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Wie in der Semperoper

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Wie in einem harmonischen Ensemble ein Rädchen ins andere greift, haben die deutschen Fußballerinnen gerade erst bei einer Führung durch die Semperoper in Dresden bewundert. Sie haben den Musikern und Tänzern beim Aufwärmen zugesehen und einen Blick hinter die Kulissen geworfen, was für eine gelungene Aufführung alles veranlagt wird. Solch Anschauungsunterricht kann nicht schaden, da der Vize-Europameister für das Freundschaftsspiel gegen Frankreich (Freitag 20.

30 Uhr/ARD) in der Elbmetropole selbst eine größere Bühne betritt. Für die Neuauflage des EM-Halbfinals sind 24 500 Karten verkauft. Die Live-Übertragung zur Primetime dürfte zudem ein Millionenpublikum an den Fernseher locken.

Damit werden zentrale Forderungen erfüllt, die die EM-Heldinnen erhoben hatten. Es geht um mehr Sichtbarkeit, um mehr Anerkennung - und damit dauerhaft ein größeres Publikum. Bei Länderspielen, aber auch in der Bundesliga. Die Rekordkulisse beim Eröffnungsspiel bei Eintracht Frankfurt (23 200 Zuschauende) war ein erstes Ausrufezeichen, an den ersten beiden Bundesligaspieltagen kamen mehr Fans als in der gesamten Hinrunde der Vorsaison. Der karge Besucherschnitt (811) aus 2021/22 dürfte Vergangenheit sein. Die EM hat jenen Impuls gegeben, der eigentlich von der Heim-WM 2011 ausgehen sollte.

»Die EM-Euphorie konnte mitgenommen werden, das sieht man anhand der Zuschauerzahlen«, sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die 54-Jährige ist erfreut über das positive Feedback der Fans. »Wir sind sichtbar, sie kennen die Namen, sie erkennen die Spielerinnen und das ist eine tolle Entwicklung.«

Ihr Team ist gefordert, ansprechende Leistungen abzuliefern, auch wenn gegen die spielstarken Französinnen mit Marina Hegering (Fußverletzung), Sara Däbritz (Sprunggelenk), Lina Magull (Corona-Infektion) und Giulia Gwinn (Knieverletzung) vier EM-Stützen fehlen. Nun aber können sich diejenigen zeigen, die schon in England gerne mehr Spielanteile gehabt hätten. »Die Stammelf muss sich weiterentwickeln, und gleichzeitig muss man die Belastung steuern«, beschreibt Mittelfeldorganisatorin Lena Oberdorf den Spagat bis zur WM 2023 in Australien und Neuseeland. Der Traum: Am 20. August 2023 glückt in Sydney beim WM-Finale, was beim EM-Endspiel in Wembley nicht gelang. Für den Fortschritt brauchen die DFB-Frauen hochkarätige Testmöglichkeiten, die mehr bringen als freudlose Qualifikationsspiele.

DFB-Kapitänin Alexandra Popp, die den Doppelpack anbrachte, der in Milton-Keynes das umkämpfte Halbfinale entschied, stört sich nur daran, dass Verband und Vereine offenbar auf den Boom an der Basis nicht vorbereitet waren. Daran übt die 31-Jährige, die merkwürdigerweise nun schon wiederholt mit einem Karriereende vor der WM kokettiert hat, offen Kritik. Der DFB hat 50 197 Erstregistrierungen bei den Mädchen verzeichnet - und damit gar nicht gerechnet. Es fehlt in den Ballungsräumen an Personal, Plätzen und Kapazitäten.

Das wachsende Interesse am Frauen- und Mädchenfußball bekräftigt eine Studie, die die ehemalige Schweizer Nationalspielerin Bettina Baer für den DFB anfertigte. Demnach gibt es 39,7 Millionen Fußball-Interessierte in Deutschland, von denen 19 Millionen sowohl den Fußball der Männer als auch der Frauen verfolgen würden. Die Zahl dürfte in absehbarer Zeit noch steigen. Das Zugpferd bleibt dabei ein erfolgreiches Frauen-Nationalteam, das am besten schon in Dresden wieder Harmonie ausstrahlt. FRANK HELLMANN

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