Zeit für ein bisschen Romantik

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(sid). Vielleicht ist genau das ja diese "neue Fußball-Welt", über die Uli Hoeneß sinniert: Solidarität statt Egoismus. Starke, die auch mal zurückstecken und den Schwachen helfen. Ein Hoffnungsschimmer in kritischen Zeiten ist die selbstlose Spende von Bayern München und Co. allemal.

"Diese Aktion unterstreicht, dass Solidarität in der Bundesliga und 2. Liga kein Lippenbekenntnis ist", sagte DFL-Boss Christian Seifert: "Das DFL-Präsidium ist den vier Champions-League-Teilnehmern sehr dankbar im Sinne der Gemeinschaft aller Klubs." Gemeinsam mit Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen zahlen die Bayern 20 Millionen Euro in einen Topf ein, der in Not geratenen Vereinen in der Corona-Krise helfen soll. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor davon berichtet.

"In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass die stärkeren Schultern die schwächeren Schultern stützen", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke meinte: "Wir haben immer gesagt, dass wir uns solidarisch zeigen werden, wenn Klubs unverschuldet durch diese absolute Ausnahmesituation in eine Schieflage geraten." Und Leipzigs Chef Oliver Mintzlaff betonte: "Die Bundesliga ist ein großartiger Wettbewerb und besteht aus einer Vielfalt von 36 Vereinen, die in der Krise an einem Strang ziehen müssen."

12,5 Millionen Euro der gesamten Summe sind Rücklagen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aus TV-Erlösen, die eigentlich den vier Klubs zustehen würden. Die restliche Summe steuern sie aus eigenen Mitteln bei. Das DFL-Präsidium entscheidet über die Verteilung der Gelder.

"Jetzt muss Solidarität gelebt, nicht nur erzählt werden", forderte Hoeneß im Fachmagazin "kicker" - bezogen auf die gesamte Gesellschaft, über Grenzen hinweg, nicht nur im Fußball. Aber eben auch. Der langjährige Bayern-Präsident bezeichnete die aktuelle Situation als "eine Gefahr", sieht in ihr aber auch die Chance, "dass die Koordinaten etwas verändert werden können. Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben". Wie diese (vorerst) in Deutschland aussehen wird, darüber entscheiden die 36 Vereine der Bundesliga sowie 2. Liga am Dienstag bei der virtuellen DFL-Mitgliederversammlung. Auf dem Programm stehen neben der weiteren Saisonplanung auch die wirtschaftlichen Folgen der Zwangspause, unter Umständen ist die Aktion des Quartetts ja nur der Anfang einer solidarischen Welle. Die DFL, die für die Verteilung aus dem "Hilfstopf" zuständig sein soll, wird es hoffen.

Wie schnell aus einer sturen Ablehnung eine großzügige Bereitschaft werden kann, beweist das Beispiel des BVB. Watzke hatte sich unlängst nach unglücklichen Äußerungen den Vorwurf der fehlenden Solidarität gefallen lassen müssen. Dass diese nun dauerhaft Bestand haben wird, darf jedoch zumindest angezweifelt werden. Der Verzicht der vier Champions-League-Starter soll wegen der Corona-Pandemie eine einmalige Solidaraktion sein.

Quelle: Gießener Allgemeine

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