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Auf des Vaters Spuren Der bittere Abschied der Angelique Kerber Ahlmann gewinnt erneut Enes Kanter erhält »mehr Morddrohungen als je zuvor«

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Was für eine derbe Pleite für Angelique Kerber: An das Achtelfinale der Australian Open 2019 wird sich Deutschlands beste Tennisspielerin der Gegenwart nicht gern erinnern.

Die letzten Meter bis zur Formel 1 will Mick Schumacher in Rot zurücklegen – auf den Spuren seines Vaters. Der 19-Jährige steigt zum Nachwuchsfahrer bei Ferrari auf, er gehört damit nun offiziell zum erfolgreichsten aller Rennställe in der Königsklasse. Und ganz nebenbei schreibt er rund 14 Jahre nach Michael Schumachers letztem WM-Triumph mit der Scuderia an einem ziemlich romantischen Stück Motorsportgeschichte.

»Es ist offensichtlich«, sagte Schumacher, »dass Ferrari seit meiner Geburt einen großen Platz in meinem Herzen und auch in den Herzen unserer Familie hat.« Denn als Mick im Jahr 1999 zur Welt kam, trug sein Vater längst den roten Rennanzug und stieg in den Folgejahren mit den Italienern zum Rekordweltmeister auf.

Nicht nur im Ferrari-Land wird die Nachricht entsprechend emotional aufgenommen. »Es gibt wieder einen neuen Schumacher in Maranello«, jubelte die Gazzetta dello Sport, der Einstieg des Formel-3-Europameisters in die Ferrari Driver Academy sei nicht weniger als »der Beginn eines neuen Kapitels« in der Historie des Rennstalls. Der Corriere della Sera sieht in der Verpflichtung des Talents einen »großartigen Coup: Für die Tifosi wird ein Traum wahr.«

Schließlich steht der Name Schumacher wie kein zweiter für die einstige Dominanz des »Springenden Pferdes« in der Formel 1. Zwischen 2000 und 2004 hatte der Kerpener fünf seiner sieben WM-Titel mit den Roten gewonnen, weiterhin einziger Champion der Nach-Schumacher-Ära ist der Finne Kimi Räikkönen mit seinem Triumph 2007.

Nach seinem Titelgewinn in der Formel 3 debütiert Schumacher in dieser Saison mit dem italienischen Prema-Team in der Formel 2, im direkten Unterbau der Königsklasse also. Dass parallel der Sprung zu Ferrari gelang, ist zweifellos ein Katalysator für Schumachers Karriere. Schon bei den Formel-1-Testfahrten während der anstehenden Saison kann der Teenager in einen Ferrari steigen, die Young Driver Tests sind für Piloten wie Schumacher vorgesehen – und es würde überraschen, wenn der Neue mit dem großen Namen nicht gleich die Chance erhält.

Angelique Kerber schaute nach ihrer klarsten Niederlage bei einem Grand-Slam-Turnier konsterniert drein und gestikulierte fragend. Wie sie die Achtelfinal-Klatsche bei den Australian Open erlebt hatte, konnte die Wimbledonsiegerin schon beschreiben. Über womöglich tiefergehende Ursachen und die Wirkung des 0:6, 2:6 gegen die furchtlose und wie aufgedreht spielende Amerikanerin Danielle Collins wusste Kerber an diesem strahlend schönen Sommer-Sonntag in Melbourne noch nicht recht etwas zu sagen. »Ich habe alles versucht, was ich konnte. Aber es war komplett nicht mein Tag«, sagte Kerber zwei Tage nach ihrem 31. Geburtstag.

Auf dem quälend langen Heimflug haben die Australien-Siegerin von 2016 und ihr Team mit dem neuen Trainer Rainer Schüttler Gelegenheit, jene 56 Minuten zu ergründen, in denen die Weltranglisten-Zweite von der Nummer 35 der Welt an die Wand gespielt und immer wieder vorgeführt wurde. »Trotzdem werde ich Australien mit einem guten Gefühl verlassen, denn dieses Turnier ist für mich immer was Besonderes. Da wird kein Match, keine Niederlage was dran ändern«, betonte Kerber, auch wenn sie in diesem Moment noch so wirkte, als sei dieses Gefühl gerade so weit weg wie die winterliche Heimat.

Verständlich, denn die 25-jährige Collins, die vor den Australian Open noch kein Match im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers gewonnen hatte, spielte noch viel stärker als bei ihrem unerwarteten Erstrunden-Erfolg über Julia Görges sechs Tage zuvor. Mit ihren Grundschlägen jagte sie die hilflose Angelique Kerber über den Platz, griff deren diesmal wieder schwachen Aufschlag an, ging ans Netz und streute Stoppbälle ein – so wie beim ersten Matchball. »Ich habe ihr vom ersten Punkt an gezeigt, dass ich das Match diktiere«, sagte sie.

Es wirkte, als seien die S-Bahn-Züge von der benachbarten Bahntrasse direkt durch die Margaret-Court-Arena und ständig über Kerber hinweg gerattert. »Dass diese amerikanische College-Spielerin unsere Beste quasi vom Platz fegt, hatte man so nicht erwartet«, stellte auch der deutsche Herren-Tennis-Chef Boris Becker bei Eurosport fest.

Damit war der Hamburger Alexander Zverev schon vor seinem Achtelfinale gegen den Kanadier Milos Raonic am frühen Montagmorgen deutscher Zeit die letzte deutsche Hoffnung beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison.

Schon 2017 war Kerber – damals als Titelverteidigerin und US-Open-Siegerin – in Melbourne fast ähnlich schlimm vorgeführt worden: ebenfalls im Achtelfinale, ebenfalls von der Nummer 35, auch damals ging in Coco Vandeweghe eine hart schlagende Amerikanerin unerbittlich zu Werke. Anschließend fiel Kerber in eine tiefe Krise, aus der sie sich im Vorjahr auf beeindruckende Weise befreite. Kerber sagte, sie habe alles für diese Australien-Reise gegeben, nun sei sie zu Ende: »Ich werde das akzeptieren, das Jahr ist noch lang.«

Rekordmann Roger Federer winkte nach der nächsten Enttäuschung bei einem Grand-Slam-Turnier noch einmal tapfer ins Publikum und hob den Daumen. Mit dem Achtelfinal-Aus bei den Australian Open erlebte der Champion der vergangenen beiden Jahre erneut einen bitteren Abend auf großer Bühne und kann seine Bilanz von 20 Titeln bei den vier wichtigsten Turnieren auch in Melbourne nicht ausbauen. Der 37 Jahre alte Altmeister unterlag in einem Duell der Tennis-Generationen dem 20-jährigen Griechen Stefanos Tsitsipas am Sonntag 7:6 (13:11), 6:7 (3:7), 5:7, 6:7 (5:7). Sein langjähriger Rivale Nadal schaffte es mit dem 6:0, 6:1, 7:6 (7:4) gegen den Tschechen Tomas Berdych ins Viertelfinale. Der 32-jährige Spanier trifft am Dienstag auf Frances Tiafoe (USA).

Christian Ahlmann riss die Hand hoch und zeigte mit dem Zeigefinger nach oben. Der Seriensieger von Leipzig zelebrierte am Sonntag beim Höhepunkt des Weltcup-Turniers von Leipzig den Sieg - schon wieder. »Das ist unglaublich«, kommentierte der Springreiter seinen erneuten Erfolg. Wie im Vorjahr gewann der 44-Jährige aus Marl die wichtigste Prüfung des Turniers, die zugleich die elfte von 13 Weltcup-Stationen ist. Für den Doppel-Europameister von 2013 war es schon der insgesamt siebte Sieg im Großen Preis von Leipzig.

Mit Caribis war Ahlmann im Stechen schneller als der Belgier Francois Mathy mit Uno und der Italiener Lorenzo de Luca mit Armitages Boy. Er übernahm damit auch die Führung im Weltcup-Ranking.

Zweitbester deutscher Reiter in Leipzig war Daniel Deußer. Vor 8000 Zuschauern ritt der 37 Jahre alte Hesse mit Tobago auf Rang vier und ist wie Ahlmann bereits für das Finale im April in Göteborg qualifiziert. Marcus Ehning aus Borken kam mit Comme il faut auf Platz fünf. Elf der 15 deutschen Starter im Großen Preis scheiterten im Normalparcours, darunter auch Ludger Beerbaum mit Cool Feeling und der dreimalige Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung, der bei seinem Ausflug zu den Spezialisten mit Chelsea aufgab.

Den Sieg am Tag zuvor hatte sich Marco Kutscher nach einem Zwei-Mann-Stechen gegen Ahlmann gesichert. Auch der dritte Platz ging an einen einheimischen Starter: Deußer verpasste nur wegen eines Zeitfehlers mit Jasmien das Stechen.

Basketballprofi Enes Kanter von den New York Knicks hat sich mit seiner öffentlichen Kritik an der türkischen Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdogan viele Feinde gemacht. »In den letzten Tagen habe ich mehr Morddrohungen erhalten als je zuvor«, sagte der türkischstämmige Center im Interview mit der »Bild am Sonntag«.

Der 26-jährige Kanter hatte auf die Reise zum London-Game der NBA am Donnerstag verzichtet, weil er um sein Leben fürchtet. »Die türkische Regierung ist dafür bekannt, diejenigen zu jagen, die sich gegen Erdogan stellen. Ich riskiere nicht mein Leben, um nach Europa zu gehen, wenn Erdogans langer Arm überall zuschlägt«, so Kanter.

Die USA seien der einzige Ort auf der Welt, an dem er sich immer noch sicher fühle, sagte Kanter, der nach eigenen Angaben trotzdem nie allein auf die Straße geht und bei öffentlichen Terminen immer von Sicherheitsleuten umgeben ist. Seit ihm 2017 die türkische Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, ist der in Zürich geborene Kanter staatenlos. Er steht der Gülen-Bewegung nahe, die von Erdogan für den Putschversuch 2016 verantwortlich gemacht wird. 2021 möchte Kanter US-Bürger werden.

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