+
Die Professoren Ulf Theilen (2.v.l.) und Harald Weigand (3.v.l.), die das Forschungsprojekt leiten, mit Minister Tarek Ak-Wazir (3.v.r.) an der Gärtrommel. (Foto: Schepp)

Aus Abfällen wird Biogas

Gießen (si). "Einen Beitrag zur Energiewende leisten" kann nach Einschätzung des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir ein Forschungsprojekt, das seit dem vergangenen Jahr an der TH Mittelhessen läuft. Dabei geht es um ein neues Verfahren, bei dem aus Abfällen Biogas erzeugt wird, und zwar viel effizienter als bisher.

"30 bis 40 Prozent mehr" könnten es nach Einschätzung der Professoren Ulf Theilen und Harald Weigand sein. Dies sagten die Projektleiter gestern, als der Grünen-Politiker ihr Labor im Anwenderzentrum in der Gutfleischstraße besuchte.

Die Ergebnisse sind ökologisch wichtig, aber nicht nur das. Denn sie versprechen auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Die THM arbeitet hier nämlich mit einem Partner aus der Praxis zusammen, der Kompostierungsanlage Brunnenhof, die in Biebesheim im Kreis Groß-Gerau sitzt. "Die Umstellung unserer Energieversorgung auf erneuerbare Quellen ist auch ein Förderprogramm für technische Innovationen, die gut vermarktbar sind und damit Arbeitsplätze sichern und schaffen", lobte Al-Wazir. Er ließ sich bei seinem Aufenthalt ausführlich den Prototyp der Gärtrommel erklären, in der die Abfälle gemischt werden: Speise- und Erntereste, aber auch Mist und Gülle. Das Biogas ist speicherfähig und lässt sich zur Strom- und zur Wärmeerzeugung nutzen. Damit sei es eine gute Ergänzung zur Wind- und Sonnenkraft, freute sich der Landespolitiker, der zugleich stellvertretender hessischer Ministerpräsident ist.

Am Rundgang nahmen neben Projektmitarbeitern und Vertretern der Kompostierungsanlage auch TH-Präsident Prof. Günther Grabatin und Vizepräsident Prof. Frank Runkel teil. Sie bekräftigten, dass anwendungsbezogene Forschung zu Erschließung alternativer Energiequellen an der Hochschule eine lange Tradition habe. Ausdrücklich dankten sie der Landesregierung für die Förderung, die es dem Projekt gewährt: Insgesamt 385 000 Euro, sie kommen aus der Förderlinie 3 der "Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz" (Loewe). Damit bezuschusst das Land Projekte, bei denen Hochschulen mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen zusammenarbeiten.

Die Gärtrommel soll beim praktischen Einsatz einen Durchmesser von bis zu sechs Metern haben. Wenn sie sich dreht, werden die Stoffe gemischt. Welche baulichen Voraussetzungen dafür am besten geeignet sind und mit welchem Ertrag zu rechnen ist, erproben die Wissenschaftler derzeit experimentell. Basis ist eine Rottetrommel, die sich im südhessischen Biebesheim seit 15 Jahren für die Kompostierung bewährt hat.

Die Partner sehen für ihre Neuentwicklung ein großes Marktpotenzial. Laut einer Studie des Wiesbadener Umweltministeriums fallen in Hessen aktuell eine halbe Million Tonnen Bioabfälle im Jahr an. Davon werden nur 15 Prozent in Vergärungsanlagen genutzt.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare