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Willkommen in der Blase

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_1SPOHSPORT16-B_170828_4c © DPA Deutsche Presseagentur

Immer mehr deutsche Athleten treffen vor den Winterspielen in Peking ein. Noch drücken die Corona-Sorgen - der Kapitän des deutschen Eishockey-Nationalteams äußert sich zum Thema Olympia-Boykott.

Inmitten von Helfern in Schutzanzügen posierten die deutschen Olympioniken noch auf dem Rollfeld für die ersten Selfies. Die 146-köpfige Delegation, die am Sonntag mit Lufthansa-Flug LH 724 in Peking eintraf, bekam direkt nach der Landung den ersten Eindruck von der olympischen Parallelwelt in Corona-Zeiten. Hinter Maske und Visier war das Lächeln des chinesischen Empfangskomitees nur schwer zu erkennen, ehe nach den PCR-Pflichttests die streng organisierte Busfahrt in die Athletendörfer begann. Willkommen in der strikt abgeschotteten Olympia-Blase.

Insgesamt wurden bei den engmaschigen Kontrollen am Flughafen und in der Corona-Blase seit dem 23. Januar 139 Infektionen von Olympia-Beteiligten nachgewiesen.

Der Kapitän des deutschen Eishockey-Nationalteams, Moritz Müller, freut sich trotz aller Umstände auf Olympia in Peking. Boykott-Forderungen findet der Fahnenträger-Kandidat »heuchlerisch«, wie er im Interview verrät.

Herr Müller, steigt bei Ihnen die Vorfreude auf Peking oder kommt mehr Skepsis auf?

Bei mir steigt die Vorfreude. Natürlich gibt es Randerscheinungen wegen Corona. Da trifft man Vorkehrungen und versucht noch mehr als sonst, eine Infektion zu vermeiden.

Als Olympia-Teilnehmer sind Sie mindestens geimpft, viele sind geboostert. Haben Sie Verständnis für Impfgegner oder ungeimpfte Sportler?

Zu 100 Prozent. Ich mag die Diskussion nicht, dass Leute anderen Leuten vorschreiben können, was sie tun müssen. Für mich hat sich das Thema mit der Solidarität in dem Moment erledigt, als klar war, dass auch Geimpfte das Virus übertragen können.

Das IOC erlaubt die freie Meinungsäußerung außerhalb von Wettkampfstätten und abseits von Siegerzeremonien. Halten Sie es für notwendig, gerade Themen wie Meinungsfreiheit anzusprechen?

Ich reise als Eishockey-Spieler Moritz Müller da hin und nicht als Annalena Baerbock. Letztlich mache ich mir da aber nicht so viele Gedanken drüber. Ich glaube kaum, dass ich in Gewahrsam genommen werde, wenn ich meine Meinung frei äußere.

Immer mal wieder gab es Diskussionen über einen möglichen Olympia-Boykott. Können Sie das nachvollziehen?

Ich finde diese Diskussion zu großen Teilen heuchlerisch. Da wird wie immer wieder vom Sport erwartet, ein Exempel zu statuieren, was vorher auf anderer Ebene nicht passiert ist. Ich als Athlet trainiere mein halbes Leben für Olympia und schaffe schließlich, dabei zu sein, habe aber gar keinen Einfluss, wo die Winterspiele dann stattfinden. Von uns wird dann erwartet, das zu boykottieren - und das von Leuten, die nicht auf ihr Smartphone oder ihre Sneaker verzichten wollen. Zudem gab es ja die Chance, die Spiele woanders hin zu vergeben, zum Beispiel nach München. Aber das wollte ja keiner. 2015, als die Spiele vergeben wurden, haben alle um die chinesische Aufmerksamkeit gebuhlt. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin total für Menschenrechte. Aber ich glaube nicht, dass ein Boykott etwas ändert. Ich finde eher, dass wir mehr zum olympischen Gedanken zurückkommen müssen. In der der Antike sind Kriege ausgesetzt worden wegen der Spiele. DPA/FOTO: DPA

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