gießen: „Im Sommer 120 bis 150 Tonnen Altglas abgeholt“

Mit dem Aufstellen von beschrifteten 240-Liter-Mülltonnen an den Standorten der Altglas-Container will die Stadt Gießen den Entsorgungsstau in den nächsten Wochen weiter verkürzen. »In der Öffentlichkeit ist der falsche Eindruck entstanden, dass das Altglas überhaupt nicht abgeholt wird. Das stimmt nicht; die Leerung vollzieht sich mit Verzögerung. Wir haben auch ohne den Spezial-Lkw im Sommer 120 bis 150 Tonnen Altglas abgeholt«, betonte Pausch.

Ein CDU-Antrag zum Thema Altglasentsorgung wurde von Fraktionschef Klaus Peter Möller nach den Ausführungen von Pausch zurückgestellt. (mö)

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